WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Better Place Die Elektroauto-Revolution rollt langsam voran

Das Elektromobilitätskonzept Better Place aus Israel ist mit hohen Versprechen gestartet. Doch der Aufbau der Infrastruktur hat viel Zeit in Anspruch genommen. Auch der Verkauf von Autos kommt vorerst nur schleppend voran.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Shai Agassi war bei SAP lange Kronprinz des ehemaligen Firmenchefs Henning Kagermann. 2007 warf Agassi jedoch seinen Vorstandsposten hin und stürzte sich in das Abenteuer Better Place. Quelle: dapd

Eigentlich klingt es nach einem viel versprechendem Geschäftsmodell. Wer in Israel das Elektroauto Fluence von Renault fährt, kann nach 150 Kilometern die Batterie in nur fünf Minuten gegen eine bereits aufgeladene tauschen und weiterfahren. Damit sind die zwei Grundprobleme von Elektroautos gelöst: Die geringe Reichweite und die lange Aufladezeit.

Nun muss sich die Idee im Praxistest bewähren: 33 solcher Batterie-Wechselstationen stehen dazu seit Februar 2012 zur Verfügung. Von Metulla im Norden des Landes, an der Grenze zum Libanon, bis hinunter nach Eilat am Roten Meer können die Autos so fahren. Die Batterie kann der Fahrer für eine monatliche Gebühr mieten. Je nach Verbrauch fallen dann Gebühren zwischen 200 und 400 Dollar im Monat an.

Hinter dem Elektroautonetz steht das israelische Start-up Better Place. Die Idee stammt von Shai Agassi. Der 44-Jährige war bei SAP lange Kronprinz des ehemaligen Firmenchefs Henning Kagermann. 2007 warf Agassi jedoch seinen Vorstandsposten hin und stürzte sich in das Abenteuer Better Place.

Die Probleme von Better Place

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Ob die Idee das Zeug hat, den Automarkt tatsächlich zu revolutionieren, wird sich noch zeigen. Im Laufe des Jahres sollen 8000 bis 10000 Autos auf den Straßen Israels und Dänemark rollen, wie das Management beim Start Anfang des Jahres meinte. Derzeit sind es in Israel ein paar hundert Wagen. Gefahren werden diese Elektroautos zudem zur Hälfte von Better Place-Mitarbeitern. Auf den Straßen Dänemarks fahren derzeit nach Unternehmerangabe über hundert Elektroautos.


    Elektroautos, die zu haben sind
    VW e-Up! Quelle: Volkswagen
    Porsche Panamera S E Hybrid Quelle: Porsche
    Renault FluenceMarke: Renault Modell: Fluence Preis: ca. 25.950 Euro plus Batteriemiete von 79 €/Monat Reichweite (in km): 185 km Leistung (kw/PS): 70kW/95 PS Quelle: Presse
    Mercedes SLS ed Quelle: Daimler
    Renault TwizyMit futuristischem Design und ohne echte Türen kommt der Twizy daher. Der Zweisitzer ist besonders klein und wendig und für den Stadtverkehr konzipiert. Er kann an jeder Haushaltssteckdose aufgeladen werden. Marke: Renault Modell: Twizy Urban Grundpreis (inkl. MwSt): ab 6990 Euro, zusätzlich fallen mindestens 50 Euro Batteriemiete pro Monat an Reichweite (in km): 100 Höchstgeschwindigkeit (km/h): 80 Stromverbrauch (kWh/100km): 6,3 Quelle: dapd
    Smart ed Quelle: Daimler
    Kangoo RapidDer Elektro-Kangoo soll den städtischen Lieferverkehr sauberer und leiser machen. Er bietet mit bis zu 3,5 Kubikmetern Laderaum soviel Platz wie sein konventioneller Dieselbruder. Das ist möglich, weil die Batterien im doppelten Ladeboden verschwinden. Mit 60 PS ist der Elektro-Kangoo ausreichend schnell.   Marke: Renault Modell: Kangoo Rapid Z.E. Grundpreis (inkl. MwSt): 15.100 (+ 86 Euro monatlich fürs Batterie-Leasing) Reichweite (in km): 160 Höchstgeschwindigkeit (km/h): 130 Stromverbrauch (kWh/100km): nicht bekannt Quelle: Presse

    Alles im geplanten Rahmen, wie eine Unternehmenssprecherin versichert. Man habe in der ersten Hälfte des Jahres an einen kontrollierten Verkauf gestartet und wolle in den kommenden Monaten die Verkaufszahlen hochfahren - sobald das gesamte Versorgungsnetz voll in Betrieb sei. Immerhin, so das Unternehmen, stammten ein Prozent der Neuzulassungen im Mai von Better Place, also 120 Exemplare.

