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Daimler, BMW & Co Junge Konsumenten zwingen Autobauer zu Strategieschwenk

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Was Peugeot in Berlin im großen Stil startet, testet Daimler – in kleinerem  Rahmen – mit dem Projekt Car2go seit zwei Jahren in Ulm. Ende 2009 startete der Car-Sharing-Versuch des deutschen Autobauers zudem in der texanischen Stadt Austin.

Die Konditionen sind simpel: Nach einmaliger Anmeldung stehen den Ulmer Bürgern 200 weiße Smarts zur Ver-fügung, die jeder im Stadtgebiet aus-leihen kann. Ohne Grundgebühr oder Kaution. Ein Kartenlesegerät an der Frontscheibe zeigt, ob der Wagen frei, besetzt oder reserviert ist. -Buchungen sind per Handy und über das Internet möglich. Immerhin 700 bis 1000 Buchungen verzeichnet Car2go derzeit pro Tag.

Die Nachfrage ist so groß, dass Daimler – wohl auch unter dem Druck der Peugeot-Ankündigung – noch in diesem Jahr den Schritt aus der Testphase in die Kommerzialisierung wagt: „Wir sind mit mehreren bedeutenden Städten weltweit in Verhandlung“, sagt Jérôme Guillen, der Verantwortliche für Business Innovations bei Daimler. Gesucht ist unter anderem eine Großstadt mit mindestens 500 000 Einwohnern. „Car2go war nie als Wohltätigkeitsveranstaltung gedacht“, sagt Guillen. „Für uns ist das ein attraktives, neues Geschäftsmodell.“

Mobilität statt Auto

Von Daimler über BMW, Toyota und Honda bis Renault arbeiten praktisch alle Autohersteller an Mobilitätskonzepten. Auch Ford schwant, dass es in Zukunft nicht ausreicht Fiesta, Focus und Mondeos zu produzieren. „Wir müssen sehen, ob wir in Megacitys bald Mobilität statt Autos verkaufen“, stimmt Ford-Deutschland-Chef Bernhard Mattes in den Chor ein.

Wie genau sich BMW aufstellt, dazu schweigen die Bayern noch. Doch die Marke, unter der sie die Zukunft angehen wollen, haben sie schon definiert: „Project i“. Das steht für unkonventionelle Elektrofahrzeuge, die die Münchner entwickeln wollen. Dazu zählen neben Autos auch Roller und Motorräder.

Klingt vertraut? Richtig. Etwas Ähnliches hatte BMW schon mal. Den wegweisenden überdachten C1-Roller, der mit Gurt und ohne Helm gefahren werden kann. Mangels Akzeptanz wurde er 2003 eingestellt. „Der C1 war seiner Zeit voraus“, bedauert Hendrik von Kuenheim, der Leiter von BMWs Motorrad-Sparte.

Neue Geschäftschancen wittert auch der Ex-Daimler-Manager und jetzige Bahn-Chef Rüdiger Grube. Er sieht die Bahn auf dem Weg zum „integrierten Mobilitätskonzern“. Teil davon ist der Ausbau des Mietwagenprogramms Flinkster, das die Bahn seit März des vergangenen Jahres in Köln und Stuttgart testet. Nach der Anmeldung können Bahn-Kunden rot-weiße Alfa Romeo Mitos an Bahnhöfen und in Innenstädten ausleihen.

Bahn verleiht Autos

Grube will den öffentlichen Nahverkehr mit der letzten Meile zum Geschäftstermin oder nach Hause möglichst unkompliziert verbinden. Der Reisende fährt die Strecke zwischen Hamburg und Stuttgart bequem mit dem ICE, die 15 Kilometer vom Hauptbahnhof bis nach Hause legt er im schicken Alfa zurück. Obwohl Flinkster mit einem Tagespreis von über 70 Euro für 149 Kilometer teuer ist, scheint das Konzept aufzugehen: Die Zahl der Kunden stieg 2009 um 18 Prozent auf 5000 Kunden. In diesem Jahr will Bahn-Chef Grube entscheiden, in welchen weiteren Städten Flinkster angeboten wird.

Schon jetzt ist eine weitere Mobilitäts-Kooperation der Bahn vereinbart: In Berlin vermietet das Unternehmen künftig gemeinsam mit dem japanischen Hersteller Toyota 23 Prius-Hybridautos. Ausgestattet mit Elektro- und Verbrennungsmotoren fahren diese bis zu 20 Kilometer rein elektrisch. Die nagelneuen Wagen sind sogenannte Plug-in-Hybride, deren Akkus an der Steckdose – englisch „plug“ genannt – wieder aufgeladen werden.

Auf Elektromobilität setzt auch das vom Ex-SAP-Vorstand Shai Agassi gegründete Unternehmen Better Place. Agassi will mit Better Place eine Infrastruktur für emissionsfreie Mobilität schaffen. Die Fahrzeuge sollen durch Kooperationspartner wie Renault hergestellt und vertrieben werden. Lange tat sich Better Place schwer, Investoren und Hersteller für das Konzept zu gewinnen. Anfang Februar hat Better Place nun immerhin in Ramat HaSharon in Israel ein erstes Vorführzentrum für Elektroautos eröffnet.

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