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Klang der Elektroautos „Wir verpassen die Chance, den Lärm in unseren Städten zu reduzieren“

E-Mobilität: Deshalb sind Warntöne bei E-Autos in der Kritik Quelle: imago images

Nach einer EU-Vorschrift müssen neue E-Autos ab Juli Töne von sich geben. Das soll der Sicherheit dienen. Kai Warnecke, der Präsident des größten deutschen Immobilieneigentümerverbands Haus & Grund, kritisiert die Regelung. Er fürchtet um die Lebensqualität der Stadtbewohner.

WirtschaftsWoche: Wenn Elektroautos langsam fahren, sind sie kaum zu hören. Ab Mitte des Jahres gilt jedoch ein neues Gesetz, nach dem sie künftig einen Ton zum Schutz von Fußgängern abgeben müssen. Eigentlich eine gute Sache. Was haben Sie dagegen?
Kai Warnecke: Es gab die einmalige Chance, den Lärm in unseren Städten zu reduzieren. Die verpassen wir nun. Vermutlich wäre es besser gewesen, uns einfach daran zu gewöhnen, dass Autos keine Geräusche machen. Wir müssten uns hierzu nur mehr auf unsere Augen verlassen. Für die Menschen in den Städten wäre die Ruhe ein gewaltiger Sprung bei der Lebensqualität nach vorne gewesen. 

Die Komponisten der Töne glauben, dass sie diese so kreieren können, dass die Geräusche kaum noch stören.
Daran glaube ich nicht. Wir beobachten bei unseren Haus- und Grundstückseigentümern schon heute unzählige Rechtsstreitigkeiten, die sich um Lärm drehen. Da geht es vom Straßenverkehrslärm, über Flugzeug- und Eisenbahngeräusche bis hin zum Biergarten, dessen Gäste zu laut sind.

Dafür gibt es doch klare Grenzwerte.
Man kann den Lärm zwar in Dezibel messen. Aber viel häufiger drehen sich die Streitereien darum, dass die Frequenzen, in denen die Geräusche auftreten, als unangenehm empfunden werden. Das wiederum ist eine sehr subjektive Angelegenheit.

Kai Warnecke ist Präsident der Immobilienbesitzerverbands Haus & Grund, der etwa 900.000 Mitglieder hat und damit die größte Vereinigung dieser Art in Deutschland ist.  Quelle: Presse

Inwiefern?
Was der eine als schön empfindet, ist unserer Erfahrung nach für den anderen scheußlich, wie zum Beispiel die Musikschule nebenan. Wenn es da jetzt auf einmal Töne gibt, die alle Menschen wunderbar finden, wäre das ein Wunder. 

Warum so pessimistisch?
Wir haben den Eindruck, dass der Lärm in Städten abgenommen hat. Allerdings hat die Lärmempfindlichkeit vieler Bürger – vielleicht auch deren Wille, sich darüber zu streiten – zugenommen. Das mag auch daran liegen, dass viele Menschen zurück in die Innenstädte gezogen und damit näher an die Lärmquellen gerückt sind.

Welche Konsequenzen zieht die Politik daraus?
Leider die falschen. Die unternehmerische Immobilienwirtschaft will etwa, dass Lärmquellen und Wohnungen noch näher zusammenrücken dürfen. Wir glauben nicht, dass das der richtige Weg ist. Ziel muss es vielmehr sein, den Menschen ein angenehmes Leben zu ermöglichen, indem man Lärmquellen reduziert. Und das gilt eben auch für Elektroautos.

Wie stark wirkt sich der Lärm auf den Wert einer Immobilien aus?
Wenn ein Haus heute an einer stark befahrenen Kreuzungen oder Bahnstrecke steht, spielt es eine Rolle. Dort wollen viele Menschen nicht wohnen und sind deshalb auch nicht bereit, die ganz hohen Mieten zu zahlen. Auch spielen natürlich andere mit dem Verkehr verbundene Einflüsse eine Rolle, wie die Belastung durch Abgase. Aber dass der Wert der betroffenen Immobilien steigen wird, weil nur noch E-Autos unterwegs sind, erwarte ich frühestens im Jahr 2050.

Klangbeispiele: Um Unfälle zu vermeiden, statten Hersteller ihre E-Autos mit künstlichen Geräuschkulissen aus. Wie der Stadtverkehr in Zukunft klingen könnten, erfahren Sie hier.

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