    Lässt sich dieses Konzept auch auf andere Autobauer übertragen?  „Es ist illusorisch, zu denken, dass andere Autobauer mit Better Place kooperieren werden“, sagt der Autoexperte Stefan Bratzel, Leiter des Center of Automotive an der FH in Bergisch Gladbach. Die Israelis  werden es nicht einfach haben, weitere Partner zu finden. Denn in dem Batterie-Leasingmodel von Better Place stellt der Hersteller lediglich das Auto zur Verfügung. Die Batterie gehört Better Place, der sie gegen Gebühr an die Endverbraucher vermietet. Der Kunde darf diese Batterien auch daheim aufladen. Allerdings nur mit einer Vorrichtung, die Better Place zur Verfügung stellt. Die gesamte Wertschöpfungskette ab Verkauf des Wagens bleibt also in Händen des Leasingspartners, der als Tankstelle und Werkstatt arbeitet.

    Nächster Markt: Dänemark

    Nun muss sich die Idee im Praxistest bewähren: 33 solcher Ladestationen stehen dazu seit Februar 2012 in Israel zur Verfügung. Von Metulla im Norden des Landes, an der Grenze zum Libanon, bis hinunter nach Eilat am Roten Meer können die Autos so fahren. Quelle: dapd

    Ein weiteres Problem: Die Infrastruktur. Vier Jahre hat Better Place gebraucht, um ein Netzwerk von Wechsel- und Ladestationen in einem kleinen Flächenland wie Israel funktionsfähig zu machen. „Um gleiches in einem großen Land zu schaffen“, so Bratzel, „bedarf es enormer Investitionssummen“. Die Chance, dass sich Better Place mit seinem Konzept tatsächlich durchsetzt, hängt daher von dem Erfolg in kleinen Märkten ab.

    Da sind die finanziellen und logistischen Herausforderung nicht zu vernachlässigen. In Dänemark, dem zweiten Markt, den Better Place erobern möchte, hat der Ausbau der Infrastruktur mehr Zeit in Anspruch genommen als vorab geplant. Mehrere Male verschob sich dort der Start der ersten Stationen. Nach Firmenangaben rollen nun in dem kleinen Land die ersten 100 Wagen.

    Die Verzögerungen sorgten trotzdem bei dem Kooperationspartner Renault für Irritationen. Dieser verkündete prompt, den Kunden in Kopenhagen ein anderes E-Modell anzubieten. Und zwar das Modell Zoe. Renault ließ das Publikum wissen: „Wir verkaufen den Zoe mit eigener Batterie, und zwar bis Better Place bewiesen hat, dass seine Ladestationen reibungslos funktionieren“. Harte Worte von dem französischen Autobauer, mit dem Better Place sich das ehrgeizige Ziel gesetzt hat, im Jahr 2016 bis zu 100.000 Elektroautos auf den Markt zu bringen.

    Die Entwicklung hat 428 Millionen Euro verschlungen

    Top-Jobs des Tages

    Jetzt die besten Jobs finden und
    per E-Mail benachrichtigt werden.

    Standort erkennen

      Auf dem israelischen Markt hat es Better Place derweil geschafft, einige Akteure von dem Konzept zu überzeugen. So hat der größte nationale Autoverleiher Eldan einen Vertrag mit dem Start-up unterzeichnet. Eldan bietet nun seinen Kunden auch den Renault Fluence zur Vermietung an. Beißen diese an, wäre das ein Vorteilen für beiden Seiten. Etwa zwei Drittel aller Wagen, die in Israel jedes Jahr verkauft werden, landen in den Depots und Garagen der Verleihfirmen. Immerhin haben die Autoverleihfirmen bereits 1800 Exemplare des Renault-Fluence mit Better Place Batterien bestellt. „In dem Bereich Flotten – sei es Firmen- oder Leihflotten – könnte dieses Leasingmodell vielleicht Erfolg haben“, sagt Autoexperte Bratzel. Dem Eldan Deal folgten auf jeden Fall weitere Verträge mit den Verleihern Albar, Avis, Eurodrive und Hertz, wie Better Place auf Anfrage mitteilt.

      In vier Jahren Entwicklungsphase hat Better Place bei diversen Kapitalgebern 750 Millionen Dollar eingesammelt. Und in der gleichen Zeit verschlungen Entwicklung und Test der technischen Infrastruktur, Software und Hardware schon 426 Millionen Dollar.

      Mobilität



      Nun stellen langsam auch Experten in Israel die Frage: Wie möchte das Unternehmen nach all den Verzögerungen endlich Geld verdienen?

      Diejenigen, die Anteile an dem Unternehmen halten, dürfte diese Frage auch umtreiben. Nach draußen steht die Israel Corporation noch zu Better Place. Doch die größte Investment Holding im Land, die 29 Prozent an dem Start-up hält, vermeldete kürzlich im ersten Quartal 2012 hohe Verluste. Unter anderem auch wegen dem Better Place.

      Kurz nachdem die ersten Fluence-Elektroautos über die Straßen Israels rollten, hatte der Gründer und Geschäftsführer Shai Agassi erklärt, vor weiteren Geldanfragen bei der Holding abzusehen. Frisches Geld soll es erst beim Börsengang geben – wenn überhaupt, so der ehemalige SAP-Manager, erst in frühestens zwei Jahren.

      © Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
      Zur Startseite
      -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%