WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Genfer Autosalon Daimler glaubt weiter an die Zukunft der Elektroautos

Für den Smart bleibe die Elektromobilität eine Riesenchance: Smart-Chefin Winkler glaubt an Elektroflitzer als reine Stadtautos. Experten sehen das kritischer. Sie erklären Elektroautos schon zum Auslaufmodell.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Wartet mit der Vorstellung des neuen Modells bis Jahresmitte: Smart-Chefin Annette Winkler in einem Smart Brabus tailor made. Quelle: dpa

Genf Der Autobauer Daimler hat trotz der verschwindend geringen Nachfrage den Glauben an die Zukunft von Elektroautos nicht verloren. Als reine Stadtautos könnten sich Elektrofahrzeuge durchsetzen, sagte Smart-Chefin Annette Winkler in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch auf dem Autosalon in Genf. „Ich glaube nicht, dass der Markt kaputt ist.“

Für den Stadtflitzer Smart, der in diesem Jahr als Zwei- und Viersitzer neu aufgelegt wird, bleibe die Elektromobilität eine Riesenchance. „Aber wir brauchen einen Stimmungswandel in Richtung E-Mobilität“, forderte Winkler. So müssten Städte Vorteile wie reservierte Parkplätze für die abgasfreien Autos schaffen.

Vor drei Jahren noch hatte auf dem Genfer Autosalon Euphorie über batteriegetriebene Autos geherrscht. Doch seitdem kümmert der Markt vor sich hin. Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland nur knapp 6400 Elektrofahrzeuge zugelassen, was einem Marktanteil von 0,2 Prozent entspricht. Von den rund 100.000 jährlich verkauften Smarts fahren nur vier bis fünf Prozent mit Strom.

Der Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen hat Elektroautos deshalb zu einem Auslaufmodell erklärt. Die Bundesregierung habe das Thema trotz des Ziels, bis 2020 eine Million Elektroautos auf den Straßen zu haben, abgehakt. Der Elektro-Golf sei den Käufern zu einem Preis von 35.000 Euro zu teuer, und Opel habe im vergangenen Jahr gerade mal 335 Ampera verkauft, erklärte Dudenhöffer.

Winkler erinnerte daran, dass es ein solches Wechselbad an Einschätzungen auch beim Internethandel gegeben habe. „Jeder Hype ist verdächtig“, sagte sie. Vor 20 Jahren sei deshalb der Einzelhandel zunächst tot gesagt worden, kurz darauf das Online-Shopping schon wieder zum Flopp erklärt worden. Aber jetzt habe sich im Internet ein bestimmter Anteil am Handel etabliert. „So ähnlich sage ich das voraus für die Elektromobilität“, prophezeite Winkler. Diese werde dem Stadtverkehr vorbehalten bleiben.

Auf längeren Strecken setzten die Kunden dagegen auf Autos mit den anderen alternativen Antrieben Brennstoffzelle oder Plug-in-Hybrid. Im letzten Jahr seines Modellzyklus sei der Stadtflitzer Smart weiterhin gefragt und das Interesse auf der Genfer Messe groß, sagte Winkler.

Daimler und Nissan wollen Insidern zufolge ihre Kooperation im Bereich Kleinwagen deutlich ausbauen. Mercedes und die Nissan-Marke Infiniti planten zur Reduzierung von Kosten gemeinsame Entwicklungsarbeit sowie die Produktion von Mercedes-Wagen in einem Nissan-Werk in Mexiko, wie mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag berichteten.

Nissan solle laut einer vorläufigen Vereinbarung dort ab Ende 2017 unter anderem das kommende Mercedes SUV-Modell GLA produzieren. Der Daimler-Vorstand solle die Pläne bereits im April absegnen. Die Kooperation werde beiden Unternehmen rund ein Viertel der Kosten im Vergleich zu einem Alleingang ersparen, erklärten die Insider weiter.

