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Elektroautos Suche nach dem Superakku

Neue Batterien sollen das Elektroauto über 200 Kilometer weit fahren lassen. Das Startup DBM sieht sich mit seinem neuen Superakku bereits am Ziel.

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Mirko Hannemann, Gründer des Berliner Startups DBM Quelle: dpa

Die Spannung ist zu fühlen, aber auch zu hören und zu sehen. Es knistert und zischelt. Auf den Displays der riesigen Ladestationen, die im Labor aufgestellt sind, springen rote Ziffern hin und her. Sie geben Auskunft über Stromspannung, Energiedichte und Ladezustand von Hunderten kleinen, T-förmigen Batteriezellen, die traubenweise auf skurrilen Drahtkonstruktionen sitzen. Für einen Laien sehen sie alle gleich aus, tatsächlich aber ist jede Zelle ein Unikat.

"Die Lithium-Ionen-Technologie ist ein Riesenbaukasten mit einer Vielzahl von Materialkombinationen", erklärt der Batterieexperte Gerhard Hörpel, der früher bei Evonik die keramische Separion-Membran entwickelte und nun das Münster Electrochemical Energy Technology (MEET) leitet. Beinahe täglich testen seine 75 Mitarbeiter neue Kombinationen aus Lithium, Nickel, Kobalt, Mangan und allen möglichen anderen Metallen und Stoffen, um die Speicherfähigkeit von elektrochemischer Energie in wiederaufladbaren Batterien zu steigern und so größere Reichweiten für Elektroautos zu erzielen. "Wir hoffen irgendwann auf eine Goldader zu stoßen – eine Materialkombination, die große Speicherfähigkeit bei hoher Sicherheit und Zuverlässigkeit zu niedrigen Kosten bietet", sagt Hörpel.

Wunderakku aus Berlin

Über zwei Jahre zieht sich an Deutschlands führendem Batterieforschungszentrum schon die Suche nach der Goldader hin, ein Erfolg ist noch nicht in Sicht.

Andere sind da schon weiter. Christian Finger, Projektleiter bei Next Energy, dem Forschungszentrum für Energietechnologie an der Universität Oldenburg, schreibt gerade seinen Abschlussbericht an das Bundeswirtschaftsministerium über einen dreimonatigen Feldversuch mit drei außergewöhnlichen Elektromobilen. Die Autos, zum Stromer umgebaute Audi A2, haben eine Lithium-Metall-Polymer-Batterie an Bord – entwickelt und gebaut vom Berliner Startup DBM. Mit diesem Wunderakku hatte der 28-jährige DBM-Gründer Mirko Hannemann im Herbst 2010 eine Nonstop-Fahrt von München nach Berlin unternommen und damit die deutsche Autoindustrie düpiert, die von solchen Ergebnissen nur träumen kann.

Berliner Startup kaum zu übertrumpfen

Elektroautos, die zu haben sind
VW e-Up! Quelle: Volkswagen
Porsche Panamera S E Hybrid Quelle: Porsche
Renault FluenceMarke: Renault Modell: Fluence Preis: ca. 25.950 Euro plus Batteriemiete von 79 €/Monat Reichweite (in km): 185 km Leistung (kw/PS): 70kW/95 PS Quelle: Presse
Mercedes SLS ed Quelle: Daimler
Renault TwizyMit futuristischem Design und ohne echte Türen kommt der Twizy daher. Der Zweisitzer ist besonders klein und wendig und für den Stadtverkehr konzipiert. Er kann an jeder Haushaltssteckdose aufgeladen werden. Marke: Renault Modell: Twizy Urban Grundpreis (inkl. MwSt): ab 6990 Euro, zusätzlich fallen mindestens 50 Euro Batteriemiete pro Monat an Reichweite (in km): 100 Höchstgeschwindigkeit (km/h): 80 Stromverbrauch (kWh/100km): 6,3 Quelle: dapd
Smart ed Quelle: Daimler
Kangoo RapidDer Elektro-Kangoo soll den städtischen Lieferverkehr sauberer und leiser machen. Er bietet mit bis zu 3,5 Kubikmetern Laderaum soviel Platz wie sein konventioneller Dieselbruder. Das ist möglich, weil die Batterien im doppelten Ladeboden verschwinden. Mit 60 PS ist der Elektro-Kangoo ausreichend schnell.   Marke: Renault Modell: Kangoo Rapid Z.E. Grundpreis (inkl. MwSt): 15.100 (+ 86 Euro monatlich fürs Batterie-Leasing) Reichweite (in km): 160 Höchstgeschwindigkeit (km/h): 130 Stromverbrauch (kWh/100km): nicht bekannt Quelle: Presse

