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Elektromobilität Hält das Stromnetz dem E-Auto-Boom stand?

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Was bringt die Digitalisierung?

Zwar schreibt das Gesetz in Neubauten intelligente Stromzähler vor, die Verbräuche minutengenau preisgeben – aber erst ab einem jährlichen Verbrauch von 6000 kWh. Auch mit einem E-Auto liegen die meisten Haushalte weit darunter. Bei ihnen wird weiterhin nicht erfasst, wie viel Strom sie zu welcher Zeit benötigen. Es wären genau jene Daten, die Reiter für seine Karte fehlen. Und damit für den sinnvollen Netzausbau.

Die Elektro-Schocker
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Techrules Ren schafft maximal 320 km/h Quelle: Hersteller
Techrules Ren bietet einen Reichweitenverlängerer in Form einer mit Diesel getriebenen Microturbine Quelle: Hersteller
Rimac Hypercar Concept One Quelle: Hersteller
Rimac Concept One Quelle: Hersteller

Dass ein smartes Stromnetz technisch möglich und nicht einmal teuer ist, lässt sich in der Nähe von Augsburg schon beobachten. In Wertachau betreibt die Innogy-Tochter Lechwerke ein solches Netz: Hier ist jeder Haushalt mit einem intelligenten Stromzähler ausgestattet, der dem Versorger mitteilt, wann wer wie viel Strom zieht.

Kern des Systems ist der Smart Operator. Ein Kasten so groß wie ein DIN-A4-Blatt. Er steuert die intelligenten Stromzähler in jedem Haushalt an. Und darin arbeitet ein selbstlernender Algorithmus: Das Programm erfasst, welcher Haushalt wann wie viel Strom verbraucht und wer gerade Überschüsse produziert, etwa mit seiner Solaranlage auf dem Dach. Es errechnet auf der Basis wiederkehrender Muster Bedarfs- und Angebotsprognosen für die nächsten Tage. Der Algorithmus merkt sich, wenn Frau Meier ihren BMW i3 immer morgens um 9 Uhr laden will, Herr Müller seinen Tesla nur alle zwei Tage, aber immer ab 21 Uhr. Und er verteilt den Strom danach: Er meldet etwa an den Zähler der Familie Meier: „Es ist viel Strom da im Dorf: Lade dein E-Auto.“ Oder aber: „Es ist gerade viel Bedarf, beginne erst in zwei Stunden mit dem Ladevorgang.“

In diesem smarten Stromnetz, sagt Andreas Breuer, Leiter Neue Technologien bei Innogy, gehe es vor allem darum, „Verbrauch und Erzeugung lokal so gut in Deckung zu bringen, dass das Netz gar nicht erst durch Lastspitzen beansprucht wird“. Der Kunde selbst merke von den Steuervorgängen im Hintergrund nichts und habe keinerlei Beeinträchtigung. Wenn die Wertachauer insgesamt zu viel Strom verbrauchen, wird Energie über das Mittelspannungsnetz dazu geholt – oder eingespeist, wenn sie an sonnigen Tagen zu viel Strom produzieren. Zuvor tauschen sie Strom untereinander.

Das Projekt in Wertachau habe gezeigt, dass schon relativ geringe IT-Investitionen oft sehr viel größere in neue Trafos, Kabel und Erdarbeiten ersparen können, sagt Breuer. Bei einem ähnlichen Projekt in der Eifel konnte Innogy durch den Einsatz von IT für eine Million Euro den Bau einer neuen Stromleitung sparen, die das Zehnfache gekostet hätte. Software, das ist seine Botschaft, könne helfen, die Kosten für den Netzausbau in einem erträglichen Rahmen zu halten. „Die Verkehrswende steht und fällt mit der Digitalisierung der Stromnetze“, sagt Breuer.

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