Markt Der Erdgas-Preis könnte sich halbieren

Der Erdgasmix wird sich in den nächsten Jahren drastisch verändern - die Folge könnte ein Preissturz sein.

In vielen europäischen Ländern wird das Erdgas knapp. Quelle: dpa

Eigentlich sind es schlechte Nachrichten für das Zeitalter der Gasmobilität. In vielen europäischen Ländern wird das Erdgas knapp - und das bei steigendem Verbrauch. Aktuell deckt Deutschland gerade einmal zehn Prozent seines Bedarfs aus eigenen Quellen. Und in etwas mehr als zehn Jahren sind die Vorräte ganz aufgebraucht, schätzt das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie in Hannover. Ein ähnliches Bild ergibt sich für andere europäische Staaten wie England und die Niederlande. Auch hier geht die Produktion zurück.

All das ist gleichzeitig aber eine enorme Chance für neue Technologien - und die Gasexporteure in aller Welt.

Zunächst sollen neue Pipelines die Lücken schließen. So baut der russische Energiegigant Gazprom, der größte Erdgasexporteur der Welt, derzeit eine South Stream genannte Leitung nach Westen. Die Rohre sind groß genug, um rund zehn Prozent des EU-Erdgasverbrauchs zu decken. Hinzu kommt künftig Gas aus dem Kaspischen Meer via Italien.

Flüssigerdgas aus Katar

Aber nicht nur Pipelines, so schätzen Experten wie Howard Rogers von der Oxford-Universität, bringen künftig vermehrt Erdgas nach Europa. Staaten wie Katar, Nigeria, Algerien und die USA werden mehr und mehr mit Flüssigerdgas (LNG) beladene Tankschiffe an die Küsten der EU schicken. Das auf minus 163 Grad Celsius gekühlte Gas lässt sich an Land wieder in seinen ursprünglichen Zustand zurückverwandeln. Derzeit sind in Europas Häfen 19 entsprechend ausgerüstete Anlagen in Betrieb - 30 weitere sind geplant oder im Bau. Eine LNG-Tankstelle für Schiffe soll auch in Hamburg entstehen.

Der Flüssigerdgas-Boom hat seinen Ursprung in den USA: Die Schiefergasvorkommen machen das Land von Importen weitgehend unabhängig. Die Folge: Gasexporteure suchen sich andere Abnehmer. Demnächst wollen sogar die USA selbst Gas in alle Welt verschiffen.

Der Preis könnte sich halbieren

Das hat Folgen: Im Extremfall lässt die Überkapazität an Flüssigerdgas die Einkaufspreise für Gas in Europa nach 2015 auf bis zu zwölf Euro pro Megawattstunde sinken, schätzen die Analysten von A.T. Kearney. Derzeit kostet Gas auf dem deutschen Markt das Doppelte.

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