WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Innovative Autoräder Die Neuerfindung des Rads

Ab November müssen Neuwagen den Reifendruck überwachen, um vor Pannen zu warnen. Damit es erst gar nicht so weit kommt, erfinden die Ingenieure gerade buchstäblich das Rad neu.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
VW bleibt trotz Dieselgate vor Toyota
Toyota – 1. Halbjahr 2016Der japanische Branchenprimus, zu dem auch der Kleinwagenbauer Daihatsu Motor und der Nutzwagenhersteller Hino Motors gehören, verkaufte zwischen Januar und Juni global 4,99 Millionen Autos. Das ist ein Rückgang zum Vorjahreszeitraum von 0,6 Prozent. Die ganze Halbjahres-Bilanz auch mit Umsatz- und Gewinnkennzahlen legt der japanische Konkurrent am 4. August vor. Quelle: AP
Volkswagen (Konzern) – 1. Halbjahr 2016Krise? Welche Krise? Die Abgas-Affäre scheint die Auslieferungen bei Volkswagen nicht zu bremsen. Pünktlich zum Halbjahr setzt sogar die schwächelnde Kernmarke zur Wende an. Mit 2,925 Millionen verkauften Volkswagen blieb die Marke zwar knapp unter dem Vorjahresergebnis, die Tendenz im Juni zeigte aber um fast fünf Prozent nach oben. Mit dem starken Juni stehen nach sechs Monaten die Zeichen bei den Verkäufen klarer als zuvor auf Zuwachs: 5,12 Millionen Fahrzeuge – vom VW-Up bis zum schweren Scania-Lkw – sind 1,5 Prozent Verbesserung im Vergleich zum ersten Halbjahr 2015. Trotz Diesel-Krise steuert der Konzern damit 2016 bisher auf ein Auslieferungsplus zu. Nach fünf Monaten Ende Mai hatte der Zuwachs lediglich bei 0,8 Prozent gelegen. Zumindest als Momentaufnahme scheint der Autobauer damit zehn Monate nach dem Ausbruch der Diesel-Krise eine Durststrecke zu verlassen. Quelle: dpa
BMW – 1. Halbjahr 2016Zwischen Januar und Juni diesen Jahres wurden weltweit 986.557 BMW verkauft. Damit konnten die Münchner im Vergleich zum Vorjahr um 5,8 Prozent zulegen. Allein im Juni stieg der Absatz um 9,7 Prozent auf 189.097 – mit den Marken Mini und Rolls-Royce kommt der Konzern sogar auf 227.849 Autos (+9,1 Prozent). Für das Plus sorgte demnach vor allem die hohe Nachfrage in Europa und Asien. In den USA dagegen schrumpfte der Absatz. Mit den knapp 190.000 Fahrzeugen im Juli lag BMW vor den beiden Dauer-Konkurrenten Audi (169.000 Autos) und Mercedes (188.444 Fahrzeuge). Doch wie sieht es im gesamten ersten Halbjahr aus? Quelle: dpa
Audi – 1. Halbjahr 2016Zumindest Audi konnte BMW hinter sich lassen. Die Ingolstädter konnten zwar zulegen, mit 5,6 Prozent fiel das Wachstum aber geringer aus als bei der Konkurrenz aus München – genauso die absolute Zahl an Auslieferungen von 953.200 Fahrzeugen. Dennoch ist die Bilanz für Audi positiv. Man habe den Absatz in allen Weltregionen steigern können, sagte Vertriebsvorstadn Dietmar Voggenreiter. Spaß-Modelle wie das TT Cabrio im Bild tragen traditionell wenig zum Volumen bei. Zu den größten Treibern gehörten die Baureihen A4 mit einem Plus von 12,3 Prozent und das Oberklasse-SUV Q7, das es nach dem Modellwechsel im Vorjahr auf ein Plus von satten 73,6 Prozent bringt. Auch für das zweite Halbjahr ist Voggenreiter optimistisch: Dann stehen die Premieren des überarbeiteten A3 und der komplett neuen Baureihen A5 und Q2 an. Quelle: obs
Daimler – 1. Halbjahr 2016BMW und Audi waren gut, Mercedes war besser. So lässt sich das erste Halbjahr zusammenfassen – sowohl beim Wachstum als auch beim Absatz konnte die Marke mit dem Stern die Konkurrenten abhängen. In den ersten sechs Monaten gingen 1.006.619 Mercedes-Benz an die Kunden – das entspricht eine Zuwachs von 12,1 Prozent. Ganz nebenbei der 40. Rekordmonat in Folge für die Marke. Dabei profitiert Mercedes vor allem von den SUV-Modellen, die inzwischen ein Drittel des weltweiten Absatzes ausmachen. „ Das zeigt, dass sich unsere Produktoffensive auszahlt und unser rundum erneuertes SUV-Portfolio hervorragend bei den Kunden ankommt“, sagt Vorstandsmitglied Ola Källenius. Zusammen mit den 73.510 verkauften Smart kommt die Pkw-Sparte des Daimler-Konzerns so auf 1,08 Millionen Fahrzeuge. Quelle: dpa
Porsche – 1. Halbjahr 2016Drei Prozent Wachstum auf 117.963 Fahrzeuge. Das sind die Eckdaten des ersten Halbjahres bei Porsche. Der Sportwagenbauer zeigt sich damit zufrieden und spricht von einer „Stabilisierung auf hohem Niveau“. Viele Modelle wie die Baureihen Cayman, Boxster, Macan und der 911er konnten zwar zweistellig wachsen, bei der Limousine Panamera hielten sich die Kunden wegen des anstehenden Modellwechsels aber spürbar zurück. „Die durchweg positive Resonanz auf die Weltpremiere des neuen Panamera Ende Juni stimmt uns sehr optimistisch. Wir erwarten uns davon einen deutlichen Schub“, sagt Marketing- und Vertriebsvorstand Detlev von Platen. Der neue Panamera kann seit dem 28. Juni bestellt werden und steht in Europa ab November beim Händler. In den USA und im chinesischen Markt ist das Auto ab Januar 2017 verfügbar. Quelle: dpa
Toyota – Gesamtjahr 2015Der japanische Autokonzern Toyota hat seine Stellung als weltgrößter Fahrzeughersteller im vierten Jahr nacheinander behauptet und den durch den Abgasskandal gebeutelten Konkurrenten VW auf Distanz gehalten. 2015 verkaufte das Unternehmen 10,15 Millionen Autos, wie Toyota am Mittwoch mitteilte. VW kam im vergangenen Jahr auf 9,93 Millionen verkaufte Autos, General Motors auf 9,8 Millionen. 2016 rechnet Toyota mit einem Absatz von 10,11 Autos. Im vergangenen Jahr lag die Prognose bei 10,1 Millionen Fahrzeugen für 2015 und wurde durch die Realität übertroffen. VW hatte Toyota bei den Verkaufszahlen im ersten Halbjahr 2015 überholt, war dann aber infolge des Abgasskandals wieder zurückgefallen. Die Autoverkäufe auf den großen Märkten in den USA und Japan haben sich verlangsamt. Darüber hinaus hat sich auch das in den vergangenen Jahren stetige Wachstum auf aufstrebenden Märkten abgeschwächt. Das schlägt sich auch in den Toyota-Zahlen nieder: 2014 hatten die Japaner noch 10,23 Millionen Autos verkauft. Quelle: dpa

