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Kosten beim Treibstoff Erdgasautos sind um die Hälfte billiger

Diesel oder Benziner? Weder noch. Mehr und spritzigere Erdgasautos sind die grünere und kostengünstigere Alternative. 

Quelle: Presse

Tanken für 70 Cent pro Liter Treibstoff? Das war einmal und ist längst vorbei. Stimmt nicht. Das geht immer noch. Zumindest dann, wenn der Wagen Erdgas tankt. Denn umgerechnet kostet der Liter Erdgas im Vergleich zu Diesel und Benzin nur 70 Cent. Da der Energiegehalt von Erdgas höher ist, verbrennt er effektiver.

Doch die meisten Autofahrer sehen den Preisvorteil kaum, weil der Preis für Erdgas an der Tanke in Kilogramm ausgewiesen ist und deshalb im Vergleich zum Literpreis etwas höher liegt, derzeit bei etwa 1,09 Euro pro Kilogramm.

Erdgasautos fristen hierzulande bislang ein Nischendasein - zu Unrecht. Nur langsam steigen die Zulassungszahlen. In den ersten drei Monaten des Jahres 2014 wurden 2174 Erdgasfahrzeuge zugelassen. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ist das ein Zuwachs von 20 Prozent. Damit ist Erdgas zwar nach wie vor die beliebteste alternative Antriebsform bei den Neuzulassungen, doch verglichen mit dem Gesamtmarkt ist die Übermacht der Diesel und Benziner immer noch gewaltig.

Wie weit kommen die unterschiedlichen Antriebe mit 10 Euro?

Dabei lässt es sich günstiger und grüner derzeit mit einem Verbrennungsmotor nicht fahren. In Deutschland setzt der Konzern VW auf den Gasantrieb. Das Portfolio an Erdgasautos reicht vom kleinen Eco up über den Golf bis zum Passat. Die Tochtermarken nutzen die Vorteile des Baukastensystems und haben mit vom Kleinwagen bis zum Golfgegner Seat Leon oder dem Skoda Octavia ein immer attraktiveres Angebot. Aber auch Opel, Mercedes oder Fiat haben Erdgasautos im Angebot.

Der Brennstoff (CH4, Methan) gilt unter Autobauern als einer der saubersten und effizientesten überhaupt. Fossil gefördert stößt Erdgas bei seiner Verbrennung gut 25 Prozent weniger CO2 in die Atmosphäre als es Benzin oder Diesel tun würden.

Regenerativ gewonnen, zum Beispiel als Biogas oder aus Windkraft, werden die Erdgaswagen sogar zu klimaneutralen Öko-Strebern. 100 Kilometer mit dem neuen Golf TGI kosten bei einem Normverbrauch von 3,5 Kilogramm lediglich 3,70 Euro. Lediglich ein Elektroauto hält von den reinen Fahrkosten her mit dem Erdgasauto Schritt. 

Die neuen Erdgasfahrzeuge
Fiat 500LZwei-Zylinder-Motor mit 80 PS Treibstoffkosten pro 100 Kilometer*: 4,45 Euro Preis: ca 19.000 Euro kommt Ende 2013 *kombinierter Kraftstoffverbrauch, 1,60 Euro pro Liter Superbenzin und 1,08 Euro pro Kilogramm Erdgas Quelle: dpa
VW Scirocco R-CupGegen das Pfennigfuchser-Image: Das Erdgasrennauto leistet mit Zwei-Liter-Turbomotor bis zu 285 PS Quelle: Presse
Skoda Octaviavermutlich 110 PS Treibstoffkosten pro 100 Kilometer*: 3,78 Euro Preis: steht noch nicht fest kommt im Frühjahr 2014 *kombinierter Kraftstoffverbrauch, 1,60 Euro pro Liter Superbenzin und 1,08 Euro pro Kilogramm Erdgas Quelle: Presse
VW eco up!Drei-Zylinder-Motor mit 68 PS Treibstoffkosten pro 100 Kilometer*: 3,13 Euro Preis: ab 12.9900 Euro *kombinierter Kraftstoffverbrauch, 1,60 Euro pro Liter Superbenzin und 1,08 Euro pro Kilogramm Erdgas Quelle: Presse
Mercedes B-Klasse 200 NGD156 PS Treibstoffkosten pro 100 Kilometer*: 4,64 Euro Preis: ab 32.368 Euro kommt Mitte 2013 *kombinierter Kraftstoffverbrauch, 1,60 Euro pro Liter Superbenzin und 1,08 Euro pro Kilogramm Erdgas Quelle: Presse
Audi A3 g-tronErstes Audi-Serienauto mit Erdgasantrieb 110 PS Treibstoffkosten pro 100 Kilometer*: 3,78 Euro Preis: ab 25.900 Euro kommt Ende 2013 *kombinierter Kraftstoffverbrauch, 1,60 Euro pro Liter Superbenzin und 1,08 Euro pro Kilogramm Erdgas Quelle: Presse

Dem Stromer voraus aber haben die neuen Modelle wie der Golf TGI oder das Schwestermodell Seat Leon TGI seine uneingeschränkte Alltagstauglichkeit. Angefangen bei der Reichweite. Sie beträgt bei Erdgasbetrieb 420 Kilometer. Automatisch und ganz ohne dass der Fahrer etwas davon merkt, schaltet das bivalente System dann auf Benzin um, und beschert dem Fahrer weitere 940 Kilometer – insgesamt also nach Normverbrauch 1360 Kilometer.

