Laden an Supermarkt und Co. Wo E-Auto-Fahrer jetzt noch kostenlos laden können

Auf einigen Parkplätzen von Supermärkten, Discountern sowie Baumärkten, Fastfood-Ketten und Drogeriemärkten ist das Laden noch kostenlos. Quelle: imago images

Lange versuchten Einzelhändler ihre Kunden mit kostenlosen Ladesäulen fürs E-Auto zu locken. Seit Juni ist das bei Aldi Süd nun anders, viele andere Händler ziehen nach. Doch noch gibt es Ausnahmen.

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Praktisch ist das zweifellos: Mit dem E-Auto zum Supermarkt fahren, den Wagen an die E-Ladesäule anschließen und während des Einkaufens wird der Akku aufgeladen. In den vergangenen Jahren haben deshalb immer mehr Einzelhändler versucht, ihre Kunden mit diesem Versprechen in die Geschäfte zu locken. Sie bauten E-Ladesäulen – und ließen ihre Kunden dort kostenlos laden. Doch diese Zeit könnte nun zu Ende gehen. Immer mehr Anbieter verlangen inzwischen Geld fürs Laden, die Preise unterscheiden sich jedoch stark.

Hier ist das Laden von E-Autos kostenpflichtig

Bis Juni konnten E-Autofahrer noch beim Discounter Aldi Süd kostenlos ihren Wagen laden lassen. Seitdem ist das aber kostenpflichtig: An den Schnellladestationen kostet das Aufladen 39 Cent pro Kilowattstunde, an den Normalladesäulen 29 Cent pro Kilowattstunde. Nun muss per Lade-, EC- oder Kreditkarte oder alternativ mit Google Pay oder Apple Pay gezahlt werden. Allerdings gibt es keine zeitliche Begrenzung. Kunden können täglich so lange laden, wie sie wollen. Mit 550 Ladestationen und über 1100 Ladepunkten hat Aldi Süd nach eigenen Angaben das größte und leistungsstärkste Ladenetz im deutschen Lebensmitteleinzelhandel und will dieses noch erweitern.

Auch die Rewe Gruppe, zu der Rewe und Penny zählen, möchte das eigene Ladenetz ausbauen: Sie planen bis 2024 in Kooperation mit dem Energieversorger Energie Baden-Württemberg (EnBW) und Shell 2000 Schnellladepunkte sowie 4000 weitere Ladepunkte zu errichten. Aktuell haben 130 Märkte eine Ladeinfrastruktur, wo Fahrer von Elektroautos ihren Akku aufladen können. Dies geht auch hier nur gegen Bezahlung.

