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Autobauer Wie Hyundai Innovationen vorantreibt

Elektroauto, Brennstoffzelle, bessere Motoren: Die Autobranche sucht nach der Antriebstechnik der Zukunft. Kaum ein Hersteller ist so dynamisch wie der einstige Billigheimer Hyundai.

Strom für den Elektromotor in Hyundais Design-Studie „Intrado“ liefert eine Brennstoffzelle. 700 bar Druck pressen 100 Liter Wasserstoff in den Tank des E-Mobils. 59,7 Milliarden Euro Umsatz machte Hyundai 2013 weltweit. 600 Kilometer Reichweite schafft der Hyundai Intrado rein elektrisch. Quelle: PR

Der weiße Hyundai Intrado, den der südkoreanische Hersteller im Frühjahr auf dem Genfer Automobilsalon als Weltpremiere zeigte, war mehr als ein Blickfänger. Denn hinter der aggressiven Optik des SUVs mit den an Haifischkiemen erinnernden Lüftungsschlitzen und dem orangefarbenen Innenleben blieben die wahren Innovationen zunächst verborgen: eine Karosserie in extremer Leichtbauweise – und ein leistungsfähiger Brennstoffzellenantrieb.

Eine Konzeptstudie wie so viele, möchte man meinen. Ein Auto, das als Blickfänger auf einem Messestand dient und anschließend im Museum verschwindet – weil entweder die Technik alles andere als serientauglich und die Produktion zu teuer ist oder aber das Fahrzeugdesign einfach nicht für den Alltag taugt.

Ganz anders bei Hyundai: Der Intrado ist nicht bloß ein Showcar, ein Spielzeugauto, an dem sich Designer und Ingenieure ausgetobt haben. Die Südkoreaner, lange Zeit als Billigheimer bekannt, meinen es ernst. Vor allem mit dem Brennstoffzellenantrieb demonstrieren Designer und Ingenieure, wie gegenwärtig die vermeintliche Zukunftstechnologie bei ihnen schon ist.

Denn schon heute können Hyundai-Kunden den Geländewagen ix35 – dessen Nachfolger der Intrado im kommenden Jahr werden soll – mit dem umweltverträglichen Elektroantrieb leasen. Und das nicht bloß im Heimatmarkt, das Angebot gilt global. „Sobald das Tankstellennetz dichter wird und die Nachfrage steigt, können wir die Produktion hochfahren“, sagt Markus Schrick, Chef von Hyundai Deutschland. Gegenwärtig allerdings gibt es in Deutschland nicht mal 25 Tankstellen, an denen Wasserstoff getankt werden kann. Die Brennstoffzelle an Bord des Autos wandelt den Wasserstoff in Fahrstrom um.

Das Henne-Ei-Problem

Das klingt nach einem Henne-Ei-Problem. Die Koreaner lassen sich davon ebenso wenig schrecken wie Toyota: Die Japaner wollen schon im März 2015 mit dem Modell FCV ihr erstes Brennstoffzellenauto auf den Markt bringen – zu einem Preis von umgerechnet 50.000 Euro. Daimler-Chef Dieter Zetsche, der sein Unternehmen bei dieser Technologie „ganz vorne dabei“ sieht, kann da nicht mithalten: Der Mercedes-F-Cell auf Basis der B-Klasse ist erst 2017 serientauglich.

Dabei forschen und arbeiten die Stuttgarter inzwischen schon seit zwei Jahrzehnten an Autos, aus deren Auspuff nur noch Wasserdampf entweicht. Zudem kommen Brennstoffzellenautos mit einer Tankfüllung rund 500 Kilometer weit und damit wesentlich weiter als ein batteriegetriebenes Elektroauto. Deren Akku muss heute meist schon nach 160 Kilometern an die Steckdose und dort stundenlang aufgeladen werden.

Der Hyundai Intrado macht aber noch etwas anderes deutlich: Vorbei sind die Zeiten, da Hyundai als Discounthersteller der Autobranche vor allem für preiswerte Mobilität stand. Für Innovation im Automobilbau, für Vorsprung durch Technik oder Freude am Fahren waren andere zuständig.

