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Ist das E-Auto ein Rückschritt? So verteidigen die Autoren ihre umstrittene Studie zur Klimabilanz von E-Autos

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Wer hat die E-Auto-Studie des Ifo-Instituts bezahlt?

11. Widerspricht die VW-Studie unseren Ergebnissen?
Am 24. 4. 2019 hat VW eine eigene Studie zu den Emissionen der E-Autos veröffentlicht, die auch den CO2-Ausstoß bei der Herstellung berücksichtigt. In dieser Studie, bei der der E-Golf mit dem Golf TDI bei einer Laufleistung von 200.000 km verglichen wird, liegt der CO2-Ausstoß der Elektroversion beim deutschen Strommix mit 142 g pro km leicht über dem des Diesel, der auf 140 g pro km kommt. (Man vergleiche auch: „VW-Studie: E-Auto umweltfreundlicher als Diesel“; Produktion, 24.4.2019)

Diese Stellungnahme wird zum Teil kommunikativ als Widerspruch zu unserer Studie aufgebaut, indem nicht auf den deutschen, sondern den europäischen Strommix abgestellt wird, zu dem wegen Frankreich recht viel Atomstrom gehört. Tatsächlich besteht aber gar kein Widerspruch, denn erstens haben wir unsere Rechnung explizit für den deutschen Strommix angestellt und zweitens handelt sich beim Elektro-VW um ein kleineres Fahrzeug mit einer deutlich geringeren Reichweite (253 km) als beim Tesla, der auf ca. 530 bis 560 km kommt.

VW teilt mit (erste Graphik, S. 13, der genannten Publikation), dass bei der Herstellung seines E-Golf inklusive der Batterie 28 Gramm pro km mehr an CO2 ausgestoßen werden (Laufleistung 200.000 km) als bei der Herstellung des Dieselmodells.

Nimmt man an, dass mindestens dieser Überschuss auf die Batterie entfällt, würde eine Aufrüstung des E-Golf auf die doppelte Reichweite, die dann aber immer noch knapp bei der Hälfte der Reichweite des Dieseltanks liegt, den CO2-Ausstoß auf 170 Gramm erhöhen. Das sind 21 Prozent mehr als VW für den Golf TDI angibt. (Man beachte, dass bei den CO2-Werten für den Fahrbetrieb in der zitierten Graphik der europäische Energiemix unterstellt wird. Auf S. 18 der VW-Studie wird berichtet, welchen Einfluss unterschiedliche nationale Mischungsverhältnisse verschiedener Energieträger auf die durch den Fahrbetrieb verursachten CO2-Werte haben.)

Wir haben in unserer Studie im optimistischen Szenarium ausgerechnet, dass der CO2-Ausstoß eines E-Autos von der Art des Tesla um 11 Prozent über dem eines vergleichbaren Diesel liegt und im ungünstigsten Fall um 28 Prozent. Es kann also nicht die Rede davon sein, dass die VW-Messergebnisse den unseren widersprechen. Sie sind letztlich fast identisch, obwohl wir vollkommen unabhängig voneinander gerechnet haben.

12. Wer hat unsere Studie bezahlt?
Bei unserer Studie handelt es sich nicht um eine Auftragsstudie. Es wurde kein Geld gezahlt, weder an uns noch an das ifo Institut, das uns wie vielen anderen externen Autoren Platz in seinem Publikationsorgan bot.

Wir betonen darüber hinaus, dass keiner von uns in einer wirtschaftlichen Beziehung zur Automobil- oder Energiewirtschaft steht. Getrieben haben uns allein das akademische Forschungsinteresse und die Irritation über die CO2-Richtlinie der EU, nach der bei der Berechnung des Flottenverbrauchs der Hersteller die Elektroautos rechnerisch mit einem CO2-Ausstoß von Null angesetzt werden. Wir vermuten dahinter eine versteckte Industriepolitik von Herstellern und Staaten, die bei den Elektroautos und der Kernenergie für sich einen Wettbewerbsvorteil gegenüber den deutschen Herstellern sehen und eine Koalition mit umweltbewussten politischen Kräften in Europa gebildet haben.

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