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Gelände- und Sportwagen Jaguar Land Rover - keiner röhrt so laut und dreckig

Der britische Hersteller Jaguar Land Rover macht derzeit alles richtig. Die Geländewagen begeistern die Kundschaft weltweit, der Sportwagen F-Type gilt als würdiger Nachfolger des legendären Models E-Type. Alles prima also, wenn da nicht das lästige Abgasthema wäre.

Jaguar F-Type - kein Roadster für Schüchterne
Der Jaguar F-Type - hier in der Farbe "Firesand" - nimmt als Sechs- und Achtzylinder den Kampf mit Porsche Boxster und 911 auf. Quelle: Jaguar
Die Legende: Der Jaguar E-Type. Die lange Haube macht ihn unverkennbar. Schon in den 60er Jahren schafft er 240 km/h in der Spitze. Ob der F-Type eines Tages so berühmt ist wie sein Vorgänger? Der neue hat definitiv Potenzial. Quelle: Jaguar
Die einteilige Motorhaube öffnet wie beim E-Type nach vorn und greift seitlich bis in die Kotflügel über. Der F-Type hat 340, 380 oder 495 PS unter der Haube und kann es damit ausgerüstet problemlos mit Boxster und 911 aufnehmen. Quelle: Jaguar
Der Innenraum: Geschmackvoll und dezent luxuriös. Über farblich abgesetzte Schaltwippen am Lenkrad oder den "Sport-Shift"-Wählhebel lässt sich das Getriebe jederzeit auch manuell steuern. Ein "Dynamic-Launch"-Modus erlaubt dem Jaguar F-Type S ohne zutun des Fahrers ein extrem schnelles Beschleunigen aus dem Stand. Quelle: Jaguar
Der im Stil eines Joysticks geformte Wählhebel der Achtgang-Quickshift-Automatik erinnert an ein Flugzeugcockpit. Farblich abgesetzt sind der Start-/Stop-Knopf und der SportShift-Hebel. Orange-Gold leuchten auch die Tasten für den Eco-Fahrmodus sowie der so harmlos aussehende Knopf für das Auspuffsystem. Einmal gedrückt öffnet der F-Type oberhalb von 3000 Umdrehungen pro Minute elektronisch gesteuerte Bypass-Ventile und lässt den Boliden mit gewollten Fehlzünden so richtig bollern und krachen. Quelle: Jaguar
Am Design gibt es wenig zu meckern. Jaguar-Design-Ikone Ian Callum setzt auf Purismus mit zwei "Herzlinien". Die erste führt von den "Haifischkiemen" zu den beiden Seiten des Grills bis zur Oberkante der Kotflügel. Vertikale Schweinwerfer zeichnen die Linie nach, ehe sie in die Tür weiter- und danach elegant ausläuft. Dort beginnt die zweite Linie sie formt die "kräftigen Hüften" des F-Type, um danach bogenförmig um das Heck herum zu den waagerechten Leuchten und zum Heckspoiler zu ziehen. Die Rücklichter sollen übrigens an den Klassiker E-Type erinnern. Quelle: Jaguar
In bester Roadster-Tradition hat sich Jaguar für ein Stoffverdeck entschieden. Die Kapuze lässt sich auf Knopfdruck bis zu einer Geschwindigkeit von knapp 50 km/h in zwölf Sekunden öffnen und genauso schnell wieder schließen.

Wurzelholz ist das Sinnbild englischer Gediegenheit. Doch im neuen Jaguar F-Type Coupé? Keine Spur. Stattdessen gibt es mit 550 PS aus einem mächtigen V8-Motor Leistung satt. Gratis dazu ein Schalter in der Mittelkonsole, der das Motorengeräusch des Sportwagens von schon ziemlich laut auf pubertär lärmend wechselt. Das macht auf jedem Boulevard etwas her.

Das soll ein Jaguar sein?

Oh ja, und was für einer. Einer, der als Gegner für Porsche, BMW und Co. taugt.

Der elegante Zweisitzer ist die geschlossene – und attraktivere – Variante des vor einem Jahr vorgestellten Cabrios und kommt am 12. April auf den Markt. Er spekuliert ganz ungeniert auf die Strahlkraft seines legendären Vorgängers E-Type, glücklicherweise ohne den Urahn zu kopieren. Der kam vor gut 50 Jahren als erster Sportwagen auf den Markt, der mit einer Höchstgeschwindigkeit von 250 Kilometern pro Stunde tatsächlich so schnell war, wie er aussah. Unvergessen die ellenlange Kühlerhaube, die ihn heute zu einem der begehrtesten Oldtimer überhaupt macht.

Jaguar hat wieder einen Lauf. Schlag auf Schlag folgen in den nächsten Jahren neue Modelle, die die Erfolgsgeschichte der vergangenen Jahre – steigende Absatzzahlen, stolze Gewinne – fortschreiben sollen.

Doch ob die ehrgeizigen Pläne aufgehen, ist alles andere als sicher. Noch ist der technische Nachholbedarf enorm. Vor allem die Abgaswerte der meist großen und leistungsstarken Fahrzeuge von Jaguar und der Schwestermarke Land Rover müssen sinken. Heute gehören sie zu den schlechtesten der Branche (siehe Grafik).

Wie viel Kohlendioxid (CO2) alle Modelle ausgewählter Oberklassehersteller im Durchschnitt ausstoßen (CO2-Ausstoß in Gramm pro Kilometer, Stand 2013). (zum Vergrößern bitte anklicken)

Dankbare Kunden

Dabei hatten die Fans der britischen Marke gerade gehofft, Jaguar sei nun endlich über den Berg. Jahrelang hatten sie genauso wie das Management darauf gedrängt, den E-Type, die Stilikone der Sechzigerjahre, wieder aufleben zu lassen. Dass dies nun gelang, haben sie einer Person zu verdanken: dem indischen Großunternehmer Ratan Tata, Herr über einen riesigen Mischkonzern mit 72 Milliarden Euro Umsatz.

Er hat Jaguar und Land Rover 2008 vom US-Autokonzern Ford für 1,4 Milliarden Euro übernommen. Er küsste die siechen Marken wach, investierte noch einmal 1,5 Milliarden Euro und installierte eine neue Führungscrew, darunter mehrere Deutsche. Das Führungsteam brachte neue attraktive Modelle – vor allem bei Land Rover – auf den Markt. Die Kunden griffen dankbar zu und verdoppelten den Absatz in den vergangenen fünf Jahren auf zuletzt 425.006 Fahrzeuge. Alleine 76.668 davon entfallen auf Jaguar: das beste Ergebnis seit 2005.

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