Elektroautos Wann sich eine Batteriefabrik in Deutschland lohnen kann

Beim Elektroauto haben Daimler, BMW und Co. Nachholbedarf, auch bei den Batteriezellen haben derzeit asiatische Konzerne die Nase vorn. Eine neue Studie zeigt, dass eine Zellfabrik auch in Deutschland möglich wäre – unter bestimmten Voraussetzungen.

Ein Elektroauto steht an einer Stromtankstelle Quelle: dpa

Die Produktion von Batteriezellen für Elektroautos wäre in Deutschland ab 2021 wirtschaftlich möglich. Zu diesem Ergebnis kommt die „Roadmap integrierte Zell- und Batterieproduktion Deutschland“, welche die Nationale Plattform Elektromobilität (NPE) in den vergangenen Monaten erarbeitet hat. In einer solchen Fabrik könnten bis zu 1.500 Arbeitsplätze entstehen – wenn die Rahmenbedingungen stimmen.

„Bereits heute werden Batterien in Deutschland entwickelt und gefertigt“, sagt Daimler-Entwicklungsvorstand Thomas Weber, der an dem Bericht beteiligt war. „Was in der Wertschöpfung fehlt, ist eine Zellfertigung in Großserie.“

Es ist unklar wie stark die Nachfrage steigt

Das von der NPE entwickelte Szenario sieht vor, dass eine Produktion von Lithium-Ionen-Zellen der dritten Generation ab 2021 möglich ist. „Ein Ausbau der Produktion von Zellen der aktuellen zweiten Generation ist wirtschaftlich nicht sinnvoll“, so Weber. „Mit der Batterie-Nachfrage steigt auch die Zell-Nachfrage. Entscheidend ist, wie schnell der Absatz von Elektroautos steigt.“

Technische Hintergründe zu Akkus

Die skizzierte Fabrik soll Zellen im Gegenwert von 13,9 Gigawattstunden (GWh) pro Jahr ausbringen können – bei einer Kapazität von 40 Kilowattstunden pro Fahrzeug entspräche dies 320.000 Elektroautos. Ähnlich viele verkaufte Elektroautos wären notwendig, um die Fabrik rentabel zu betreiben. Entscheidend sei auch ein verlässlicher Strompreis, so Weber, da die Zellproduktion sehr energieintensiv sei.

„Wir gehen davon aus, dass das Investment von rund 1,3 Milliarden Euro im Jahr 2025 sein Break-even erreicht“, sagt Bosch-Geschäftsführer Rolf Bulander, stellvertretender Vorsitzender der NPE. „Es ist ein hohes Investment und man braucht einen langen Atem.“ Bei einer 95-prozentigen Auslastung wäre der Break-even bereits 2024 erreicht – sollte die Nachfrage aber nicht ausreichend steigen und die Zellfabrik nur zu 65 Prozent ausgelastet werden, würde sie sich nicht rechnen.

Mit welchen Hindernissen Elektroautos kämpfen

Das Investment ist hoch, zumal noch nicht klar ist, wie lange die Anlagen überhaupt genutzt werden könnten. Die künftige dritte Generation der Batteriezellen ähnle noch sehr den heutigen Lithium-Ionen-Zellen, der Unterschied liege vor allem in den Materialien, so Bulander. Bei der vierten Generation sei aber ein Sprung auf Lithium-Schwefel- oder gar Festkörperakkus möglich. Dann könne wohl nur noch rund die Hälfte der bestehenden Anlagen weiter verwendet werden. „Die Weiterentwicklung der Technologie birgt dennoch großes Potenzial“, sagt Bulander. „Das Augenmerk sollte auf der Differenzierung liegen. Mit Forschung können wir uns in Deutschland vom Wettbewerb abheben.“

Daimler beteiligt sich nicht an Zellproduktion

Eine Entscheidung über die Fabrik müsse 2017 fallen, so NPE-Chef Henning Kagermann. Ob ein Zulieferer oder ein Konsortium die Fabrik betreiben wird, ist noch offen. Nur eines scheint klar: Ein Autobauer wird nicht dabei sein. „Daimler konzentriert sich auf das Packaging der Zellen zu nutzbaren Batterien, wir werden nicht an der Zellproduktion teilnehmen“, sagt Mercedes-Entwicklungsleiter Weber. 

In Arbeit
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Ähnliche Töne waren in den vergangenen Wochen von Audi zu hören. „Wir sehen in den Zellen nicht unsere Kernkompetenz“, sagte der neue Audi-Entwicklungsvorstand Stefan Knirsch Anfang März. „Unsere Kernkompetenz wird das Packaging aller Faktoren und die Applikation der Hardware auf den jeweiligen Anwendungsfall sein.“ Zudem wolle man den Wettbewerb zwischen den verschiedenen Zellen-Lieferanten und -Technologien aufrecht erhalten.

Die Zurückhaltung von Daimler hat noch einen anderen Grund: Die Stuttgarter haben sich mit LiTec, einem Joint-venture mit Evonik, bereits an der Zellproduktion versucht und sind gescheitert. Seit dem konzentriert sich Daimler auf die Montage von zugekauften Zellen. Die Fabrik der Tochter Accumotive im sächsischen Kamenz soll mit einem Investment von 500 Millionen Euro mehr als verdoppelt werden.

Ob dann künftig dort Zellen aus deutscher Produktion montiert werden, wird wohl in einem Jahr feststehen.

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