Hightech-Systeme in Autos Viele Fahrer finden Technik-Schnickschnack überflüssig

Autohersteller investieren Millionen in Hightech-Assistenzsysteme, die das Fahren erleichtern sollen. Eine Studie zeigt allerdings: Viele Fahrer nutzen die Tools gar nicht und finden sie schlicht überflüssig.

Bordcomputer Quelle: dpa

Beim rückwärts Einparken piept's im Auto, SMS kann der Fahrer per Sprachdiktat verschicken und wer auf der Suche nach dem nächstgelegenen McDonald's oder Burger King ist, fragt einfach seinen Bordcomputer. Autohersteller investieren Millionen in die Entwicklung von Hightech-Assistenzsystemen, die das Fahren komfortabler und auch sicherer machen sollen. Eine Studie zeigt allerdings: Viele benutzen die Tools gar nicht und finden sie einfach überflüssig.

Das US-Marktforschungsunternehmen J.D. Power Reports befragte für die Untersuchung 4200 Autobesitzer drei Monate nach dem Autokauf, wie sie ihre On-Bord-Systeme benutzen. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass gut 20 Prozent der Neubesitzer einen Großteil ihrer Features noch nicht einmal ausprobiert hatten.

Vor allem sogenannte Concierge-Systeme, mit denen der Fahrer nach Restaurants oder Tankstellen suchen kann, findet fast die Hälfte der Befragten (43 Prozent) unnötig. Auch Wlan-Router werden von 38 Prozent der Autofahrer nie benutzt. Die automatische Einparkhilfe halten 35 Prozent für eine überflüssige Spielerei.

Was an modernen Autos am meisten nervt
Warnhinweise ohne EndeStändig schauen Assistenzsysteme dem Fahrer auf die Finger und melden sich mit Blinken und Piepen: Ob der Totwinkelassistent, die Verkehrsschilderkennung, der Spurhalteassistent oder der Abstandsassistent. Immer wieder mischen sie sich ein und entmündigen den Fahrer. Quelle: dpa
Schlechte RundumsichtZunehmende Anforderungen an Design und Sicherheit sorgen für flach ansteigende Dachlinien oder breite A-, B-, oder C-Säulen. All das behindert eine gute Rundumsicht. Quelle: obs
Die EinparkhilfeKaum ein Einparken ohne Piepen. Obwohl oft noch ausreichend Platz zum Rangieren ist, schlägt die Einparkhilfe immer wieder Alarm. Quelle: dpa
Das vernetzte AutoSeitdem auch das Auto online ist, greift die ständige Erreichbarkeit und Zerstreuung vom Smartphone auf das Fahrzeug über. Das führt zu noch mehr Ablenkung, von der die zahlreichen Fahrtassistenten schon genug mit sich bringen. Quelle: dpa
Von innen zu entriegelnde TankdeckelSie haben schon für viele Ehrenrunden rund ums Auto gesorgt: Tankdeckel, die sich nur von innen entriegeln lassen. Zu oft fällt es einem erst dann ein, wenn man schon davor steht. Quelle: dpa
TastenchaosMehr Technik, mehr Knöpfe: Viele Extras erleichtern uns das Autofahren, füllen das Armaturenbrett jedoch mit vielen Knöpfen und Anzeigen. Diese sind außerdem oftmals konfus angeordnet und schlecht zu erreichen. Quelle: obs
Sound EngineeringDie Technik entwickelt sich weiter, wird sparsamer – und dadurch leiser. Weil der Motor nicht mehr selbst röhrt, helfen Autohersteller nach. Nur sind diese unterlegten Geräusche nicht authentisch und klingen künstlich. Quelle: dpa

Ein großer Teil der Befragten würde beim nächsten Auto auf mehr als ein Dutzend Systeme verzichten. Auffällig dabei: Es sind vor allem die jüngeren, die wenig Interesse an den Hilfen haben. 23 Prozent der 21- bis 38-Jährigen, also der sogenannten Generation Y, interessiert sich nicht für die Tools. Zum Musikhören oder Navigieren nutzen sie lieber ihr Smartphone oder Tablet, mit dem sie im Zweifelsfall besser vertraut sind.

Viele Autoverkäufer erklären ihren Kunden die modernen Funktionen zum Teil aber auch nicht. Das führt dazu, dass besonders kompliziertere On-Board-Systeme gar nicht erst eingesetzt werden, so das Ergebnis der Studie.

Deutlich beliebter und häufiger genutzt werden dagegen die Systeme, die nicht durch ein externes Tool wie das Smartphone ersetzt werden können und die vor allem die Sicherheit verbessern sollen. Über den Totwinkel-Warner oder die Kollisionswarnung sind die meisten Autobesitzer froh.

Woraus sich der Preis eines Neuwagens zusammensetzt

Die vielen ungenutzten On-Board-Systeme führen den Forschern zufolge dazu, dass teure technische Investitionen einfach wertlos werden – für Hersteller und Konsumenten. Außerdem kann der zusätzliche technische Schnickschnack die Reparaturkosten schnell in die Höhe treiben. Wer eigentlich nur einen Kratzer an der Stoßstange ausbessern lassen will, muss sich unter Umständen auch gleich die Kamera des Einparkassistenten austauschen lassen. Für ein Feature, das viele sowieso überflüssig finden, ein Ärgernis.

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