Electric Vehicle Index Rein in die E-Mobilität – raus aus der E-Mobilität

Deutschland will Elektroautos endlich fördern, in Norwegen soll damit bald Schluss sein. Wann ist wofür der richtige Zeitpunkt?

Alleine in den USA hat BMW rund 1.000 i3 verkauft – Deutschland hat bei der Eletkromobilität Nachholbedarf. Quelle: obs

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt will die Deutschen mit Gratis-Parkplätzen und freier Fahrt auf Busspuren zum Kauf eines Elektroautos verführen. Doch er hat die Rechnung ohne die Kommunen gemacht. Von Berlin bis München, keiner mag sich dafür begeistern.

Dabei haben Norwegen, Italien und die Niederlanden solche Privilegien bereits erfolgreich umgesetzt. McKinsey Autoexperte Christian Malorny hält die nicht-finanziellen Anreize für den richtigen Weg. Elektroautos müssten Begehrlichkeiten bei den Menschen wecken. „Über eine reine CO2-Vernunftdiskussion bekommen sie das nicht hin.“

Im E-Mobilitätsranking, Electric Vehicle Index (EVI), bewertet McKinsey exklusiv für die WirtschaftsWoche, wie stark sich in einem Land Nachfrage und Produktion von Elektroautos durchgesetzt haben. Die USA liegen knapp auf dem ersten Rang, vor Deutschland und Frankreich, das erstmals Japan überholt und auf Rang 4 verdrängt hat.

Einige US-Staaten denken über Steuer auf E-Autos nach

Malorny beobachtet weltweit heftige Umbrüche in der Subventionslandschaft. Die Frage die stellt ist, wann ist der richtige Zeitpunkt, um aus der Förderung wieder auszusteigen? Der Senkrechtstarter Norwegen hat angekündigt, die Dreingabe von 15.000 Euro pro Auto ab der 50.000sten Neuzulassung zu kappen, das könnte schon Anfang 2015 der Fall sein. Was danach passieren könnte, zeigt sich in Holland. Dort lief die steuerliche Vergünstigung 2013 aus, der Absatz schnellte im letzten Quartal auf 17.100 hoch - und brach im ersten Quartal 2014 auf 3.300 ein.

Die größten Hersteller von Elektroautos in Deutschland

In den USA – dem Land, das in seinem Bestreben der Elektromobilität zum Durchbruch zu verhelfen, am weitesten gediehen ist - denken einige Bundesstaaten wie Virginia schon über eine Steuer für E-Autos nach. Die Rücknahme der Förderung dürfte der Elektrisierung des Verkehrs überall dort einen empfindlichen Dämpfer verpassen, wo sie auf reinen Geldgeschenken aufbaut, befürchtet Malorny: „Elektroautos werden sich erst dann durchsetzen, wenn die Menschen sie als begehrenswertes Premiumprodukt wahrnehmen.“

Deutschland ist Produktionsstandort Nummer eins

Das gelingt der deutschen Autoindustrie mit Modellen wie BMW i3, VW e-Up und dem neuen VW e-Golf am besten. Die Elektro-VWs erreichten beispielsweise in Norwegen im Juli einen Marktanteil von 49,3 Prozent. 2019 wird Deutschland mit prognostizierten 440.000 Einheiten der weltweit größte Produzent von Elektroautos sein. Aber wie lange noch werden unsere europäischen Nachbarn den Absatz deutscher E-Autos mit ihren Staatsgelder ankurbeln?

Elektroautos, die zu haben sind
VW e-Up! Quelle: Volkswagen
Porsche Panamera S E Hybrid Quelle: Porsche
Renault FluenceMarke: Renault Modell: Fluence Preis: ca. 25.950 Euro plus Batteriemiete von 79 €/Monat Reichweite (in km): 185 km Leistung (kw/PS): 70kW/95 PS Quelle: Presse
Mercedes SLS ed Quelle: Daimler
Renault TwizyMit futuristischem Design und ohne echte Türen kommt der Twizy daher. Der Zweisitzer ist besonders klein und wendig und für den Stadtverkehr konzipiert. Er kann an jeder Haushaltssteckdose aufgeladen werden. Marke: Renault Modell: Twizy Urban Grundpreis (inkl. MwSt): ab 6990 Euro, zusätzlich fallen mindestens 50 Euro Batteriemiete pro Monat an Reichweite (in km): 100 Höchstgeschwindigkeit (km/h): 80 Stromverbrauch (kWh/100km): 6,3 Quelle: dapd
Smart ed Quelle: Daimler
Kangoo RapidDer Elektro-Kangoo soll den städtischen Lieferverkehr sauberer und leiser machen. Er bietet mit bis zu 3,5 Kubikmetern Laderaum soviel Platz wie sein konventioneller Dieselbruder. Das ist möglich, weil die Batterien im doppelten Ladeboden verschwinden. Mit 60 PS ist der Elektro-Kangoo ausreichend schnell.   Marke: Renault Modell: Kangoo Rapid Z.E. Grundpreis (inkl. MwSt): 15.100 (+ 86 Euro monatlich fürs Batterie-Leasing) Reichweite (in km): 160 Höchstgeschwindigkeit (km/h): 130 Stromverbrauch (kWh/100km): nicht bekannt Quelle: Presse

„Wir geraten in die Situation, dass der französische Staat indirekt die deutsche Autoindustrie subventioniert“, so Malorny. Vor dem Hintergrund der prekären Lage der französischen Hersteller – bei PSA Peugeot Citroen musste der chinesische Partner Dongfeng eine kräftige Finanzspritze setzen und hat nun deutlich mehr Einfluss auf den Konzern – und der dagegen von Absatzrekord zu Absatzrekord eilenden deutschen Hersteller wirkt das umso skurriler.

Frankreich hat mit dem beliebten Renault Zoe zwar kräftig die Produktion angekurbelt und Japan im Index überholt. Aber noch ist Deutschland ist Angebots-König und Nachfrageniete in einem. Weil der Anreiz für den Geldbeutel und - sollten Gabriels Vorschlägen am deutschen Föderalismus scheitern - auch für praktische Vorteile im Straßenverkehr fehlen, bleiben die Verkaufszahlen von E-Autos niedrig. So kommt es, dass Norwegen mit 22.000 Neuzulassungen seit 2009 Deutschland innerhalb von nur zwei Jahren überholen konnte.

Einzig positiv: mit 3600 Neuzulassungen im zweiten Quartal liefert Deutschland einen neuen Rekord. An den Leitmarkt USA reicht es aber noch lange nicht heran. Dort wurden – ebenfalls ein neuer Rekord – von Mai bis Juli 32.000 Elektroautos und Plug-In-Hybride neu zugelassen. Ungebrochen stark ist die Nachfrage nach Nissan Leaf und Tesla Model S. Zudem verkaufte BMW rund 1000 Modelle des i3.

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