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Autoindustrie und IT Schaeffler und IBM arbeiten gemeinsam am Internet der Dinge

Der Automobilzulieferer Schaeffler, Marktführer für Wälz-, Nadel- und Kugellager, und der IT-Riese IBM wollen künftig bei der Analyse großer Datenmengen (Big Data) eng zusammenarbeiten. Am Dienstag beginnt eine Kooperation zwischen den Unternehmen, in die hohe zweistellige Millionenbeträge investiert werden. Vor allem Schaeffler betritt dabei technisches Neuland: Bisher rein mechanische Teile wie Wälzlager oder die Getriebekomponenten von Windrädern, Autos oder Werkzeugmaschinen werden digital: Sie senden Daten, die IBMs KI (Künstliche Intelligenz)-Plattform Watson auswerten wird. Am Ende sollen Maschinen oder Windräder automatisch gewartet oder Autos rechtzeitig vor Verschleißschäden in die Werkstatt gerufen werden.

Schaeffler und IBM schließen strategische Partnerschaft. Quelle: Presse

Autoindustrie und IT wachsen zusammen. Autos bekommen immer mehr Elektronik und Software, etwa Fahr-Assistenz-Systeme, die beim Einparken helfen oder die Spur halten, wenn etwa der Fahrer einschläft oder von seinem Handy abgelenkt wird. Und das ist nur der Anfang, geht es nach der Auto- und der IT-Industrie: „Die Techniklösungen zum automatisierten Fahren stehen noch am Anfang ihrer Entwicklung. Aber dass Autos langfristig vernetzt und autonom fahren können, darf man als gesichert annehmen,“ sagte Peter Gutzmer, Technologie-Chef und stellvertretender Vorstandsvorsitzender bei Schaeffler, der WirtschaftsWoche. „Sie werden das Fahren bequemer und sicherer machen und in bestimmten Anwendungsfällen in Mega Cities auch den Fahrer ersetzen“, so der Vorstand.

Seit Kurzem häufen sich daher Kooperationen zwischen Kfz- und IT-Branche, etwa zwischen Bosch und SAP,  oder zwischen Daimler und Qualcomm. Bei der neuen Kooperation Schaefflers mit IBM geht es im Rahmen der Digitalisierung der gesamten Wertschöpfungskette und der Schaeffler Lösungen um Daten, die während der Fahrt im Auto anfallen.

Schaefflers Rolle dabei: Die Lager und Bauteile der Franken sitzen oft an genau jenen Stellen im Auto, in Maschinen oder auch Hochgeschwindigkeitszügen und Windrädern, wo besonders wertvolle Rohdaten in punkto Fahrverhalten oder Verschleiß entstehen. Etwa in Rädern, an Kurbel- und Nockenwellen, in Kupplungen und Getrieben. Künftig soll Schaeffler diese Teile, die heute noch rein mechanisch oder mechatronisch arbeiten,  mit Sensoren ausstatten.  „Diese werden direkt in die Bauteile integriert“, so Gutzmer. „Die Sensoren erfassen dann Kräfte wie Drehkraft, Seitenkraft, Vortriebskraft, Bremskräfte oder Hitzeentwicklung und senden sie in die Datenwolke, Cloud.“

Die weltweit größten Autozulieferer

Restlebensdauer von Maschinen automatisch berechnen

Dort kommt dann der neue Partner IBM ins Spiel: IBM gilt mit seiner Watson-Plattform als führend bei der Echtzeit-Analyse großer Datenmengen. (Ein Konkurrent ist SAP mit seiner HANA Plattform, die seit 22. September mit Kfz-Zulieferer Bosch eine ähnliche Kooperation aufbaut).

„Die im fahrenden Auto entstehenden Datenmengen sind sehr groß“, sagt Ivo Körner, Geschäftsführer von IBM Deutschland. „Man kann sie nicht auf herkömmliche Art erfassen, sammeln, speichern und dann auswerten, sondern muss sie laufend in Echtzeit analysieren.“ IBM ist einer der wenigen IT-Konzerne, die die Echtzeit-Datenanalyse bereits im großen Stil beherrschen.

Schaeffler wird zusammen mit IBM auf Basis der von Schaeffler Produkten gesammelten Fahrzeugdaten Algorithmen entwickeln, die dann Rückschlüsse über die Beschaffenheit der Bauteile oder auch Straßenzustände zulassen. „Diese Informationen können an den Besitzer, an Stau-Melder Wetterdienste oder Karten-Anbieter für Navis übermittelt werden“, sagt Gutzmer. „Langfristig soll die Technik künstlich intelligent, also selbstlernend sein“, erklärt Körner von IBM. So soll Watson, die KI (Künstliche Intelligenz) Plattform IBMs, die Restlebensdauer von Windkraft- oder Maschinengetrieben auf Basis der in der Schaeffler-Kooperation gesammelten Daten berechnen können. „Vorstellbar ist künftig auch, dass wir die beim Fahren erfassten Daten über die Telekommunikationssysteme des Autos in die Cloud geben, woraus Informationen über Straßenzustand oder Witterung an nachfolgende Fahrzeuge weitergegeben werden können“, so Gutzmer.

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