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Elektro-SUV So will Fisker Teslas Model Y jagen

Fisker Elektro-SUV: So will Fisker Teslas Model Y jagen Quelle: Fisker

Die erste Woge elektrischer Fahrzeuge fürs kommende Jahrzehnt wird von SUV dominiert. Im Fahrtwind von Elon Musks Model Y kündigt nun auch Autodesigner Henrik Fisker ein Elektro-SUV an – mit spärlichen Informationen.

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Henrik Fisker tat geheimnisvoll bei einem Treffen Mitte November in seinem Designstudio in Los Angeles. Der für seine Sportwagen wie den BMW Z8 oder den Aston Martin DB9 und V8 Vantage berühmte Autodesigner verriet, dass er gerade an einem vollelektrischen Wagen für den Massenmarkt arbeite, ab 40.000 Dollar und für 2021 geplant. „Er wird ganz anders sein als die Designs, für die ich bislang bekannt bin“, so der gebürtige Däne, der seit fast zwanzig Jahren in Kalifornien lebt.

Nachdem Tesla-Chef Elon Musk am Donnerstag sein Kompakt-SUV namens Model Y enthüllte, hat Fisker nun nachgezogen. Keine große Präsentation, sondern nur ein Bild der Front des Wagens, gepostet auf Twitter. Eine Geländelimousine, angeblich sogar für einen Einstiegspreis von unter 40.000 Dollar und mit einer Reichweite von 300 Meilen, gespeist von einem Lithium-Ionen-Akku mit mindestens 80 kWh. Der Marktstart ist für die zweite Jahreshälfte 2021 angepeilt. Was die noch spärlichen Informationen erklärt, denn bis dahin sind es noch zweieinhalb Jahre. Bei dem Treffen schwärmte der Designer jedoch über die neuen Freiheiten, die Elektroautos gerade beim Entwerfen des Innenraums offerieren und über die neuen Möglichkeiten für Armaturenbretter. Gerade damit will er punkten.

„Ich muss gestehen, dass es mir schwergefallen ist, alte Konventionen über Bord zu werfen, weil ich schon so lange in der Branche bin“, sagte Fisker. „Wenn ich nicht weiterkomme, dann ziehe ich mein iPhone aus der Tasche, um mich zu inspirieren. Nicht wegen dessen Design, sondern um beim Zusammenspiel seiner Funktionen zu verstehen, warum es international so erfolgreich war.“

Für sein Elektro-SUV hat Fisker sogar seine eigentlich geplante Luxuslimousine namens Emotion verschoben. Das Auto mit den Flügeltüren sollte ursprünglich Ende des Jahres auf den Markt kommen. Nun wird es erst nach 2021 das Licht der Welt erblicken. Im Gegensatz zum Elektro-SUV hat Fisker bereits einen fahrbaren Prototypen des Emotion präsentiert. Die Verschiebung liegt daran, dass Fisker derzeit eine Festkörper-Batterie entwickelt, die in fünf bis zehn Minuten lädt und die „doppelte Kapazität auf gleichem Raum unterbringt, ohne mehr kühlen zu müssen.“ Der Emotion soll Fiskers erster Wagen mit diesem Akku sein. Dafür hat er extra eigene Experten angeheuert. Die Prototypen des Akkus, der von einem Auftragsfertiger produziert werden soll, sollen bereits funktionieren. Aber damit die kurzen Ladezeiten Realität werden, benötigt es spezielle Elektro-Tankstellen, was den Marktstart erschwert.

Das Vorziehen des Fisker-SUV mit den traditionellen Lithium-Ionen-Akkupacks macht daher Sinn. Klar ist allerdings auch, dass Fisker dann in einem heiß umkämpften Markt antritt. Er konkurriert nicht nur mit Teslas Model Y, sondern mit allen deutschen Premiumhersteller. Und nicht nur Audi, BMW und Mercedes werden 2021 mit Geländelimousinen auf dem Markt sein, sondern auch Volvo, Ford, General Motors und Nissan. Jaguars i-Pace SUV kommt dann gerade neu, der Kona Electric von Hyundai ist bereits erhältlich. Es wird eng im Segment.

Das Elektro-SUV wird zuerst in den USA starten. Aber kurz danach, so teilte Fisker der WirtschaftsWoche mit, soll er auch global verfügbar sein. Nähere Informationen soll es geben, wenn der Prototyp öffentlich vorgestellt wird.
Fisker hat noch mehr Zweifler als Elon Musk. Noch sind die Geldgeber hinter ihm unbekannt, allerdings vermutlich aus Asien. Die spärlichen Informationen und die Veröffentlichung eines einzigen Bildes könnten auch ein Versuch sein, weitere Investoren zu begeistern und die bestehenden bei Stange zu halten.

Musk und Fisker eint ihr grenzenloser Optimismus und der Hang zu großen Ankündigungen. Der südafrikanische Multi-Unternehmer Musk hat jedoch gegen alle Skeptiker den Elektroautomarkt in die Gänge gebracht, dabei sein Elektroauto-Unternehmen am Leben erhalten und erfolgreich an die Börse geführt. Fisker ist auch ein Elektro-Pionier und arbeitete früher sogar mal für Musk, der noch immer überzeugt ist, dass dieser seine Ideen kopiert habe. Aber mit seinem Fisker Karma, einem 2012 auf den Markt gebrachten Steckdosenhybrid der Oberklasse, legte er ein Jahr später eine Bruchlandung hin, trotz 1,5 Milliarden Dollar Risikokapital von einigen der namhaftesten Investoren aus dem Silicon Valley. Was vor allem daran lag, dass sein Akku-Ausrüster A123 Probleme mit seiner Technologie hatte, die es schließlich in die Pleite führten.

Die Insolvenzmasse von A123 sowie von Fisker Automotive hat der chinesische Autokonzern Wanxiang erworben, der daraus den Autohersteller Karma Automotive geformt hat. Fisker hat nur die Rechte an seiner Automarke retten können. Doch der gebürtige Däne hat inzwischen die amerikanische Sichtweise auf Fehler verinnerlicht: Man lernt aus ihnen und startet neu. Er habe so viele Angebote für einen Neustart bekommen und solch eine große Leidenschaft für Elektroautos entwickelt, dass er es einfach nochmal versuchen müsse, bekräftigt Fisker. Diesmal jedoch auch mit einer eigenen Fertigungslinie, so wie es Tesla vormacht.

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