E-Autobauer macht Spitzenmargen Tesla-Chef nennt Preiserhöhungen „etwas beschämend“

Tesla, Elon Musk Quelle: imago images

Tesla hat bessere Zahlen vorgelegt, als erwartet. Die Bruttogewinnmarge ist weiterhin Spitze in der Autobranche. Wie groß kann das Unternehmen noch werden – vor allem, wenn der Gegenwind nachlässt?

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Im Vorfeld vor Schwierigkeiten warnen, um dann doch besser als erwartet zu liefern – so war es am Dienstag bei den Netflix-Quartalszahlen. Und es setzte sich am Mittwoch bei Tesla fort.

Analysten hatten wegen des Covid-Produktionsstopps in Shanghai und Anlaufschwierigkeiten in Texas und Brandenburg mit Einbußen bei Umsatz und Gewinn gerechnet. Tatsächlich hatte Tesla Anfang Juli die Auslieferung von 254.695 Teslas fürs zweite Quartal gemeldet. Im ersten Quartal waren es noch 310.000 Stück.

Der am Mittwoch gemeldete Umsatz fürs zweite Quartal lag dann stattdessen zwischen 300 und 500 Millionen Dollar über den Erwartungen der Wall Street. Tesla gelang ein Umsatz von 16,9 Milliarden Dollar. Weniger als im ersten Quartal 2022 und vierten Quartal 2021, aber immerhin 42 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Überraschend ist vor allem der Gewinn von 2,2 Milliarden Dollar, der sich gegenüber dem zweiten Quartal 2021 fast verdoppelte. Und fast an das traditionell starke Jahresendquartal heranreichte. Was auch daran lag, dass Tesla mehrfach die Preise erhöhte. Die Bruttogewinnmarge von Tesla, inklusive dem Verkauf von Abgaszertifikaten von 344 Millionen Dollar, fiel zwar im zweiten Quartal von 33 Prozent auf 28 Prozent. Aber das ist weiterhin Spitze in der Branche. Volkswagen erreicht etwa 18 Prozent.

Während Elon Musk diese Woche die neusten Quartalszahlen seines Elektroautobauers präsentierte, wurde im deutschen Tesla-Werk die Produktion gestoppt. Was ist da los in Grünheide? Eine Spurensuche.
von Max Biederbeck, Julian Heißler, Matthias Hohensee

Die Preiserhöhungen sind laut Tesla-Chef Elon Musk etwas „beschämend“. Aber der Grund sei nicht Profitgier, sondern die gestiegenen Preise für Komponenten und Rohmaterial. So soll der Kilopreis bei Lithium von 11 Dollar auf nunmehr 88 Dollar pro Kilogramm gestiegen sein.

Die überraschend guten Zahlen gelangen vor dem Hintergrund von internationalen Spannungen, Rezessionsängsten, einem starken Dollar, Covid-Beschränkungen und Lieferschwierigkeiten bei Komponenten. Es wirft die Frage auf, wie stark Tesla ist, wenn das Unternehmen endlich Vollgas geben kann.

„Wir haben die Chance auf Rekorde im zweiten Halbjahr“, verbreitet Tesla-Chef Elon Musk Zuversicht. Und er wiederholte das Ziel, die Jahresproduktion um 50 Prozent zu steigern. Man sei da etwas im Hintertreffen, aber die Chance sei da, das im zweiten Halbjahr aufzuholen. Internes Ziel ist, bis Ende des Jahres die Fertigung von 40.000 Fahrzeugen pro Woche zu erreichen. Derzeit habe man bereits streckenweise 30.000 Fahrzeuge erreicht. Vorreiter seien dort das Stammwerk in Fremont sowie Shanghai. Für Brandenburg, wo im Juni eine Produktion von 1000 Fahrzeugen pro Woche gelang, nannte er ein Ziel von 5000 Fahrzeugen bis Jahresende.

Diese 7 Newcomer wollen Tesla und Co. angreifen
Drako Motors, San Jose, gegründet 2013 Quelle: Presse
Czinger, Los Angeles, gegründet 2019 Quelle: Presse
Faraday Future, Los Angeles, gegründet 2014 Quelle: Presse
Fisker Inc, Manhattan Beach, gegründet 2016 Quelle: Presse
Zoox, Foster City, gegründet 2014 Quelle: Presse
Bright Drop, Palo Alto, gegründet 2019 Quelle: Presse
Zero Motorcycles, Scotts Valley, gegründet 2006 Quelle: Presse

Die Nachfrage ist laut Tesla da. Momentan kämpfe man je nach Modell mit Lieferzeiten von einem halben bis zu einem Jahr. „Wir haben kein Problem mit der Nachfrage“, stellte Musk klar. „Vielleicht haben das andere, wir nicht.“ Die Herausforderung läge eindeutig darin, die Produktion schneller zu steigern.

