Gefährlicher Fahrspaß Versicherer fordern Quad-Trainings für Anfänger

Das Risiko, bei einem Unfall schwer verletzt zu werden, ist mit einem Quad rund 10mal höher als mit dem Pkw. Deshalb fordern die Versicherer Fahrtrainings. Außerdem soll nicht mehr Jeder jedes Quad fahren dürfen.

Die Unfallforschung der Versicherer warnt vor Quads - schwere Unfälle seien programmiert. Quelle: dpa

Quads gelten in Deutschland überwiegend als Freizeitfahrzeug. Die vierrädrigen Flitzer für eine bis maximal drei Personen können schon von Teenagern gefahren werden: So dürfen Jugendliche, die den Führerschein der Klasse AM (für vierrädrige Leichtkraftfahrzeuge) haben, Quads mit einer Höchstgeschwindigkeit von 45 Stundenkilometern und einem Hubraum von maximal 50 Kubikzentimetern fahren. Für die größeren Maschinen ist ein Pkw-Führerschein (Klasse B) nötig.

Die Abteilung Unfallforschung der Versicherer (UDV) rät jedoch dringend davon ab, Teenager ohne weiteres mit Quads fahren zu lassen. „Vor allem die Fahreigenschaften und die Bedienung des Quads, gepaart mit Übermut, lassen viele junge Fahrer schwer verunglücken“, warnt Siegfried Brockmann, Leiter der UDV, „deshalb sollte sowohl bei der Fahrzeugtechnik, als auch bei der Fahrausbildung schnellstmöglich gegengesteuert werden“.

Worüber sich deutsche Autofahrer ärgern
Sieben ProzentZugegeben: Besonders cool aussehen zu wollen, behindert weder den Verkehr noch verstößt es gegen irgendwelche Vorschriften. Trotzdem ärgern sich laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag von CosmosDirekt unter 1011 Autonutzern sieben Prozent der Autofahrer über die betont lässige Attitüde mancher Verkehrsteilnehmer. Also den Ellbogen drin lassen, Fuchsschwanz abnehmen und gut. Quelle: Fotolia
23 ProzentAuch der nächste Punkt hat sicherlich etwas mit Attitüde zu tun, nervt aber schon deutlich mehr Menschen, als der Ellbogen: 23 Prozent fühlen sich dadurch gestört, wenn aus dem Auto auf der anderen Spur die Boxen dröhnen. Zu laute Musik gilt in diesem Fall - wenn sie die Umgebungsgeräusche, also auch das Martinshorn von Feuerwehr und Polizei - übertönt - als Ordnungswidrigkeit. Hart bestraft werden wummernde Beats allerdings nicht. Es droht ein Bußgeld von 20 Euro. Quelle: Fotolia
27 ProzentNoch etwas günstiger ist die folgende Ordnungswidrigkeit: Wer grundlos hupt, also etwa um seine Bekannten zu grüßen, dem droht ein Bußgeld von zehn Euro - die Hupe soll schließlich nur zum Warnen anderer Verkehrsteilnehmer eingesetzt werden. Dementsprechend ärgern sich 27 Prozent der deutschen Autofahrer über grundlose Huperei. Quelle: Fotolia
29 Prozent Auch die Lichthupe ist dafür gedacht, andere zu warnen. Nicht, um auf die eigene, eingebaute Vorfahrt hinzuweisen. 29 Prozent der Befragten geben an, sich über Verkehrsteilnehmer zu ärgern, die mittels Lichthupe andere von der linken Spur scheuchen. Quelle: Fotolia
Das verchromte Auspuffrohr eines getunten Mercedes G 63 AMG von Brabus Quelle: dpa
53 ProzentMehr als die Hälfte aller Befragten, nämlich 53 Prozent, ärgern sich über Schnarchnasen auf der linken Spur und Schnecken im Stadtverkehr. Zu Recht, sagt auch die StVO. Grundloses langsam fahren gilt mitunter sogar als Nötigung und kann mit einem Bußgeld von 20 Euro belegt werden. Wo 100 Kilometer pro Stunde vorgeschrieben sind, sollten diese auch eingehalten werden, wenn es der Verkehr zulässt. Quelle: Fotolia
Eine Frau telefoniert während des Autofahrens mit einem Handy Quelle: dpa
74 ProzentPlatz zwei der Aufreger unter den deutschen Autofahrern ist das Abbiegen ohne Blinken. 74 Prozent der Befragten regen sich zu Recht über diese Unsitte auf. Egal, ob Sie nun abbiegen oder überholen wollen - der Fahrer hinter Ihnen kann es nicht riechen. Quelle: Fotolia
 In dem Außenspiegel eines Kraftfahrzeugs ein zu dicht auffahrendes Auto zu sehen, ein so genannter Drängler mit eingeschalteten Scheinwerfern Quelle: dpa/dpaweb