Daimler hat sich in der Vergangenheit offen für eine Ausweitung der Kooperation mit der Allianz zwischen Nissan und Renault gezeigt. Daimler-Chef Dieter Zetsche hat auch bereits explizit die Marke Infiniti sowie das Teilen von Fertigungskapazitäten ins Gespräch gebracht. Die beiden Konzerne wollten zwar am Dienstag die Pläne in Mexiko nicht direkt bestätigen. Infiniti-Chef Johan de Nysschen sagte jedoch auf dem Genfer Autosalon, die Firmen hätten noch keine formelle Einigung erzielt. „Aber viel spricht für Mexiko“, erklärte er.

Furore macht derweil der Daimler-Partner Renault. Die Franzosen stellen in Genf den neuen Twingo vor, der auf einer gemeinsamen Plattform mit dem Smart aufbaut. Bunt und rund wie das Auto ist die Dekoration am Stand mit ovalen Sitzkissen und Lampen, die in wechselnden Farben auf und nieder schweben.


Daimler entwickelt neue Carsharingkonzepte für Firmenflotten

Farbenfroh wie eine Frühlingswiese präsentiert sich auch Smart. Doch weil der Launch des neuen Modells ein historischer Moment sei, habe man den großen Auftritt bewusst nicht auf einer Messe untergehen lassen wollen, sagte Winkler. Die Weltpremiere ist für Mitte des Jahres geplant.

Die Smart-Chefin betonte, seit ihrem Antritt vor gut drei Jahren liefere der Kleinstwagen ein positives Ergebnis ab. Nach einer Schätzung von Max Warburton, Analyst von BernsteinResearch, hat der Smart Fortwo seit seiner Einführung 1997 bis 2006 rund 3,3 Milliarden Euro Verlust eingefahren. In der Anfangszeit habe es Verluste gegeben, räumte Winkler ein, die sie aber nicht beziffern könne. „Aber ich bin verflixt stolz, dass wir in den letzten drei Jahren den Absatz gehalten haben, ohne uns das mit Discounts zu erkaufen.“

Daimler entwickelt laut Winkler ebenfalls neue Ideen für Unternehmenskunden mit dem Stadtflitzer nach dem Vorbild seines Carsharing-Angebots Car2Go. „Daimler Mobility Services denkt auch über Carsharingkonzepte mit Firmenflotten nach“, sagte Winkler der Nachrichtenagentur dpa auf dem Genfer Autosalon. Details wollte sie noch nicht nennen: „Soweit sind wir noch nicht.“

Daimlers eigenes Carsharing-Angebot Car2Go ist mit 10 000 Fahrzeugen bislang der größte Smart-Kunde. Sollte der Autokonzern Firmenkunden in das Angebot einbinden, könnte das Smart zu einem Schub bei den Absätzen verhelfen, die zuletzt zurückgingen.

Außerdem sieht Winkler das Geschäftsfeld als eine Art Trendsetter im Konzern. Daimler-Chef Dieter Zetsche will bis 2020 mit Mobilitätskonzepten wie dem Carsharing-Angebot „Car2Go“ mindestens 800 Millionen Euro Umsatz machen und eine Rendite von zehn Prozent erwirtschaften. Auf dem Genfer Autosalon stellte der Autohersteller eine Internetplattform vor, die alle Dienstleistungen rund ums Auto wie Reparaturservices, aber auch Online-Dienste für das Auto wie die Apps für Car2Go zusammenfassen soll.

Speziell für Smarts baue Daimler bereits Smartphone-Apps, in der eigene Parkplätze für das weniger als drei Meter lange Auto angezeigt werden. Solche Projekte werde es auch in Zukunft geben, sagte Winkler: „Wir wollen immer Think Tank bleiben.“

Jetzt auf wiwo.de

Sie wollen wissen, was die Wirtschaft bewegt? Hier geht es direkt zu den aktuellsten Beiträgen der WirtschaftsWoche.
Diesen Artikel teilen:
  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%