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Das Auto der Zukunft Beim TÜV gehts künftig um Strom

Das Elektroauto kommt und Prüforganisationen müssen sich umstellen: Spätestens in drei Jahren ist der Trennstecker das A und O bei der Hauptuntersuchung.

Zentrale des TÜV Rheinland Quelle: dpa

Herr Klingner, wie viele Elektroautos wurden vom TÜV Rheinland in Berlin schon untersucht?

Ulf Klinger: Gute Frage. Von den Serienfahrzeugen kommt derzeit ja nur der Prius von Toyota zu uns. Die Fahrzeuge, die jetzt serienmäßig neu vom Band rollen, die fahren erst in drei Jahren zur Hauptuntersuchung.

Bei einem Benziner oder Dieselfahrzeug achtet der TÜV immer auf Stellen, wo Öl oder Wasser austritt. Was schauen Sie sich bei einem Elektroauto zuerst an?

Auch hier ist die augenscheinliche Inspektion wichtig – also achten wir auf Scheuerstellen und lose Kabel.

Was sollen Elektrofahrzeuge beim TÜV, wenn Sie den Zustand zum Beispiel des Elektromotors nicht prüfen können?

Auch Elektrofahrzeuge haben ja Bremsanlagen. Und man muss sicherstellen, dass nichts manipuliert wurde. Fahrwerk und Lenkung müssen auch überprüft werden. Wichtig ist, ob der Trennstecker nach Herstellervorgaben noch vorhanden ist.

Der Trennstecker?

Der trennt den Antriebsakku von der Antriebseinheit. Der Stecker muss leicht erreichbar sein, damit er im Notfall von Rettungskräften bewegt werden kann. Wir arbeiten ja mit Fahrzeugen mit einer Spannung von mehr als 300 Volt.

Die Sieger und Verlierer des TÜV-Reports
Der Anteil der Fahrzeuge mit erheblichen Mängeln auf Deutschlands Straßen ist um 0,2 Prozentpunkte auf 19,7 Prozent angestiegen, das geht aus dem akuellen TÜV Report 2012 hervor, der auf den Daten aus Hauptuntersuchungen von rund acht Millionen Fahrzeugen beruht. Im folgenden zeigen wir die großen Gewinner und Verlierer bei den einzelnen Modellen im Bild, und einen Überblick über die am häufigsten von den Sachverständigen und Prüfern beanstandeten Mängel ... Quelle: dpa
Gewinner ist im zweiten Jahr in Folge der Toyota Prius, beste deutsche Fahrzeuge sind der Porsche Boxster/Cayman und der Volkswagen Golf Plus. Nur 1,9 Prozent des japanischen Hybrid-Modells, das nach drei Jahren das erste Mal zur Hauptuntersuchung muss, fallen den Ergebnissen zufolge durch erhebliche Mängel bei der HU auf, - obwohl die Technik des Modells als besonders anspruchsvoll gilt. Japanische Fahrzeuge dominieren die Statistik seit 2008 ununterbrochen. Die letzte deutsche Doppelspitze hatte es beim TÜV Report 2007 gegeben, als die wenigsten Mängel in der Kategorie der zwei- und dreijährigen Fahrzeuge Opel Meriva festgestellt wurden, gefolgt vom Ford Fusion ... Quelle: Reuters
Wie im Vorjahr stehen Beleuchtung, Achsen und Bremsen auf den Mängellisten ganz oben. Der Anteil der mängelfreien Fahrzeuge hat sich in den vergangenen fünf Jahren von 48,3 Prozent im Jahre 2007 auf 53,9 Prozent verbessert. Zwar führt Licht die Mängellisten immer noch an, doch die Mängelquote ist leicht gesunken. Die größte Verbesserung gibt es bei den zehn bis elf Jahre alten Fahrzeugen – um 1,7 Prozentpunkte auf 28,6 Prozent. Bei den Neufahrzeugen ist die Quote mit 8,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gleich geblieben. Quelle: dpa
... und mit dem kompakten Auris auf Platz zwei fährt Toyota zudem einen echten Doppelsieg ein. Der Zweitürer verteidigt damit auch seine gute Platzierung aus dem Vorjahr. Rang sieben in dieser Klasse geht an übrigens an einen weiteren Toyota, den Corolla Verso. Quelle: ap
Der Toyota Auris teilt sich mit einer durchschnittlichen Mängelquote von 2,6 Prozent aber den zweiten Platz mit dem Mazda 2. Bei relativ neuen Wagen, die bei der Untersuchung bis zu drei Jahre alt waren, hatten der Übersicht zufolge nur 5,9 Prozent erhebliche Mängel. Bei fünfjährigen Fahrzeugen waren es 10,3 Prozent, bei neunjährigen 22,2 Prozent und bei elfjährigen bereits 26,8 Prozent. Quelle: dapd
Auf den Folgeplätzen die ersten Deutschen: der Porsche Boxster/Cayman mit einer Mängelquote von 2,8 Prozent, gleichauf mit dem VW Golf Plus, der sich im Vorjahresvergleich um einen Platz verbessert hat. Quelle: Reuters
Am unteren Ende des Rankings der Zwei- und Dreijährigen finden sich in diesem Jahr zwei typische Gewinner der Abwrackprämie: Der Dacia Logan als Schlusslicht 2012 mit einer Mängelquote von 12,5 Prozent und der Fiat Panda als Drittletzter (Mängelquote 11,6 Prozent). Quelle: dpa

Wenn es an die Hauselektrik geht, sollte zuerst die Hauptsicherung außer Betrieb genommen werden, wenn an Leitungen gearbeitet wird. Läuft das bei einer TÜV-Untersuchung eines Elektroautos auch so ab?

Es gibt klare Regeln, unter anderem im Informationsblatt GUV – I 8686 der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung. Darin geht es um die Qualifizierung für Arbeiten an Fahrzeugen mit Hochvoltsystemen. Die Schrift besagt, dass Arbeitskräfte, die mit Hochvoltsystemen zu tun haben, eine Schulung für festgelegte Tätigkeiten als Elektrofachkraft haben müssen.

Für diese Aufgabe sind also Elektriker gefragt?

Ja, hierfür können Elektriker bei uns einen dreitägigen Lehrgang absolvieren. In dem Lehrgang würde ihnen vermittelt, wo und wie sie im Fahrzeug arbeiten dürfen und wo sie eine Anlage spannungsfrei schalten müssen. Was uns in diesem Zusammenhang derzeit noch Bauchschmerzen macht, ist die Schulung der Rettungskräfte. Denn beim TÜV und in den Kfz-Werkstätten sind die Schulungen bereits angelaufen. Polizei und Feuerwehr kommen aber bisher nur sporadisch zu uns.

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