Notwendig sei beispielsweise ein serienmäßiges Differential, also ein Ausgleichsgetriebe, damit die Hinterradachse in Kurven nicht starr bleibt, was zu Unfällen führen kann. Außerdem fordert der UDV verpflichtende Einweisungsfahrten für Quad-Käufer. Laut UDV sind nämlich sowohl der Auto- als auch der Motorradführerschein ungeeignet zum Führen eines Quads, weil es sich eben ganz anders verhält als ein Motorrad. Und das rächt sich auf der Straße: Laut einer Studie der UDV verursachen Quad-Fahrer gut 85 Prozent der Unfälle, in die sie verwickelt sind, selbst. Die meisten Unfallfahrer sind zwischen 18- und 24 Jahren alt, darauf folgt die Gruppe der 25- bis 34-Jährigen.

Die häufigsten Unfallursachen

  • Bauartbedingte Besonderheiten von Quads (fehlendes Differential und Daumengas) haben unmittelbaren Einfluss auf das Unfallgeschehen. Überdurchschnittlich häufig hat der Quad-Fahrer Probleme mit dem Handling des Fahrzeugs.
  • Kurvenfahrten stellen ein großes Problem im Unfallgeschehen dar: Zwei Drittel der Fahrunfälle von Quads sind der Unfallart „Abkommen von der Fahrbahn nach rechts/links“ zuzuordnen. Dabei sind Alleinunfälle besonders häufig.

Bei einem typischen Unfallablauf verliert der Quad-Fahrer die Kontrolle über sein Fahrzeug, kollidiert mit dem Gegenverkehr oder einem Hindernis neben der Fahrbahn. Und das Risiko, bei einem Unfall schwer verletzt oder getötet zu werden, ist mit einem Quad rund 10mal höher als mit dem Pkw. In der amtlichen Statistik wurden Unfälle mit Quads allerdings bisher nicht ausgewiesen. Erst ab 2014 sollen sie bundesweit erfasst werden. Für die UDV-Studie wurden knapp 500 Quad-Unfälle der Jahre 2009 bis 2012 aus Bayern sowie rund 140 schwere Quad-Unfälle aus den Unfallakten der Versicherer analysiert.

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Auch die genaue Anzahl der Quads auf deutschen Straßen ist unbekannt, weil sich unter Quads verschiedene Fahrzeuggattungen tummeln. Für eine davon wünscht sich der UDV eine bessere Unterscheidung: Die ATV (All-Terrain-Vehicles) sind hauptsächlich für den land- und forstwirtschaftlichen Bereich gedacht, beispielsweise als Bergrettungsfahrzeuge mit Allradantrieb. Dementsprechend sollten sie auch nur im landwirtschaftlichen Bereich eingesetzt werden dürfen und nicht durch die Innenstädte brausen. Immerhin müssen Quads ab 2016 ein Differential haben. Das hat die Europäische Union so vorgeschrieben. So lange bleiben die Hinterradachsen der Fahrzeuge starr - es sei denn, der Besitzer baut freiwillig ein Differential ein.

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