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Elektromobilität Elektrobusse ohne Kabel laden

Berlin setzt als erste europäische Hauptstadt auf kabelloses Laden neuer Elektrobusse. Die ersten Fahrzeuge sollen im Sommer starten.

So funktionieren die Primove-Ladestationen Quelle: Presse

Wenn die Batterien von Elektrofahrzeugen leer sind, müssen sie an eine Ladesäule. Bei Autos ist das in der Regel spätestens nach 200 Kilometern der Fall, bei den schwereren Bussen noch früher. Dort stehen die Fahrzeuge im schlimmsten all mehrere Stunden bis die Akkus wieder voll sind. Das hält viele Autofahrer vom Kauf eines solchen Fahrzeugs ab. Bei Bussen, die im öffentlichen Nahverkehr unterwegs sind, reduzieren die langen Standzeiten die Wirtschaftlichkeit der Elektrobusse enorm.

Das soll jetzt in Berlin dank der ersten kompletten Innenstadtlinie mit einem kabellosen Ladesystem anders werden. Die Elektrobusse der Linie 204, die vom Berlin Zoo über eine Strecke von 6,1 Kilometer nach Berlin-Schöneberg fahren, können mit unsichtbar im Boden versenkten Ladeplatten ihre Batterien in maximal sieben Minuten aufladen.

Die größten Hersteller von Elektroautos in Deutschland

Sieben Tonnen wiegt die Ladeplatte, die Bauarbeiter derzeit in Berlin an der Haltestelle Hertzallee in der Erde versenken. Sie ist fünf Meter lang, zwei Meter breit und 25 Zentimeter dick und verschwindet unter einer Betonschicht. Es ist die erste von insgesamt drei sogenannten Primove-Ladestationen auf der Busstrecke. Sie gehört zu dem Primove System des Unternehmens Bombardier Transportation. Die Elektrobusse stellt das polnische Unternehmen Solaris her.

Ungefährlich für die Fahrgäste

Dank einer Leistung von 200 Kilowatt laden sie die Akkus, die eine Kapazität von 90 Kilowattstunden haben, innerhalb weniger Minuten. Das System lässt sich mit einer elektrischen Zahnbürste vergleichen, die auf ihren Ladestationen ebenfalls kabellos geladen werden. Sobald der Bus die unterirdische Ladestation anfährt und komplett abdeckt, fährt die an der Fahrzeugunterseite montierte Aufnahmespule nach unten und die Energieübertragung beginnt.

Das elektromagnetische Feld soll für Fahrgäste und Passanten dank einer starken Abschirmung und spezieller Übertragungsfrequenzen ungefährlich sein. Die weiteren Ladestationen entstehen ab Ende April diesen Jahres, im Sommer 2015 soll der erste Bus auf der Linie 204 starten und maximal 70 Passagieren eine geräuschlose und abgasfreie Busfahrt durch Berlin ermöglichen. Die vier Elektrobusse sollen jährlich rund 260 Tonnen des klimaschädlichen Gases Kohlendioxid (CO2) einsparen. Das entspricht dem Jahresausstoß von 250 Autos mit Verbrennungsmotoren.

In Arbeit
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Die Technische Universität Berlin begleitet das Forschungsprojekt, das vom Bundesverkehrsministerium mit 4,1 Millionen Euro gefördert wird. Die TU wertet beispielsweise die Ladezeiten, den Energiebedarf der Heizung und der Klimaanlage der Busse aus, um das System damit zu verbessern.

Klappt das alles, könnten die Elektrobusse mittelfristig die Dieselbusse ersetzen, die im Stadtverkehr mehr als 20 Liter Dieseltreibstoff pro hundert Kilometer verbrauchen und neben gesundheitsschädlichen Stickoxiden auch Rußpartikel ausstoßen.

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