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Luxus-Autos Geschlossen gedrosselt: Bugatti Veyron Grand Sport

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Auch das Interieur des Bugatti macht auf harmonisch. Bis auf die Mittelkonsole aus geprägtem Edelstahl ist der Innenraum mit Kalbsleder verkleidet. Die Sitze sind fest, aber trotzdem bequem – wenn man erst mal sitzt. Beim Einsteigen muss ich – bei 1,86 Meter Körpergröße – tief in die Hocke gehen, mich in den Sitz fallen lassen, statt hineinzugleiten, und anschließend die Beine angewinkelt hineinschwenken. Zunächst leider auf den Beifahrersitz, eine Vorführrunde mit dem Profi ist Pflicht. Pierre-Henri startet, der Motor dröhnt angenehm, laut genug, um ihn wahrzunehmen, leise genug, um sich über die Verkehrsituation zu unterhalten.

Wir rollen aus der Hotelauffahrt, nach 500 Metern geht es auf eine mit Zypressen gesäumte Straße, vor uns eine Steigung. Ein Traum: Die Luft ist rein, kein anderer Wagen in Sicht. „Achtung“, sagt Henri noch, tritt voll aufs Gas, und ich halte mich vorsichtshalber am handgenähten Türgriff fest. Unnötig, ich werde in die zimtfarbene Sitzschale gedrückt, allenfalls vergleichbar mit der Beschleunigung einer Achterbahn wie der Kingda Ka in New Jersey, die einen binnen dreieinhalb Sekunden auf Tempo 206 katapultiert.

Kingda Ka fährt dann weiter. Pierre-Henri hingegen bremst. Der Sicherheitsgurt umarmt entschlossen meine Brust. Wir stehen auf der Bergkuppe. Ein Erlebnis schierer Gewalt in wenigen Sekunden. Momente später sausen wir über den Küstenhighway, aus dem Fahren wird Gleiten und Schweben. Ein Gefühl wie in einem Düsenjet, verstärkt durch das satte Surren des Motors im Rücken.

Von null auf 100 in 2,5 Sekunden

1001 Pferdestärken, 16 Zylinder, vier Turbos, sieben Vorwärtsgänge, bis zu 407 Kilometer pro Stunde schnell, von null auf 100 in 2,5 Sekunden, in weiteren 53,1 Sekunden bis zur Spitzengeschwindigkeit und in etwa zehn Sekunden zum Stopp. Pierre-Henri findet die Zeit, die wichtigsten Superlative aufzuzählen, das Getriebe schaltet auf Wunsch automatisch. Er zieht einen silberfarbenen Schlüssel aus seiner Jacke. Der ist notwendig, um den Veyron auf die volle Kraft der 1001 Pferdestärken vorzubereiten, ohne den schafft er nur 375 km/h. Ein Dreh mit dem Spezialschlüssel, und der Wagen senkt sich ab, bis er vorn nur noch 65 Millimeter und hinten 70 Millimeter über dem Boden liegt. Der Heckflügel stellt sich automatisch flach, um beim Bremsen nach oben zu schnellen, ähnlich wie ein Flugzeug seine Landeklappen ausfährt.

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    Für die vollen 407 Kilometer pro Stunde Spitzengeschwindigkeit bräuchten wir eigentlich eine überlange Landebahn. Einige Kunden, die das legal erleben möchten, begeben sich an den Rand von Hannover. Dort, auf dem Testgelände des Mutterkonzerns Volkswagen, geht es acht Kilometer schnurgrade geradeaus. Gefahren wird nur bei guter Sicht, die Strecke zuvor auf am Boden liegende Gegenstände untersucht. Mir bleibt nur, Pierre-Henri beim Einfädeln in den Straßenverkehr zu lauschen. „Es ist ein Gefühl, schwer zu beschreiben“, sagt Henri, der dort schon mit mehr als 400 Kilometer pro Stunde über den Asphalt gejagt ist. Es ist ein Kitzel, ein Rendezvous mit dem Risiko.Ferdinand Piëc

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