Für den Feldversuch in Oldenburg wurde die Speicherfähigkeit der Kolibri getauften Batterie von 99 auf 40 Kilowattstunden reduziert, da den Projektbetreibern eine Reichweite von rund 200 Kilometern ausreichend erschien. Tatsächlich kamen die Elektroautos mit dem Kolibri-Akku, die seit Juli im Weser-Ems-Gebiet auf Landstraßen und Autobahnen 12.166 Kilometer zurücklegten, mit einer Ladung über 230 Kilometer weit. Und sie hatten trotz Vollgas-Fahrten über die Autobahn am Einsatzende oft noch 20 bis 30 Prozent Restkapazität. Andere am Versuch beteiligte Elektroautos, darunter ein Mitsubishi i-MiEV, machten wesentlich früher schlapp.

Und was Finger fast noch mehr überraschte: "Die DBM-Akkus machten absolut null Probleme." Bei einem Auto knirschte das Getriebe, bei einem anderen zickte die Steuerelektronik und gab es nach heftigem Regen einen Wassereinbruch. Bei bis zu zehn Jahre alten Autos – Hannemann hatte die Audi A2 im Gebrauchtwagenhandel erstanden und bei L.E. Mobile in Leipzig zum Elektromobil umbauen lassen – ist das nichts Außergewöhnliches. Die Testfahrer wollten die Elektro-Audis nicht mehr hergeben. Auch Finger nicht: "Für eine qualifizierte Untersuchung brauchen wir mehr Zeit."

DBM-Gründer Hannemann ("Die Dauererprobung in Oldenburg ist der endgültige Beweis für die Alltagstauglichkeit und die Zuverlässigkeit unserer Batterie-Technologie") wird ihm den Wunsch sicher erfüllen. Denn auf dem Startup und seinem Gründer lastet noch immer der Vorwurf von Forschung und Industrie, mit der Rekordfahrt Erwartungen geweckt zu haben, die der Akku im Alltagsbetrieb nicht halten könne: Lithium-Metall-Polymer-Batterien seien sehr hitzempfindlich und auch nur langsam wieder aufzuladen.

Teurer Super-Akku

Hannemann scheint diese Probleme jedoch gelöst zu haben. Gregor Falke, Logistik-Chef des Verpackungsunternehmens Papstar aus Kall, kann von dem Kolibri-Akku nur Gutes berichten. Vor über einem Jahr hat er damit begonnen, seinen Fuhrpark aus 52 elektrischen Flurförderfahrzeugen auf die neuen Batterien umzustellen. Seine Erfahrungen sind durchweg positiv. "Das Ding ist eine Sensation", sagt Falke. Die DBM-Batterie sei mit 760 Kilo halb so schwer wie der zuvor genutzte Blei-Akku, zuverlässig und leistungsstark – eine Ladung reiche für bis zu 26 Arbeitsstunden. Einziges Handicap sei der im Vergleich zur Bleibatterie 30 Prozent höhere Preis. Falke: "Das holen wir über die niedrigeren Stromkosten aber wieder rein."

Die Forschung muss sich anstrengen, um DBM noch übertrumpfen zu können.

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