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Elektroauto: Tesla fährt allen davon. Quelle: Illustration

Elektroautos Wie VW, Daimler und Co. Tesla jagen

Tesla baut die besten E-Autos – noch. Denn die etablierten Hersteller wachen auf. Mit ihren neuen Modellen gefährden sie die ehrgeizigen Pläne des Pioniers.

Jedes Mal, wenn Kerstin Schneider die Internetseite von Tesla aufruft, schöpft sie wieder ein wenig Hoffnung. Am 31. März 2016 hat die Ärztin im Münchner Tesla-Showroom einen Wagen reserviert. Seitdem schaut sie alle paar Tage auf der Website vorbei.

Noch ein Klick – Schneiders Gesicht verrät die Enttäuschung. Seit Monaten steht da derselbe Text: „Lieferdatum Ihres Model 3: voraussichtlich Ende 2018.“ Die Medizinerin war eine der ersten von inzwischen 500.000 Menschen, die ein Model 3 reserviert haben. Eine halbe Million Kunden, die ein Elektroauto kaufen, ohne es je gesehen zu haben – dass so etwas möglich wäre, hatte niemand in der Autobranche geglaubt. Tesla-Chef Elon Musk traf einen Nerv: Ein großes, alltagstaugliches und dabei noch erschwingliches E-Auto – das kann man bis heute nirgendwo anders kaufen. Aber eben auch nicht so einfach bei Tesla.

Nun, knapp zwei Jahre nach der umjubelten Präsentation des Model 3 in Los Angeles, muss Musk liefern. 2018 wird für den Elektropionier das alles entscheidende Jahr. Lange hat er von der Arroganz der etablierten Autobauer profitiert: Musks Ingenieure konnten wertvolle Forschungs- und Entwicklungsarbeit leisten, während die Etablierten in Detroit, Tokio und Wolfsburg nicht an das E-Auto glauben wollten. Deshalb besitzt Tesla die beste Batterietechnik, eine Elektronik, die das Maximum aus den Akkus herausholt, und ein konkurrenzloses Schnellladenetz.

Tesla und seine Verfolger

Doch beim Model 3, Teslas erster Massenfertigung, hakt es. Mal fällt bei der Batteriezellenproduktion in der Giga-Factory zu viel Ausschuss an, mal halten die Schweißpunkte nicht, die Roboter an den Stahlblechteilen der Karosse setzen. So verzögert sich die Auslieferung. Der Vorsprung schmilzt.

Noch stehen zwar drei Milliarden Dollar liquide Mittel in Teslas Bilanz. Doch allein im jüngsten Quartal verschlang der Aufbau der Massenfertigung 24 Millionen Dollar – am Tag. Bedrohlicher aber für Musk ist, dass die Konkurrenz nun nachzieht. Aufgeschreckt von Teslas Erfolg, von verbindlichen E-Auto-Quoten in China und Dieselfahrverboten in Metropolen wie London und Paris, treiben die großen Hersteller weltweit ihre E-Auto-Entwicklung voran. In den nächsten zwei Jahren werden VW, Daimler, Ford, Hyundai, GM und ein gutes Dutzend kleinerer Autobauer Teslas Model 3 mit ihren Mittelklasse-E-Autos jagen.

„Noch ist Tesla technisch vorn, vor allem in Batterietechnik und beim Antriebsstrang“, sagt ein deutscher Ingenieur, der einige Monate am Aufbau der Produktionsstraßen für das Model 3 mitgearbeitet hat, „aber die Konkurrenz hat den Ernst der Lage begriffen.“ Stefan Bratzel, Professor am Center of Automotive Management der FH Bergisch Gladbach, betont: „2019, 2020 und danach kommen sehr viele attraktive Elektromodelle auf den Markt.“

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