WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Daimler, BMW & Co Junge Konsumenten zwingen Autobauer zu Strategieschwenk

Seite 3/3

Aufgeschreckt durch die Konkurrenz von unerwarteter Seite sowie das lahmende Firmengeschäft, kümmern sich plötzlich auch die Autovermieter verstärkt um die Mobilität von Privatkunden. Ein cleveres Angebot ist die Sixt AboCard, die Privatauto oder Dienstwagen ersetzen kann. Für einen je nach Fahrzeugklasse variablen monatlichen Fixbetrag bekommt der Nutzer das Recht, weltweit ein Fahrzeug zu mieten. Das ist quasi eine Mietauto-Flatrate: Mobilität ohne Kapitalbindung für ein eigenes Auto.

Die Initiative kommt nicht zufällig: Car-Sharing – also die Blaupause für „Mobilität nach Bedarf“ – bedroht zunehmend das klassische Vermietgeschäft. In Japan hat sich die Nutzung von Car-Sharing-Angeboten im vergangenen Jahr verdreifacht. In Deutschland stieg die Zahl der Teilnehmer 2009 um mehr als 15 Prozent auf knapp 160 000 Nutzer. Trotz der Abwrackprämie, die viele Wechselwillige mit Schnäppchenpreisen doch noch zum Kauf eines eigenen Autos animierte.

Die Unternehmensberatung Frost & Sullivan rechnet mit einem anhaltenden Boom. Laut einer aktuellen Studie zum Car-Sharing werden sich bereits 2016 in Europa 5,5 Millionen Nutzer rund 77 000 Fahrzeuge teilen. Derzeit verteilen sich etwa eine halbe Million Menschen auf 13 200 Mietwagen. Im gleichen Zeitraum soll sich der Umsatz im Car-Sharing-Markt europaweit von 220 Millionen auf 2,6 Milliarden Euro fast verzwölffachen.

Damit erhöht sich der Druck auf die Autohersteller noch. Denn bewahrheitet sich die Frost & Sullivan-Prognose, könnten rund eine Million Autos aus dem Verkehr gezogen werden. Immerhin ersetzt jedes Car-Sharing-Fahrzeug zwischen vier und zehn Autos im Privatbesitz.

Car-Sharing soll Akzeptanz von Elektrofahrzeugen verbessern

Und der Boom des Car-Sharing wird nicht nur den Wandel der Geschäftsmodelle beflügeln: Der Autor der Studie, Aswin Kumar, erwartet zudem, dass die Teilzeit-Autos Absatz und Akzeptanz von Elektrofahrzeugen befeuert. An vorderster Front dieses Trends steht Frankreich, wo die Regierung, beflügelt durch den Erfolg des Pariser Leihfahrradversuchs Velib, nun den Car-Sharing-Versuch Autolib fördern will. An 700 Stationen sollen Kunden 4000 Autos mieten und überall in der Stadt wieder parken können. Bereits 2012 soll jedes dritte Car-Sharing-Fahrzeug elektrisch betrieben sein. Rund 1,5 Milliarden Euro fließen dazu in den Bau von Ladestationen. Ab 2012 müssen Bauherren neuer Wohnanlagen Parkplätze mit Akku-Ladesäulen einrichten – und ab 2015 ist bei allen Firmenparkplätzen die Lademöglichkeit fürs Elektrofahrrad oder Elektroauto Pflicht.

Die Zeichen mehren sich, dass das Jahrhundert des privat genutzten, von einem Verbrennungsmotor angetriebenen Automobils zu Ende geht. Wie künftig der Personentransport in Großstädten aussehen könnte, lässt sich bei Toyota besichtigen. Die Japaner denken gerade über die Serienfertigung eines bisher nur als Designstudie existierenden dreirädrigen Mobils namens iReal nach. Das rollstuhlähnliche Vehikel schafft elektrisch bis zu Tempo 35 und wird über einen Joystick gelenkt. Sogar über Treppen kann der iReal fahren – bis vor die Wohnungstür. Schöne neue Welt.  

Jetzt auf wiwo.de

Sie wollen wissen, was die Wirtschaft bewegt? Hier geht es direkt zu den aktuellsten Beiträgen der WirtschaftsWoche.
Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
Diesen Artikel teilen:
  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%