Der schottische Tierarzt John Boyd Dunlop liebt seinen Sohn Johnny wirklich. Doch das Dreirad mit den Metallreifen, mit dem sein Filius lautstark durchs Wohnzimmer kurvt, nervt ihn Anfang des Jahres 1888 kolossal. Johnny das geliebte Dreirad einfach wegzunehmen, das bringt Dunlop dann doch nicht übers Herz. Stattdessen bastelt der Vater dem Sohn in den kommenden Wochen ein neues, dessen Holzreifen er mit selbst zusammengeklebten Gummischläuchen ummantelt. Im Wohnzimmer war fortan Ruhe, und Dunlop meldete im Dezember 1888 das Patent für den ersten luftgefüllten Fahrradreifen an. Ohne seine Erfindung hätten Zweiräder und wenig später das Auto kaum ihren Siegeszug antreten können.

Luftlose Reifen bestehen aus der Lauffläche aus Gummi oder speziellem Kunststoff; Elastische, energieschluckende Speichen aus farbigem Kunststoff ; Nabe für Verbindung mit Achse (von außen nach innen). Quelle: PR

Die neuartigen Motorwagen brachten aber erst die französischen Brüder André und Edouard Michelin im Jahr darauf mit den komfortablen und leisen Luftreifen so richtig in Schwung. Sie hatten ihn noch um einen Schlauch im Inneren ergänzt, um die Dichtigkeit zu verbessern.

Heute sind luftgefüllte Reifen aus dem automobilen Alltag nicht mehr wegzudenken. Und die Forschung an den schwarzen Gummiwalzen geht immer weiter, um die Reifen sparsamer, sicherer und leichter zu machen. Die Hersteller arbeiten sogar daran, die Luft wieder aus den Pneus herauszulassen.

Schwere Unfälle

Denn die hat einen entscheidenden Nachteil: Sie entweicht langsam und meist unbemerkt. Laut einer Studie des japanischen Reifenherstellers Bridgestone aus dem vergangenen Jahr fuhren europaweit von den fast 40 000 überprüften Fahrzeugen mehr als ein Drittel mit zu niedrigem Luftdruck herum. Das wiederum kann zu Pannen und schweren Unfällen führen. Und es erhöht den Spritverbrauch um bis zu einen halben Liter pro 100 Kilometer. Der Gesetzgeber reagiert darauf: Ab November 2014 sind elektronische Reifendruckkontrollsysteme für Neuwagen Pflicht.

