Autotest Neuer Golf VII zeigt Perfektion im Detail

Größer, reifer und besser – aber nicht billiger: Mit dem VW Golf 7 geht der Kampf um die Kompaktklasse in eine neue Runde. Bei einer Testfahrt zeigt der Neue kaum Schwächen.

Die ersten Bilder des neuen Golf
Weltpremiere für das wichtigste VW- Modell: Europas größter Autobauer hat am Abend des 4. September die neueste Version seines Verkaufsschlagers Golf vorgestellt. Zur Präsentation der siebten Auflage kamen zahlreiche Gäste und Manager der VW-Spitze in der Neuen Nationalgalerie in Berlin zusammen. Quelle: PR
Der Golf 7 ist für die Niedersachsen der entscheidende Modellanlauf des Jahres 2012. Er gilt außerdem als Nagelprobe für den Modularen Querbaukasten (MQB) - eine Produktionstechnik, die konzernweit bislang nur beim Audi A3 zum Einsatz kam, die Fertigung vereinheitlichen und die Kosten drücken soll. Die ersten Fahrzeuge werden bereits seit Anfang August gebaut. Quelle: PR
Das Cockpit mag auf die meisten kühl und klar gestaltet wirken, aber dahinter verbirgt sich soviel Technik, Sicherheit und elektronische Unterstützung, wie noch in keiner Golf-Generation zuvor. Auszüge: Parkpilot mit 360-Grad-Überwachung, Park-Assistent 2.0, der beim Rangieren nur einen Puffer von je 40 Zentimeter vorn und hinten zum nächsten Auto benötigt, dynamischer Lichtassistent, der ein Fahren mit Fernlicht ermöglicht, ohne den Gegenüber zu blenden ... Quelle: PR
... Verkehrszeichen-Assistent, Automatische Distanzregelung, Spurhalteassistent, Pre-Crash-Gurtstraffer, radargestützte City-Notbremsfunktion bis 30 km/h und die Multikollisionsbremse, die nach einem Aufprall das Unfallfahrzeug automatisch abbremst. VW-Vorstand Hackenberg nennt das zwar
„Der Golf muss mit der Zeit gehen, er muss aber keine Revolution darstellen“, konstatiert VW-Entwicklungsvorstand Ulrich Hackenberg, der schon an der Entwicklung des Golf 5 mitgewirkt hatte. Schließlich dürften sich die alten Golf-Modelle „nicht verloren vorkommen“. Quelle: PR
Mit jetzt 1.150 Kilo wiegt der neue VW Golf 22 Kilo weniger als der leichteste Vertreter der Golfklasse bisher, der BMW 1er, und hat sich auf dem Niveau des Vierer-Golf eingependelt. 23 Kilo verlor der jüngste Spross allein an der Karosserie. Nicht durch die Verwendung eines (teuren) Aluminiumaufbaus, sondern durch
Mit dem Leichtbau versuchen die Hersteller vor allem Kraftstoff zu sparen. Ein Viertel des Verbrauchs hängt vom Gewicht ab, so eine Faustregel.

Worüber sich VW-Ingenieure so den Kopf zerbrechen? Nicht nur über effizientere Motoren zur Senkung des Kraftstoffverbrauchs oder einen intelligenten Modulbaukasten, um Montagezeit und Fertigungskosten zu reduzieren. Sie haben sich sogar mit der kniffligen Frage beschäftigt, wie sich die Abdeckung über dem Schminkspiegel in der Sonnenblende so optimieren lässt, dass sie nicht verkantet, wenn sie von zarter Hand zur Seite geschoben wird.

„Perfektion fängt im Detail an“, erklärt VW-Chef Martin Winterkorn sein Interesse auch an Petitessen des Automobilbaus. Demnach müsste der neue Golf eigentlich der perfekte Kompaktwagen sein. Seine Konstrukteure feiern ihn bereits als den „besten, schönsten und grünsten Golf aller Zeiten“. Große Worte. Wird das neue Auto dem hohen Anspruch gerecht? Eine Testfahrt soll zeigen, ob sich das Grübeln der Ingenieure gelohnt hat.

„Gähn-eration Golf“ lästert, wer sich von der siebten Generation des Bestsellers eine Design-Revolution erhofft hatte. Aber warum soll man durch Experimente aufs Spiel setzen, was sich in 38 Jahren bewährt hat? Die siebte Generation bekennt sich wieder zum klassischen Bauhaus-Stil, zitiert seine Vorgänger, setzt zugleich mit seinen Proportionen neue Akzente: Der neue Golf kommt geduckter und gestreckter daher; Insassen wie Gepäck bietet er mehr Raum. Und dennoch stellt sich sofort Vertrautheit ein.

Technische Details

Allerdings kann der neue Golf viel mehr als seine Vorgänger und hat eine Vielzahl von Assistenzsystemen an Bord. Das lässt die Zahl der Tasten am Lenkrad überborden und eine Vielzahl von Tastern auf der Mittelkonsole und Einstellmöglichkeiten im Bordcomputer entstehen. Eine 400 Seiten starke Bedienungsanleitung macht die Eingewöhnung nicht leichter.

Unser Testwagen glänzt nicht nur mit einer Top-Ausstattung, sondern auch mit einem nagelneuen Benziner unter der Motorhaube, bei dem sich zwei der vier Zylinder bei niedriger Antriebslast automatisch abschalten und der Antrieb in einen sogenannten Segelmodus wechselt. Würde der Drehzahlmesser dabei nicht um 600 Umdrehungen abfallen, würde man von der Sparmaßnahme nichts merken. Wer dies häufig nutzt und zurückhaltend fährt, braucht keine fünf Liter Sprit für 100 Kilometer.

Golf VII - Was der VW-Hoffnungsträger kann

Das Doppelkupplungsgetriebe passt perfekt dazu: Die sieben Gänge sind drehzahlschonend ausgelegt und schalten im Automatikmodus butterweich. Und wo der Diesel brummt, summt der Benziner nur. Das bringt viel Komfort auf Langstrecken.

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Durch das neue Baukastensystem spart Volkswagen pro Fahrzeug etwa 1800 Euro, dennoch ist der neue Golf nicht billiger geworden, sondern in bestimmten Varianten sogar einige Hundert Euro teurer. In der Basisausführung und mit drei Türen beginnt der Spaß bei knapp 17 000 Euro. Ein ähnlich motorisierter Opel Astra oder Hyundai i30 sind einen Tausender günstiger. Dafür ist deren Wiederverkaufswert niedriger, die Verarbeitung schlechter. Bereits vor der Markteinführung am 10. November haben 15 000 Menschen einen Kaufvertrag für den neuen Golf gezeichnet, ohne ihn auch nur Probe gesessen zu haben. Mutig? Vielleicht. Ein Fehler war es sicher nicht.

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