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Fahrbericht McLaren 650S Der Flügelflitzer

Mit dem 12C ist McLaren ein brillanter Sportwagen gelungen – doch nach gerade einmal drei Jahren Bauzeit hat er ausgedient. Kein Problem, denn mit dem 650S steht bereits sein Nachfolger in den Startlöchern.

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Der McLaren 650S ist eine von Grund auf überarbeitete Version des 12C. Anfangs wollten die Briten beide Modelle parallel fertigen und verkaufen, doch inzwischen wurde die 12C-Produktion in Woking eingestellt. Quelle: Sebastian Schaal

Düsseldorf In der Autobranche ist es gang und gäbe, dass ein Modell nach drei oder vier Jahren Bauzeit überarbeitet und so für die nächsten drei Jahre aufgefrischt wird. „Modellpflege“ heißt das dann meist oder „Facelift“, da oftmals Scheinwerfer und Kühlergrill an das neue Markendesign angepasst werden. Eine kleine Schönheitsoperation eben.

Beim jüngst überarbeiteten VW Polo etwa wurde nichts am Blechkleid geändert, die Neuerungen fanden größtenteils unter der Haube statt. Selbst Experten fällt es schwer, einen überarbeiteten Polo anno 2014 von dem Vorjahresmodell zu unterscheiden.

Das ist das eine Extrem.

Doch es gibt auch Fälle, da werden nach drei Jahren Bauzeit 25 Prozent aller Teile an einem Auto erneuert, wie etwa beim McLaren 12C. Und da die Änderungen so tiefgreifend sind, gibt es auch gleich einen neuen Namen: 650S heißt die Carbonflunder aus England jetzt.

Seit McLaren das 12C Coupé im Jahr 2011 auf den Markt brachte, hat sich am Stammsitz in Woking einiges getan. In dieser Zeit haben die Ingenieure den 916 PS starken Supersportwagen P1 entwickelt – und dabei einiges gelernt, was auch den kleinen Bruder zu einem besseren Auto machen würde. Dazu kam noch das Feedback der über 3.500 Kunden, die einen 12C ihr Eigen nennen dürfen. Alles ist in den 650S eingeflossen.

Einer der Änderungswünsche war schnell umgesetzt: Das Firmenlogo an der Front wurde durch einen McLaren-Schriftzug ersetzt. Obwohl vom Formel-1-Rennstall bekannt, brachten viele die orangefarbene Sichel nicht mit McLaren in Verbindung. Und der ein oder andere Kunde war es wohl leid, dem Nachbarn zu erklären, was da eigentlich vor der Garage steht.