Schaute Musk vor kurzem noch sorgenvoll in die Zukunft, hat er nun das Gefühl, dass die Inflation zum Ende des Jahres abflauen könnte. Die Verfügbarkeit von Halbleitern sei immer noch angespannt. Vor allem bei analogen Chips, aber nicht in allen Segmenten. Zudem habe die Krise Tesla dazu gezwungen, weniger Chips in den Fahrzeugen einzusetzen beziehungsweise die verfügbaren effizienter zu nutzen.

Bei Akkus sieht Musk ebenfalls keine Probleme für Tesla. Den Zugriff habe man durch langfristige Verträge mit Zulieferern gesichert. Er betonte zudem, dass die eigene Akku-Entwicklung nicht dazu diene, den Partnern Konkurrenz zu machen. Man werde Verbesserungen vielmehr auch den Partnern zur Verfügung stellen.



Laut Musk seien jedoch „keine großartigen technologischen Durchbrüche bei Akkus notwendig, um den Transport auf erneuerbare Energie umzustellen.“ Mit der derzeit verfügbaren Technologie sei das machbar. Auch sei genügend Lithium auf der Erde vorhanden ebenso wie Eisen. Die Herausforderung sei vielmehr, genügend Akkus zu fertigen. Hier mangele es an aufbereitetem Lithium. Musk rief nochmals Unternehmer auf, sich hier zu engagieren. „Es ist wie Geld drucken, mit Margen wie bei Software, man kann dabei nicht verlieren“, behauptete er.

So einfach scheint es dann aber doch nicht zu sein. Denn im Gegensatz zum Schreiben von Software ist das Verarbeiten von Lithium sehr kapitalintensiv.

Auch beim autonomen Fahren verbreitete Musk wie gewohnt Zuversicht. Er hoffe, es noch in diesem Jahr zu lösen. Momentan hätten bereits über 100.000 Tesla-Eigentümer in Nordamerika Zugriff auf die Beta-Software. Den Preis dafür will Musk bis Jahresende nochmals erhöhen. Außerdem plane man, die Beta-Software auch nach Europa zu bringen – sofern es die Behörden dort genehmigen.

Kein Wort verlor Musk indes über die laufende Prüfung der US-Verkehrsbehörde NHTSA des Autopiloten, Teslas Fahrassistenzsystem. Branchenbeobachter erwarten, dass die Behörde den Gebrauch einschränken könnte.

Den Abgang von Andrej Karpathy, der bei Tesla für Künstliche Intelligenz zuständig und einer von Musks wichtigsten Mitarbeitern war, streifte er nur am Rande. „Andrej will sich mehr darauf konzentrieren, die Künstliche Intelligenz im akademischen Bereich voranzubringen“, erklärte Musk. Aber man habe bei Tesla genügend Talente, um die anstehenden Herausforderungen beim autonomen Fahren zu lösen.

Im zweiten Quartal hat Tesla fast alle Bitcoin-Bestände verkauft, die nun nur noch 218 Millionen Dollar betragen. Vor einem Jahr waren es noch 1,3 Milliarden Dollar. „Das ist kein Urteil gegen Bitcoin“, versicherte Musk. Es lag daran, dass man wegen dem behördlich auferlegten Produktionsstopp in Shanghai soviel wie möglich Barmittel aktivieren wollte. Der Verkauf erhöhte die liquiden Mittel von Tesla um 936 Millionen Dollar. Und er war im Nachhinein ein Glücksfall. Denn er fand noch vor dem ganz großen Absturz von Bitcoin statt, Tesla muss laut Finanzchef Zach Kirkhorn nur 106 Millionen Dollar abschreiben.

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Auch könne man künftig wieder Kryptocoins erwerben, so Musk. Aber: „Das ist ein Nebenschauplatz für Tesla.“ Hoffentlich erstreckt sich diese Einsicht auch auf Twitter. Autoexpertin Alyssa Altman vom Beratungshaus Publicis Sapient sieht das Scheitern des Twitter-Deals als gutes Zeichen. „Dann wird Musk in der Öffentlichkeit wieder wahrgenommen, dass er sich mehr auf Tesla fokussiert.“

Für die Tesla-Aktie kann das nur gut sein. Davor steht jedoch noch eine gerichtliche Auseinandersetzung mit Twitter im Oktober.

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