Das sind die leistungsstärksten Autobauer
Platz 16: PSA Peugeot CitroënSeit zehn Jahren erstellt das Center of Automotive Management (CAM) der Fachhochschule Bergisch-Gladbach den „Automotive Performance Index“, kurz API. Auf Basis von elf Indikatoren werden die 16 globalen Autobauer in den Bereichen „Finanzen“, „Markt“ und „Innovationskraft“ verglichen. Aus dem daraus erstellten Index lassen sich Rückschlüsse auf die Leistungsfähigkeit der Konzerne ziehen – und das sieht bei PSA derzeit nicht gut aus. Besonders bei der finanziellen Performance und den Markterfolgen muss sich der Verbund von Peugeot und Citroën ganz hinten anstellen. Mut macht aber die Innovationskraft, hier liegen die Franzosen deutlich vor den direkten Wettbewerbern. Positiv: Aus der angelaufenen Kooperation mit Dongfeng (im Bild die chinesische Produktion) und der sich daraus ergebenden Stärkung in Fernost sowie den umfangreichen Restrukturierungen kann PSA allerdings den Anschluss an die Mitbewerber finden. Quelle: dpa
Plätze 15 bis 12Vor PSA drängelt sich ein dichtes Feld der sogenannten „Low Performern“, bestehend aus Suzuki (12), Mazda (13), Renault (14) und Mitsubishi (15). Besonders die kleinen japanischen Hersteller zeichnen sich durch eine gewisse Konstanz aus, wenn auch auf niedrigem Niveau: Bei ihnen sticht keines der drei untersuchten Hauptfeldern besonders hervor. Nur Renault kann, ähnlich wie PSA, eine höhere Innovationskraft aufweisen und so im Vergleich zum Vorjahr einen Platz gutmachen. Quelle: REUTERS
Platz 11: FCAHinter dem Kürzel FCA verbirgt sich nichts anderes als der italienische Fiat-Konzern, allerdings mit den eingegliederten Teilen von Chrysler. Und genau diese Teile des Konzerns sind es, die FCA noch auf dem elften Platz des Auto Performance Index halten. Die gute Marktentwicklung der US-Tochter verhindert ein Abrutschen in die Gruppe der „Low Performer“. Die schlechte finanzielle Leistung lässt nicht nur Übernahmegerüchte wie jüngst durch VW gedeihen, die niedrige Innovationskraft stellt auch keine nachhaltige Besserung der Lage in Aussicht. Wie lange sich Fiat-Chrysler noch unter den „Medium Performern“ halten kann, ist unklar. Quelle: REUTERS
Plätze 10 bis 8Wohin steuert Firmenchef Carlos Ghosn Nissan? Im API aus Konzernsicht in die falsche Richtung: Die CAM-Studie listet die Japaner nur noch auf Rang zehn, ausgerechnet die japanische Konkurrenz Subaru ist vorbeigezogen. Auf Rang 8, der letztes Jahr noch Ford gehörte, ist jetzt noch ein Japaner abgerutscht – Honda. Quelle: dpa
Platz 7: Hyundai-KiaVor einigen Jahren wurden die Koreaner noch als gefährlichster VW-Herausforderer gesehen, doch auch Hyundai-Kia muss den Jahren des Aufschwungs etwas Tribut zollen: Nach zahlreichen neuen Modellen ist die Innovationsstärke zuletzt gesunken, ebenso die Arbeitsproduktivität. Auch kann Hyundai das hohe Absatzwachstum der letzten Jahre nicht halten und entwickelt sich nur mit dem Markt, was aber immer noch ein Plus von sechs Prozent bedeutet. Mit Rang sieben sind die Südkoreaner allerdings auf den schlechtesten API-Rang der letzten Jahre abgerutscht (2011/12= Rang 4; 2012/13: Rang 5). Quelle: REUTERS
Platz 6: General MotorsNoch hat sich das Rückruf-Debakel nicht spürbar auf die Performance von General Motors ausgewirkt, nach wie vor belegt GM Rang sechs. Damit liegen die Amerikaner weiter in der Gruppe der „Medium Performer“ – angesichts der Millionen-Rückrufe nicht schlecht, der Anschluss an Volkswagen und Toyota gerät so aber immer mehr in Gefahr. Quelle: dpa
Platz 5: FordFord gehört zu den größten Gewinnern des API 2014. Der Konzern konnte gleich drei Plätze gutmachen und wird jetzt auf Rang fünf gelistet. Grund für den größten Zuwachs des Rankings ist das Absatz-Plus in China, womit sich Ford an GM und Hyundai vorbeischieben kann. Quelle: dpa

Die Südkoreaner, die vor knapp 40 Jahren mit ihrem unscheinbaren Kompaktwagen Pony erstmals nach Europa kamen, haben sich in den zurückliegenden acht Jahren ein gewaltiges Erneuerungsprogramm verordnet. Nach der Phase als Billighersteller, der später Kunden mit robuster Qualität und ungewohnt langen Garantieversprechen lockte, zündet jetzt die dritte Stufe auf dem Weg in die erste Liga der Markenhersteller. Getrieben wird diese von Design – und Innovationen.

Ob bei der Vielfalt der Antriebskonzepte, bei Design oder in der Produktion: Überall holen die Südkoreaner auf. Heute schon ist der Konzern mit den Schwestermarken Hyundai und Kia und einem Absatz von über fünf Millionen Fahrzeugen fünftgrößter Pkw-Hersteller der Welt. Dabei sind seit der Gründung der Automotive-Gruppe noch nicht einmal 50 Jahre vergangen.

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