Die Geschichte des Reifens

Diese Vorgabe erfüllt der amerikanische Reifenriese Goodyear recht elegant. Mit seiner Air Maintenance Technology (AMT) kann ein Reifen ganz ohne externe Pumpen, elektronische Systeme oder Eingriffe des Fahrers den optimalen Druck halten. Die Goodyear-Entwickler nutzen aus, dass durch das Rollen der Reifen ein Luftdruck entsteht, und pumpen ihn bei jeder Umdrehung ein wenig auf.

Das passiert mittels einer von außen nach innen verlaufenden Schlauchpumpe in der Seitenwand und einem Ventil, das sich unter Druck öffnet und dem Reifen die notwendige Luft zuführt. Der Druck befindet sich dadurch immer im optimalen Bereich. Joe Zekoski, Goodyears Entwicklungschef, ist sich sicher: „AMT wird den Verbrauch senken und die Lebensdauer der Reifen verlängern.“ Noch testen Zekoski und sein Team die neue Technik. Den genauen Marktstart verrät er noch nicht.

Um Spritsparen geht es auch dem südkoreanischen Hersteller Hankook. Bei seinem Konzeptreifen namens eMembrane ändert sich die Lauffläche je nach Umdrehungszahl des Reifens und dem einwirkenden Druck. Die Techniker verändern dazu die Struktur in seinem Inneren. Im Ökomodus heben sie das Profil in der Mitte an, der Rollwiderstand und damit der Verbrauch sinken.

Recycelbare Reifen

Eher ein Marketinggag ist dagegen wohl der Wellness-Reifen. Beim Road-Beat-Konzept des südkoreanischen Herstellers Kumho sollen kleinste Löcher in der Lauffläche Alphaschallwellen im Frequenzbereich von 8 bis 13 Hertz erzeugen. Die wirken angeblich entspannend – und bremsen so vielleicht allzu heißblütige Autofahrer. Zugleich verbessern in der Lauffläche eingebaute LED-Leuchten die Sichtbarkeit des Autos. Den nötigen Strom erzeugt praktischerweise der Reifen durch seine kinetische Energie gleich selbst.

Die Top Ten der größten Reifenhersteller

Mehr praktischen Nutzen verspricht die buchstäbliche Neuerfindung des Rads, an der Hankook, Bridgestone und Michelin arbeiten: Sie testen Reifen ganz ohne Luft. Sie bieten eine Menge Vorteile: Niemand fährt mehr mit einem halb platten Reifen los und riskiert schwere Unfälle, der Wartungsbedarf sinkt. Auch Plattfüße durch Bordsteine oder Nägel sollen genauso der Vergangenheit angehören wie schmutzige Finger beim Überprüfen des Luftdrucks.

Nie mehr schmutzige Finger

Beim Air Free Concept Tyre von Bridgestone trägt eine Speichenstruktur aus Kunststoff auf der Innenseite das Gewicht des Fahrzeugs. Sie besteht aus Thermoplast, einem sehr festen, aber gleichzeitig flexiblen und leistungsfähigen Kunstharz. Die Speichenstruktur soll wie luftbefüllte Reifen Stöße dämpfen. Mittlerweile haben die Entwickler den Rollwiderstand auf den Wert eines konventionellen energieeffizienten Reifens gesenkt. Während die ersten Prototypen nur sechs Kilometer pro Stunde schnell fahren konnten – bei einem Fahrzeuggewicht von gerade mal 100 Kilogramm –, schaffen die neuesten bereits 60 Kilometer pro Stunde mit einem 410 Kilogramm schweren Fahrzeug.

Noch radikaler sind die Hankook-Ingenieure: Sie haben bei ihrem Projekt iFlex sogar die Felge abgeschafft. Das ganze luftlose Rad ist aus hochelastischem Polyurethan-Kunststoff gefertigt, das Ganze ist zudem zu 95 Prozent recycelbar. Die Speichen sind miteinander verbunden und sollen den Druck so verteilen, dass der Reifen unter Belastung – etwa am Bordstein – zusammengepresst wird und sich zugleich nach oben ausdehnt. Und wer sagt, Reifen müssten immer schwarz sein? Die Kunststoffe sind leicht einfärbbar.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Dieses Element gibt es nicht mehr.

Michelin dürfte mit seinem Konzept am weitesten sein: Statt der Luft dämpfen bei seinem Prototyp namens Tweel hochflexible, zwischen Lauffläche und Felge angeordnete Speichen Stöße. Der Rollwiderstand und damit der Verbrauch sollen sich verbessern, weil das Rad im Vergleich zu Gummireifen beim Fahren weniger Walkbewegungen aufweist. Zudem lässt sich seine Steifigkeit je nach Fahrzeugtyp über die Festigkeit der Speichen variieren. Noch wagt niemand eine Prognose, wann Autofahrer die luftlosen Reifen kaufen können, denn höhere Geschwindigkeiten verkraften sie noch nicht.

Aber Didier Miraton, einer der Michelin-Entwickler, ist sich sicher: „Der Airless-Reifen wird kommen.“ Michelin testet den Tweel in den USA bereits bei Baumaschinen des US-Herstellers Caterpillar, bei Rollstühlen und sogar bei einer Mondlandefähre.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%