E-Mobilität Zukunft des E-Autos – Zeit für echte Gehhilfen

Nicht am Geld mangelt es rund um Elektroautos – viel mehr sind alltagstaugliche Ideen Mangelware. Und die können durch Subventionen nicht hervorgezaubert werden.

Die beliebtesten E-Autos der Welt
FankreichFrankreichs Autobauer setzen voll auf Elektromobilität. Doch das E-Auto, das sich in der Grande Nation am besten verkauft, ist kein Renault, kein Peugeot und kein Citroen. Platz 1 geht an das Modell Bluecar des französischen Mischkonzerns Bolloré. Es wurde im ersten Quartal über 700 Mal abgesetzt. Insgesamt wurden schon über 1800 Bluecars in Frankreich zugelassen – die meisten jedoch nicht durch Privatkunden, sondern den Pariser Car-Sharing-Anbieter Autolib. Französische Privatkunden können das Bluecar ab Juni für 330 Euro pro Monat leasen – bei Fahrtkosten von 1,50 Euro pro 100 Kilometer kein schlechter Deal. Quelle: dapd
In Japan führt ein alter Bekannter das E-Auto-Ranking an: Der Nissan Leaf. Unter den Elektro-Großserienfahrzeugen der ersten Stunde gehört es zu den besten und erfolgreichsten. 2011 wurden wegen des Erdbebens in Japan nur 20.000 Stück gebaut, in diesem Jahr strebt Nissan 40.000 an. Im Heimatmarkt wurden im ersten Quartal knapp 2800 Leaf abgesetzt. Quelle: dapd
USAIn Frankreich ist ein französisches Modell top, in Japan ein japanisches – und in USA ein amerikanisches. Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis von Industriepolitik. Die Länder fördern den Verkauf heimischer E-Autos mit Kaufprämien von einigen tausend Euro. So landet in den USA der Chevrolet Volt ganz oben auf dem Treppchen mit über 3700 neu zugelassenen Fahrzeugen im ersten Quartal. Weltweit wurde das E-Auto, das auch über einen benzinbetriebenen Zusatzmotor verfügt, schon 23.000 Mal verkauft. In Deutschland ist das fast baugleiche Auto auch als Opel Ampera zu haben. Quelle: dapd
China hat große Pläne mit dem Elektroantrieb. Weil der Rückstand gegenüber den großen Autonationen bei herkömmlichen Antrieben nicht aufzuholen ist, will China mit E-Autos angreifen. Doch das in der DDR erfundene Manöver „Überholen ohne Einzuholen“ (Walter Ulbricht) gestaltet sich schwieriger als gedacht. Technische Probleme werfen die chinesischen Autobauer immer wieder zurück, was sich auch an den Zulassungszahlen ablesen lässt. Im ersten Quartal war das Modell A-Class von Jianghuai Automobile Co (JAC) das meistverkaufte E-Auto – mit ganzen 213 Fahrzeugen. Quelle: AP
DeutschlandDie deutschen Kunden gehen das Thema E-Auto pragmatisch an. Platz 1 im ersten Quartal geht an den elektrischen Renault Kangoo. Für Gewerbe, die für einen begrenzten Radius einen Transporter brauchen und unter hohen Benzin-Rechnungen leiden, ist die E-Version des Kangoo eine echte Alternative. Bei 20.000 Euro Kaufpreis zuzüglich einer monatlichen Batteriemiete von 72 Euro (zzgl. MwSt) kann sich das Fahrzeug durchaus rechnen. Das dachten sich wohl auch die 280 Käufer, die im ersten Quartal zugriffen. Den eher klassischen Autokäufer darf man dagegen hinter dem zweitplatzierten Modell vermuten,… Quelle: REUTERS
…dem Opel Ampera. Der technische Zwillingsbruder des Chevrolet Volt wurde im ersten Quartal 250 Mal abgesetzt. Das ist nur gut ein Prozent der weltweit verkauften Volts und Amperas. Am Produkt selbst kann das geringe Interesse in Deutschland nicht liegen, denn der Ampera ist ein Auto, das die meisten Alltagsstrecken (bis 80 Kilometer) elektrisch und kostengünstig schafft, dank des zusätzlichen Benzinmotors aber auch alle Vorzüge eines herkömmlichen Autos der Golf-Klasse hat. Was die Kunden abschreckt, ist wohl eher der Anschaffungspreis (43.000 Euro) und die Frage, wie viel so ein Auto nach ein paar Jahren noch Wert ist. Quelle: dpa
Mit mageren 110 Autos liegt der Renault Fluence auf Platz 3 hierzulande. Auch hier muss man sich die Kunden als preisbewusste Pragmatiker vorstellen, denn der Fluence hat Passat-Größe und kostet dennoch nur 26.000 Euro plus 82 Euro monatliche Batteriemiete. Noch günstiger und mit frischer Cabrio-Brise kann man in einem anderen elektrischen Gefährt reisen,… Quelle: Presse
…dem Renault Twizy. Der Zweisitzer ist streng genommen gar kein Elektroauto, sondern ein Elektro-Quad. Es werden folglich weniger Steuern und Versicherung fällig und auch bei der Anschaffung ist das Gefährt mit 7000 Euro plus 50 Euro Batteriemiete pro Monat durchaus bezahlbar. So was gefällt den Discount-Deutschen: Respektable 1750 Stück verkaufte Renault im ersten Halbjahr in Deutschland – mehr als alle abgesetzten E-Autos zusammen.   Quelle: REUTERS
In Italien schafft es der Citroen C-Zero an die Spitze. Allerdings ist der Absatz von Elektroautos im ersten Quartal in Italien insgesamt äußerst gering. Der C-Zero schafft es mit nur 40 verkauften Exemplaren auf das Siegertreppchen. In Deutschland und Spanien belegt er immerhin noch Platz fünf. Da der Stadtflitzer europaweit nur wenig Fans findet, hat PSA die Produktion des Modells vorübergehend eingestellt. Gemäß dem Marktforschungsinstitut Jato Dynamics hat Citroen in den ersten sechs Monaten 2012 in Europa nur 935 C-Zero abgesetzt. Kostenpunkt für den C-Zero knapp 30.000 Euro. Quelle: Presse
DänemarkDie Dänen fördern den Kauf von Elektroautos am meisten, beim Absatz fahren sie anderen Nationen aber noch deutlich hinterher. Mit 55 verkauften Peugeot iOn ist der Franzose das Lieblingselektro-Auto der Dänen in den ersten drei Monaten des Jahres. In Italien ist er das zweitbeliebteste Modell, in Frankreich reicht es noch für ein Plätzchen unter den Top fünf. Wie beim französischer Kollegen Citroen C-Zero stehen in der iOn-Produktion derzeit die Bänder still. Nur 852 Fahrzeuge dieses Typs brachten Händler nach Informationen der Marktforscher von Jato Dynamics in ganz Europa los. Quelle: dpa