Die reale Reichweite ist zwar geringer, weil sich im Wiwo-Test zeigte, dass der Erdgastank häufig schon bei 360 Kilometer leer ist. Doch mit Reichweiten von mehr als 1000 Kilometer sind die Erdgaswagen endlich auch für Vielfahrer interessant.

Der Tankvorgang selbst dauert ähnlich wie beim Benzin nur wenige Minuten und ist denkbar einfach. Der Nachteil: Nicht an jeder Straßenecke gibt es eine Erdgas-Tankstelle. Deutschlandweit sind es etwas mehr  als 900, davon 180 mit Biogas. Gut, dass die in den Navis aber auch in Apps hinterlegt sind. Denn nur im Erdgasbetrieb ist der Wagen dann tatsächlich der große Sparmeister.

Verunsicherte Kunden, unwissende Händler

Die Frage ist: Was hält die Kunden noch ab? Manchmal schlicht auch das Unwissen der Händler: „Selbst Berater in Autohäusern ständen nicht immer hinter der Erdgastechnologie, sagt Ulrich Eichhorn, Geschäftsführer des Verbandes der Automobilindustrie. „Heute geht der Kunde mit einem Wunsch nach einem CNG-Fahrzeug in ein Autohaus, fährt aber trotzdem mit einem Diesel nach Hause."

Noch immer sprechen die Erdgaswagen vor allem die Pfennigfuchser unter den Kunden an. Doch die aktuellen  Modelle sind dank neuer Benzinmotoren mit Turboladern und Kompressoren viel flotter unterwegs als ihre Vorgänger und halten mit den Konkurrenten mit Benzin und Dieselantrieb locker mit. Das bestätigte jüngst Ende Mai das Fachblatt Autobild in einem größeren Vergleichstest.

Das sind die meistverkauften Erdgas-Modelle
Platz 10: Fiat FiorinoGerade einmal 3200 Erdgasautos wurden in den ersten sieben Monaten in Deutschland verkauft. Zum Vergleich: Im selben Zeitraum verkauften Händler 1,8 Millionen Fahrzeuge. Die Erdgas-Autos machen also gerade einmal 0,2 Prozent aller Neuwagen aus. Fiat bietet die meisten Modelle an, etwa den Fiat Fiorino der zwischen Januar 2011 und Juli diesen Jahres 161 Mal verkauft wurde.* Die Auswahl an Erdgas-Modellen ist bisher gering. Viele Autofahrer wissen aber auch noch zu wenig über die Vorteile von Erdgasfahrzeugen... * Quelle: Car Center of Automotive Research Quelle: Fiat
Platz 9: Fiat DobloAußer Fiat bieten Opel, Mercedes und Volkswagen Erdgasfahrzeuge an - das war es auf dem deutschen Markt aber auch. Zählt man alle Karosserievarianten zusammen gibt es derzeit in Deutschland 400 unterschiedliche Pkw-Modelle zu kaufen - nicht einmal 20 davon haben einen Erdgas-Tank. Der Fiat Doblo ist einer davon und hat 227 Käufer gefunden.* * Im Zeitraum 2011 bis 31. Juli 2012 Quelle: Fiat
Platz 8: Fiat PandaDer kleine Flitzer ist ebenfalls mit Erdgas-Antrieb zu haben. Zwischen 2011 und Juli 2012 verkauften die Italiener 325 Modelle. Die geringen Verkaufszahlen werden den Vorteilen des Erdgas-Autos nicht gerecht, denn die Treibstoffkosten sind um ein Vielfaches niedriger als bei den traditionellen Benzin- und Dieselfahrzeugen. Zum Vergleich: Der Energiegehalt von einem Kilogramm Erdgas entspricht 2 Liter Autogas (LPG), bzw. 1,5 Liter Benzin bzw. 1,3 Liter Diesel. Erdgas ist damit derzeit auch der preisgünstigste Kraftstoff mit etwa 0,60 Cent/Liter. Quelle: Reuters
Platz 7: Fiat PuntoDer Punto hatte in der Erdgas-Variante bisher den größten Erfolg aller Fiat-Fahrzeuge - wenn man bei den geringen Absätzen überhaupt von Erfolg sprechen möchten. 381 Mal fand er zwischen Januar 2011 und Juli 2012 einen Käufer. Wie alle Erdgasfahrzeuge stößt der Punto rund 75 Prozent weniger Kohlenmonoxid und 25 Prozent weniger Kohlendioxid aus - außerdem rund ein Fünftel weniger Kohlenwasserstoff und Stickoxide. Quelle: REUTERS
Platz 6: Mercedes E-KlasseEs ist das einzige Modell des Premium-Autobauers, dass es unter die Top Ten der meistverkauften Erdgasfahrzeuge schafft - mit gerade einmal 637 verkauften Modellen. Da ist die Marke mit dem Stern andere Dimensionen gewohnt. Auf dem Autosalon in Paris stellt Mercedes die neue B-Klasse 200 Natural Gas Drive vor. Im Erdgasbetrieb liegt der Verbrauch des 156 PS-starken Fünfsitzers bei lediglich 4,2 Kilogramm auf 100 Kilometer. Anfang 2013 soll er beim Händler stehen. Quelle: Mercedes
Platz 5: Zafira TourerDas Opel-Modell war 2011 noch nicht auf dem Markt, steigt 2012 mit bisher 224 verkauften Exemplaren vergleichsweise stark in den Markt ein. Zur Rettung des angeschlagenen Autobauers werden die homöopathischen Absätze jedoch kaum beitragen können. Bei der geringen Anzahl an verkauften Fahrzeugen wundert es nicht, dass auch das Tankstellennetz noch schlecht ausgebaut ist. Der ADAC zählt aktuell rund 900 Erdgastankstellen in Deutschland. Quelle: Opel
Platz 4: Opel ZafiraAls erster im Ranking knackt der Zafira die Tausendermarke. Mit 1196 verkauften Modellen liegt er auf Platz vier. Das erste erdgasbetriebene Fahrzeug entwickelte übrigens 1984 der schwedische Autobauer Volvo. Das mag ein Grund dafür sein, dass dieser Antriebstyp in Schweden schon deutlich verbreiteter ist als hierzulande. Auch in Italien und der Schweiz sind Erdgas-Fahrzeuge populärer. Quelle: Opel

