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Elektromobilität "Das Elektroauto rechnet sich nicht"

Der VW-Elektroauto-Experte Rudolf Krebs über die Kosten der Elektrofahrzeuge und die Chancen der Plug-in-Hybride.

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Rudolf Krebs ist Elektroauto-Experte bei VW. Er meint, das Elektroauto rechnet sich für die deutschen Käufer vorerst nicht. Quelle: Pressebild

WirtschaftsWoche: Herr Krebs, was für ein Elektroauto fahren Sie gerade?

Krebs: Mein Dienstwagen ist ein elektrischer Golf Blue e-Motion, den ich vor allem im Wolfsburger Stadtverkehr und für Fahrten in der Umgebung nutze. Anfangs musste ich mich daran gewöhnen, dass die Reichweite geringer ist als bei einem Auto mit Verbrennungsmotor. Aber das ging schnell.

Hand aufs Herz: Schaffen Sie mehr als 100 Kilometer mit einer Akkuladung?

Wenn ich nur in der Stadt unterwegs bin, fahre ich mit einer Ladung inzwischen sogar über 150 Kilometer weit. Auf der Autobahn komme ich bei normalem Tempo 100 bis 120 Kilometer weit – je nachdem, wie schnell ich fahre und ob etwa die Klimaanlage eingeschaltet ist.

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    Wie viele Elektrofahrzeuge sind denn mittlerweile konzernweit unterwegs?

    Es sind weit mehr als 200 Vorserienfahrzeuge, darunter die Modelle E-Caddy, Golf Twin Drive, Audi A1 e-tron und der elektrische Porsche Boxster. Nachdem wir anfangs einige Softwarefehler beseitigt haben, sind alle Fahrzeuge heute erstaunlich alltagstauglich.

    Trotzdem kommen die ersten Elektrofahrzeuge erst 2013 auf den Markt. Welche Herausforderungen gibt es denn noch?

    Wir wollen die maximale Reichweite aus den Autos rauskitzeln. Ein Beispiel: Wenn Sie mit Ihrem normalen Auto bei Regen unterwegs sind, läuft die Klimaanlage auf Hochtouren, damit die Scheiben nicht beschlagen. Im Elektroauto würde das viel zu viel wertvollen Batteriestrom fressen. Deshalb versuchen wir mit Sensoren und Software den Luftstrom und die Temperatur energiesparend zu steuern.

    Branchengerüchten zufolge wird VW den Kastenwagen Caddy schon 2012 als E-Mobil bringen. Stimmt das?

    Nein. Der Caddy ist zwar fürs Flottengeschäft wichtig und wird gerade bei der Post erfolgreich getestet. Unser erstes Elektroauto wird aber der Stadtflitzer e-up! sein, der 2013 auf den Markt kommt. Der Golf Blue e-Motion folgt wenig später. Beide Autos haben Reichweiten von 150 Kilometern. Damit muss niemand Angst haben, mit leerem Akku liegenzubleiben.

    Gute Aussichten für Plug-in-Hybride

    Elektroautos, die zu haben sind
    VW e-Up! Quelle: Volkswagen
    Porsche Panamera S E Hybrid Quelle: Porsche
    Renault FluenceMarke: Renault Modell: Fluence Preis: ca. 25.950 Euro plus Batteriemiete von 79 €/Monat Reichweite (in km): 185 km Leistung (kw/PS): 70kW/95 PS Quelle: Presse
    Mercedes SLS ed Quelle: Daimler
    Renault TwizyMit futuristischem Design und ohne echte Türen kommt der Twizy daher. Der Zweisitzer ist besonders klein und wendig und für den Stadtverkehr konzipiert. Er kann an jeder Haushaltssteckdose aufgeladen werden. Marke: Renault Modell: Twizy Urban Grundpreis (inkl. MwSt): ab 6990 Euro, zusätzlich fallen mindestens 50 Euro Batteriemiete pro Monat an Reichweite (in km): 100 Höchstgeschwindigkeit (km/h): 80 Stromverbrauch (kWh/100km): 6,3 Quelle: dapd
    Smart ed Quelle: Daimler
    Kangoo RapidDer Elektro-Kangoo soll den städtischen Lieferverkehr sauberer und leiser machen. Er bietet mit bis zu 3,5 Kubikmetern Laderaum soviel Platz wie sein konventioneller Dieselbruder. Das ist möglich, weil die Batterien im doppelten Ladeboden verschwinden. Mit 60 PS ist der Elektro-Kangoo ausreichend schnell.   Marke: Renault Modell: Kangoo Rapid Z.E. Grundpreis (inkl. MwSt): 15.100 (+ 86 Euro monatlich fürs Batterie-Leasing) Reichweite (in km): 160 Höchstgeschwindigkeit (km/h): 130 Stromverbrauch (kWh/100km): nicht bekannt Quelle: Presse