Nach den ersten 100 Metern sollten die Läufer nicht über Seitenstechen klagen, wenn der Marathonlauf noch zum allergrößten Teil bevorsteht, meinte Henning Kagermann, der Vorsitzende der Nationalen Plattform Elektromobilität, nach dem regelmäßigen Spitzentreffen von Branchenvertretern und der Bundeskanzlerin heute in Berlin. Seine gelassene Botschaft: Es gehört dazu und wer das nicht wegsteckt, soll gar nicht erst mitlaufen.

Doch wie gut der Umstieg von Autos mit Verbrennungsmotoren auf Elektromobilität in Deutschland gelingt, ist noch offen. Zum Glück haben die Beteiligten am Treffen mit der Kanzlerin auch nicht vorgetäuscht, sie wüssten welche Vehikel serientauglich werden, welche Produkte deutscher Hersteller reüssieren und wozu sich deutsche Käufer mobilisieren lassen.

Kaufprämie ist der falsche Weg

Noch sind die Zahlen sehr bescheiden, die Prognosen waren vielleicht zu optimistisch: E-Autos verkaufen sich schlecht. Das Ziel der Regierung, bis 2020 eine Million solcher Autos auf den Straßen zu sehen, ist womöglich zu optimistisch. Derzeit wirken 600.000 Wagen mit Elektrobatterie wahrscheinlicher. Zu Jahresanfang waren von den 43 Millionen Pkw hier im Land nur rund 4500 Elektroautos zugelassen.

Doch die Kaufprämie, die Vorstände von Autoherstellern gerne fordern, wäre der falsche Weg. Damit würde im besten Falle nur erreicht, dass Menschen sich statt eines Diesels oder Wagen mit Verbrennungsmotor ein E-Auto in die Garage stellen. Doch die Zeichen mehren sich, dass die Menschen sich darauf zu heutigen technischen Bedingungen gar nicht darauf einlassen. Dass diese Förderung herkömmlicher Mobilität wahrscheinlich ohnehin an ihre Grenzen stößt.  Die Kaufprämie bis zu 7000 Euro in Frankreich und ähnliche Anreize in den USA oder Japan haben zudem noch keine prickelnden Erfolge gezeigt. Die PKW sind zu teuer, die Reichweite noch zu gering und das Aufladen dauert ewig.

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