Die Tester ließen Autos von VW, Seat, Fiat, Mercedes und Opel in einer Diesel, Erdgas- und Benzinvariante antreten. Am Ende waren selbst die Profis überrascht, dass vor allem der Seat Leon TGI und der VW Touran ihren Benzin- und Dieselvarianten überlegen waren: Im Fahrbetrieb ebenbürtig, bei den Kosten überlegen lautete das Fazit.  228 Kilometer schaffte der Seat mit zehn Euro, sein Dieselbruder schaffte 156 Kilometer und die Benzinvariante sogar nur 111 Kilometer.

Keine Frage: Erdgas ist ein Geschäft mit Zukunft. Zumindest für einige Jahrzehnte. Denn der Gaspreis koppelt sich vom steigenden Erdölpreis ab, weil die Fördermengen in vielen Ländern größer sind als angenommen. Ursache dafür sind neue Methoden der Gasförderung.

Verborgener Schatz

Beim höchst umstrittenen sogenannten Fracking pumpen Maschinen Wasser und Chemikalien unter Druck ins Schiefergestein, um das dort eingeschlossene Erdgas freizubekommen. Dass Erdgas überhaupt ein Thema für die US-Autoindustrie ist, liegt am Fracking. Die Folge des wachsenden Gasangebots: In den USA ist der Rohstoff mehr als ein Drittel billiger als in Europa.

Präsident Barack Obama hat das ehrgeizige Ziel gesetzt, die Vereinigten Staaten zum größten Energieproduzenten der Welt und zum Nettoexporteur von Gas zu machen.

Das hinterlässt selbst auf dem konservativen US-Automarkt Spuren, wo Diesel und Erdgasautos lange als unsexy galten: Ausgerechnet in der Spielerstadt Las Vegas wurde ein Erdgasrenner namens Maxximus LNG 2000 vorgestellt. Mit 1600 PS und einem Stückpreis von einer Million Dollar ist das Geschoss das wohl schnellste straßentaugliche Fahrzeug, das auch mit Erdgas betrieben werden kann.

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Der erste Käufer soll jüngst ausgerechnet ein texanischer Ölmillionär gewesen sein.

Bei der Chrysler-Tochter Dodge ist man stolz darauf, dass der große Pick-up Ram mit sechs Litern Hubraum und 360 PS Leistung bereits ab Werk mit Erdgasantrieb bestellt werden kann. Der Erdgaspreis ist selbst in den USA, wo Benzin vergleichsweise günstig ist, attraktiv: CNG kosten in den USA mit umgerechnet 1,50 Euro für die Gallone (knapp vier Liter) deutlich weniger als Benzin.

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