Die schönere Tankstelle der Zukunft
Die Aufenthaltsqualität an einer klassischen Tankstelle ist überschaubar. Selbst auf den gepflegtesten Anlagen riecht es nach Öl und Benzol, das ständige Kommen-und-Gehen sorgt für ein Gefühl der Hektik und das kulinarische Angebot lässt viele Wünsche offen. Wer nicht muss, bleibt daher kaum länger als ein paar Augenblicke. An E-Auto-Ladestationen sieht das notwendigerweise anders aus – denn selbst die schnellste Akkufüllung benötigt mehrere Minuten. Während dieser Zeit sollen sich Kunden möglichst wohlfühlen. Wie die Ladeparks der Zukunft aussehen könnten, hat kürzlich ein kanadischer Design-Wettbewerb mit internationalem Teilnehmerfeld auszuloten versucht. Gewonnen hat der schottische Entwurf „More with less“, ein modularer, ovaler Holzbau mit leichtem Sixties-Flair, der Kaffees, Shops und Duschen beherbergt. Angegliedert sind Spielplätze, Kunstausstellungen, Grillecken und eine Art Zen-Garten zur Entspannung. Quelle: Electric Autonomy Canada
Aktuell ist die Ladesäulen-Landschaft in Deutschland noch stark durch Steckdosen-Stelen geprägt, etwa am Straßenrand oder auf Autobahn-Rasthöfen. Der Trend geht aber zu großen Ladeparks mit Dutzenden Anschlusspunkten. Viele haben ein Dach und eine Beleuchtung, die Wohlbefinden und Sicherheitsempfinden stärken sollen. Rein äußerlich wirken die Ladeparks auf den ersten Blick wie klassische Tankstellen. Kein Zufall, wie Linda Boll vom niederländischen Ladesäulenbetreibers Fastned erklärt: „Das Design unserer Stationen orientiert sich an dem von konventionellen Tankstellen. Dort ist es für den Autofahrenden wichtig, die nächste Tankmöglichkeit schnell und einfach aufzufinden und den Tankvorgang unkompliziert durchführen zu können.“ Quelle: Volkswagen
Fastned, Tesla und Pivot betreiben in Oxford eine riesige Station Quelle: Fastned
Auch in Deutschland gibt es bereits vergleichbare Anlagen, etwa seit 2020 den Schnellladepark Seed & Greet am Hildener Kreuz der Autobahn 3. Initiator ist der regional bekannte Bäcker Roland Schüren, der bei seiner Firmenflotte schon früh auf E-Autos gesetzt hatte und mit Ladesäulen seinen eigenen Verkaufsbetrieb schnell zu einem Anlaufpunkt für die zunächst kleine, aber schnell wachsende E-Fahrer-Szene gemacht hat. Am Rande der großen Nord-Süd-Autobahn führt er das Konzept nun auf die nächste Stufe: Perspektivisch soll die Anlage 40 Tesla-Supercharger, 22 Fastned-Säulen und 52 AC-Ladepunkte bieten. Quelle: Tesvolt
Für die kulinarische Versorgung sorgt ein von dem Bäcker betriebener Imbiss, der neben Getränken und Brötchen auch frisch gebackene Pizza offeriert. Später sollen auf dem Gelände auch noch ein Bürogebäude sowie ein vertikales Gewächshaus entstehen. Dort werden auf 1000 Quadratmetern über vier Stockwerke Salat, Erdbeeren und Blaubeeren für den Bedarf der Bäckerei angebaut. Quelle: Tesvolt
Das Tankstellen-Konzept für Ladesäulenparks ist aber nicht nur in Europa beliebt. Die VW-Tochter Electrify America baut in den USA als Buße für den Diesel-Betrug aktuell ein Netz an Anlagen, die sich ebenfalls am klassischen Tankstellen-Layout und -Design orientieren, aber mehr Aufenthaltsqualität bieten sollen. Ein Dach aus Solarzellen schützt vor dem Wetter, Licht und Kameras vor Kriminellen und die Wartezeit lässt sich mit einem Kaffee überbrücken. Anders als vielerorts in Deutschland finden sich die Parks in den Städten, häufig in der Nachbarschaft von Shopping-Malls. Wer vor dem Einkauf sein Auto nicht selbst einstöpseln will, kann das einem der in den USA beliebten „Valet Services“ überlassen. Um möglichst unabhängig vom lokalen Stromnetz zu sein, nutzt VW Batteriespeicher als Puffer, die hohe Ladeleistungen ermöglichen. Der Business-Lounge-statt-Tankstellen-Ansatz könnte Schule machen. Gerade Hersteller exklusiverer E-Autos wie Porsche und Tesla setzen bereits auf eigene Ladesäulennetze, die sich prinzipiell auch zu Marken-Leuchttürmen mit exklusivem Lounge-Zutritt ausbauen ließen. Quelle: Volkswagen

Ebenso wie Aldi Süd will Globus das Bezahlmodell ändern: Aktuell kann noch kostenlos geladen werden, aber bis Ende Oktober wird das System nach und nach umgestellt: „Wir haben uns dazu entschieden, analog zum Wettbewerb das Laden kostenpflichtig zu machen. Allerdings subventionieren wir die Kosten, sodass das Schnellladen bei uns 29 Cent pro Kilowattstunde kosten wird“, erklärt Nils Behrens, der bei GLOBUS den Bereich Tankstellen und Waschen leitet. Dabei wird das Stromtanken immerhin 10 Cent günstiger bleiben als bei Aldi Süd an den Schnallladesäulen. Aktuell hat der Supermarkt schon 11 Kilowatt-Ladepunkte an einigen Standorten, welche aber um insgesamt 800 High Power Charging-Ladepunkte, also Schnellladepunkte, an den 60 Globus-Standorten in Kooperation mit EnBW erweitert werden. Zudem sollen ungefähr 20 Schnellladestationen eine Überdachung mit einer Photovoltaik-Anlage bekommen. „Damit wird ein Teil des Stroms direkt vor Ort erzeugt“, sagt Behrens.