    Angst machen auch noch die Preise der Elektroautos. Wie teuer wird der e-up!?

    Die Akkupreise sind innerhalb von zwei Jahren um mehr als die Hälfte gesunken, und wir gehen davon aus, dass sie noch weiter fallen. Aber der Elektroantrieb inklusive Batterie ist immer noch fünfmal so teuer wie ein konventioneller Antrieb. Das ist das Kernproblem beim Elektroauto.

    Bei Samsung kostet eine Batteriezelle mit einer Kilowattstunde Speichervermögen bereits 400 Euro. Reicht Ihnen das?

    Das ist immer noch viel zu teuer.

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      Was wäre ein angemessener Preis?

      Um Elektromobilität massentauglich zu machen, brauchen wir Preise wie in der Großserienproduktion für Laptop- und Handyakkus, also etwa 100 bis 150 Euro pro Kilowattstunde.

      Wann werden Akkupreise so niedrig sein?

      Das dauert noch eine Weile, vielleicht bis 2018.

      Rechnet sich das Elektroauto dann auch für den Käufer?

      Auf zehn Jahre rechnet sich das Elektroauto in Deutschland heute aufgrund der hohen Strompreise noch nicht. Anders sieht es in Frankreich aus, wo der Strom nur die Hälfte kostet und der Staat zusätzlich steuerliche Anreize bietet.

      Eine Zwischenlösung auf dem Weg zum Elektromobil sind Plug-in-Hybride, deren Batterie an der Steckdose aufgeladen wird. Doch VW steigt erst 2013 in das Geschäft ein. Warum so spät?

      Unsere Erfahrung ist, dass man nicht immer der Erste am Markt sein muss. Wenn man dann allerdings auf den Markt kommt, sollten es die richtigen und zudem ausgereiften Produkte sein, um langfristig Erfolg zu haben. Die mir bekannten, unternehmensinternen Konzepte sind schon sehr überzeugend. Für die Plug-in-Hybride haben wir rein elektrische Reichweiten von 60 Kilometern. Und auf der Langstrecke springt der Verbrennungsmotor ein.

      Volkswagen ist zwar Partner bei der Initiative Clean Energy Partnership. Aber Brennstoffzellenautos scheinen für den Konzern keine große Rolle zu spielen.

      Das täuscht. Wir arbeiten gerade an der vierten Generation von Brennstoffzellenautos. Aktuell testen wir Volkswagen Tiguan HyMotion, CaddyMaxi HyMotion und Audi Q5 HFC. Aber ein solcher Antrieb ist sehr komplex und aufwendig, zum Elektroantrieb kommt zusätzlich die Brennstoffzellentechnik. Eine bezahlbare Lösung sehe ich nicht vor 2020.

      Die Zukunft fährt elektrisch. Aber wann werden auf Deutschlands Straßen Elektroautos keine Exoten mehr sein?

      Reine Elektroautos in nennenswertem Umfang sehe ich kaum vor 2015. Aber wir geben den Plug-in-Hybriden, die ab 2013 starten, gute Erfolgsaussichten.

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