PS-Protze auf dem Genfer Autosalon
Der 85. Genfer Automobilsalon, der am 5. März seine Pforten für Besucher öffnet, schwelgt in Leistung und Luxus. Doch nicht nur die Mobile der Schönen und Reichen dürfen PS-Orgien feiern. Auch die Großserienhersteller brennen bei Studien und Neuheiten ein Feuerwerk der bürgerlichen Boliden ab. Quelle: Presse
So darf sich ein Ford Focus RS mit 320 PS produzieren, der Audi A3 RS mit 367 PS, der Honda Civic Type R mit 280 PS (hier im Bild) oder der Opel Corsa OPC künftige Kunden mit 207 PS locken. Quelle: Presse
46,25 Dollar sind der magische Betrag, um den derzeit die Autoindustrie und ganze Volkswirtschaften kreisen. Die umgerechnet 39,50 Euro waren vergangene Woche in London für ein Barrel Rohöl der Sorte „Nordsee Brent“ fällig. Nie zuvor in diesem Jahrhundert waren 158,98 Liter Öl (entspricht einem Barrel) so preiswert. Förderländer stöhnen unter dem Preisverfall. Des einen Leid, des anderen Freud: Autofahrer auf der ganzen Welt begeistern die tiefen Spritpreise, die positiven Impulse für viele nationale Konjunkturen sind unverkennbar, und die Autoindustrie profitiert vom Sexappeal großer und leistungsstarker Fahrzeuge. Quelle: Presse
Offenbar vollkommen vergessen ist das Krisenjahr 2008, als der Ölpreis die Marke von 150 Dollar pro Barrel riss und drohte auf die 200 Dollar zu marschieren. Damals mussten Messe-Premieren in puncto Leistung in Sack und Asche gehen und um jeden Tropfen Verbrauchssenkung ringen. Aber nun darf erst einmal wieder gebolzt werden. Den Trend zu Selbstbewusstsein und Status läutete bereits die erste wichtige Automesse des Jahres, die Detroit-Motorshow im Januar ein. Nun geht die Party in Genf weiter. Quelle: Presse
Mercedes-Benz überlässt die besten Bühnenplätze der Spaß-Tochter AMG. Die enthüllt ihre Interpretation des CLA Shooting Brake (360 PS). Neu sind auch die AMG-Beiträge zur C-Klasse. Mit 476 PS so stark wie keine C-Klasse zuvor. Alpina will mit dem B6, seiner Interpretation des BMW 6er-Gran Coupé glänzen, das 600 PS aus seinem aufgeladenen 4,4-Liter-V8 mobilisiert. Quelle: Presse
Mercedes hat für den Dauerbrenner G-Modell ein neues Paket geschnürt. Der G 500 4x4² verdoppelt quasi das bereits legendäre Vermögen des Off-Roaders über Stock und Stein zu fahren. Vorausgesetzt genügend solvente Genf-Besucher skandieren „Haben wollen!“, geht das Modell Ende des Jahres für rund 300.000 Euro in Kleinserie. Mit 422 PS sollen dann auch fast senkrechte Felswände kein unüberwindliches Hindernis für den Kraxler mehr errichten. Quelle: Presse
Die Exoten und extrem Getunten gehören zu Genf wie der See, das Verkehrschaos und Preise, die den Messebesucher selbst am Würstelstand in Schnappatmung versetzen. McLaren toppt mit dem 675LT seine Straßensportler. Der Name ist Programm: 675 PS ... Quelle: Presse

Deutlich repräsentativer wirkt jetzt auch die neu gestaltete Front. Nicht, dass der 12C ein langweilig designtes Auto gewesen wäre, aber das an den P1 angelehnte Design sieht dynamischer aus – und lässt natürlich die Verwechslungsgefahr mit dem 1,1 Millionen Euro teuren Exoten deutlich steigen. Doch die neu gestaltete Front hat auch einen ganz praktischen Nutzen: Sie erzeugt jetzt 25 Prozent mehr Abtrieb, was das Fahrverhalten besonders in Kurven verbessert. Insgesamt wird der 650S dank seiner ausgeklügelten Aerodynamik 40 Prozent stärker auf die Straße gepresst.

Zu mehr Stabilität bei hohen Geschwindigkeiten trägt auch der überarbeitete Heckflügel bei. Dank einer dem aus der Formel 1 bekannten DRS-ähnlichen System setzt das Auto den verstellbaren Spoiler bestmöglich ein: Bei hohen Geschwindigkeiten stellt er sich flach, um den Luftwiderstand zu verringern. Beim Bremsen stellt er sich auf, um als Luftbremse die Verzögerung zu erhöhen. Bei Stadttempo fährt er ganz ein, um das Design nicht zu stören.

Wenn ein Viertel aller Teile an einem Sportwagen neu sind, bleibt natürlich der Motor nicht unangetastet. Das Leistungsplus von 25 auf jetzt 650 PS – Sie vermuten es schon, daher kommt auch der Name des Modells – ist selbst bei Vollgas kaum spürbar. Es war vorher brachial schnell, es ist jetzt brachial schnell. Der 3,8 Liter große Bi-Turbo-V8 katapultiert den 650S in 3,0 Sekunden von 0 auf 100 km/h, bei Tempo 330 ist Schluss.

Was aber spürbar ist, ist das auf 678 Newtonmeter gewachsene Drehmoment und die Art und Weise, wie es einsetzt. Bereits ab 2.500 Umdrehungen steht mehr Schub zur Verfügung als dem Punktekonto womöglich lieb ist. Das beim 12C noch ausgeprägte Turboloch ist zwar noch da, aber deutlich kleiner geworden.

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