Genau wie Globus setzt auch der Drogeriemarkt dm auf High Power Charger. Laut Markus Trojansky, Geschäftsführer von dm und verantwortlich für Expansionen, möchte das Unternehmen ebenfalls weitere Lademöglichkeiten anbieten: „Aktuell sind 25 Ladesäulen an verschiedenen Standorten in Deutschland in Betrieb, weitere rund 200 sind geplant oder in Prüfung.“ Zudem arbeitet auch dm mit der EnBW zusammen, weswegen an ihren Ladepunkten die Tarife der EnBW gelten.

Neben den Supermärkten, Discounter und Drogeriemarkt haben auch Baumärkte ihre Filialen mit Ladesäulen ausgestattet. So hat Bauhaus zum Beispiel erst einige Standorte testweise mit Ladesäulen ausgestattet. Da das Angebot laut Bauhaus aber gut angenommen wird, sollen insgesamt 103 Standorte Ladesäulen bekommen. Das Unternehmen kooperiert dafür ebenfalls mit EnBW und deshalb kann hier nun, statt wie früher eine Stunde kostenlos zu laden, zu den EnBW-Konditionen getankt werden. Gleiches gilt bei den Märkten von Hagebau. Und das bedeutet: An Normalladesäulen fallen im Standardtarif 0,45 Cent pro Kilowattstunde für das AC-Laden und 0,55 Cent pro Kilowattstunde beim schnellen DC-Laden an. Im Tarif der Viellader sind es 0,36 Cent die Kilowattstunde für das AC-Laden und 0,46 Cent pro Kilowattstunde für das DC-Laden – deutlich mehr als bei Aldi Süd und Globus.

Die Fastfood-Kette McDonalds hat den Trend auch entdeckt und mittlerweile 200 McDrive Standorte mit einem Ladeangebot ausgestattet. Zwar können alle, egal ob McDonalds-Gast oder nicht, das Angebot nutzen, aber müssen dafür ebenfalls wie bei den Angeboten zuvor bezahlen. Da McDonalds hier mit EWE Go zusammenarbeitet, entsprechen die Ladekosten den Konditionen von EWE Go. Damit kostet die Kilowattstunde an den AC-Ladepunkten 44 Cent und an DC-Ladepunkten sind es 54 Cent.

Kostenlose Lademöglichkeiten

So bleiben nur noch ein paar Anbieter übrig, bei denen das Laden nach wie vor kostenfrei ist, unter anderem Aldi Nord. Wie viele Standorte der Discounter mit E-Ladepunkten ausgestattet hat, konnte das Unternehmen auf Nachfrage nicht mitteilen. Auch bei den Discountern der Schwarz Gruppe, wozu Lidl und Kaufland zählen, ist das Ladeangebot kostenlos. Allerdings ist das Laden an den vorhandenen AC- und DC-Ladesäulen auf 60 Minuten beschränkt. Danach wird der Ladevorgang nach Angaben der Schwarz Gruppe unterbrochen. Die Leistungen liegen in der Regel bei bis zu 50 Kilowatt, an einzelnen Lidl-Standorten sogar bei bis zu 150 Kilowatt. Dort kann in rund 20 Minuten eine Reichweite von ungefähr 300 Kilometern geladen werden.

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Das schwedische Einrichtungshaus Ikea setzt ebenfalls auf kostenloses Tanken an E-Ladesäulen und bietet dabei das größte verbleibende kostenlose Ladenetz: Aktuell kann in Deutschland an 220 Ikea-Ladestationen mit 22 Kilowatt geladen werden.

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