Mobile World Congress Autohersteller erobern die Mobilfunkbranche

Ford hat auf dem Mobile World Congress seinen neuen Focus vorgestellt. Und auch Volvo hat in Barcelona eine Produkt-Neuerung im Gepäck. Wird die Mobilfunkmesse nun wichtiger als der Genfer Autosalon?

Auf dem MWC präsentiert der schwedische Autohersteller Volvo einen Zustellservice, bei dem im Internet bestellte Waren direkt in das eigene Auto geliefert werden. Quelle: Presse

Die Größen der Automobilbranche können mit dem Mobile World Congress in Barcelona noch nichts anfangen. Branchenkenner Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des Lehrstuhls für Automobilwirtschaft an der Universität Duisburg-Essen, hat noch nie von der Veranstaltung gehört und auch der Verband der Automobilindustrie (VDA) reagiert auf Anfragen eher irritiert. Dabei zieht es langsam aber sicher immer mehr Autobauer auf die Fachmesse. Schließlich finden immer mehr Technologien im Auto ihren Platz, die auf Mobilfunk basieren.

Mit einem kleinen Projekt präsentiert sich in diesem Jahr zum Beispiel Volvo. Nicht weniger als die Paketzustellung ins Auto will der schwedische Autobauer möglich machen. Hintergrund sind Probleme bei der Lieferung von Produkten, die im Netz bestellt wurden. 60 Prozent der Online-Käufer weltweit sollen angeblich regelmäßig ihr Paket gar nicht oder an die falsche Adresse geliefert bekommen. Hinzu kommen Beschwerden über lange Warteschlangen in Postzentralen oder zerstörte Pakete aus Packstationen. Nicht zustellbare Erstlieferungen sollen die Industrie angeblich eine Milliarde Euro im Jahr weltweit kosten.

Günstige Smartphones und schrille Gadgets
Oral-B Smart Series Neben Smartphones, Tablets und vernetzen Autos sticht auf dem Mobile World Congress 2014 ein Produkt besonders heraus. Es ist eine Zahnbürste. Oral-B stellt dort eine interaktive elektrische Zahnbürste vor. Die interaktive elektrische Zahnbürste nutzt Bluetooth 4.0-Technologie für die Verbindung mit der Oral-B App. Beim Zähneputzen bietet sie Pflegeanleitung in Echtzeit und speichert die Putzvorgänge, die als Diagramme für den Nutzer oder für den Zahnarzt angezeigt werden können. Damit ermöglicht sie eine intelligentere und individuellere Zahnpflegeroutine. Mit dieser Innovation lässt sich die individuelle Zahnpflege und damit letztlich das Ergebnis der Zahnarztbesuche kontrollieren. Quelle: Presse
Nokia X Das neue Gerät des finnischen Unternehmen soll die Lücke zwischen Lumia und Asha füllen: Alle drei Android-Smartphones kosten nur um die 100 Euro, das neue Gerät sogar nur 89 Euro. Es verfügt über einen fünf Zoll Bildschirm, wie auch eine Megapixel-Kamera mit fünf Megapixeln - ein Homescreen lässt sich personalisieren. Quelle: REUTERS
Samsung - Gear 2 NeoDiese Uhr informiert über eingegangene E-Mails und Kurznachrichten und ist mit Sensoren für Fitness-Funktionen versehen. Der Chip wurde zu einer Version mit zwei Rechenkernen und 1 Gigahertz Taktfrequenz aufgerüstet, die Speicherkapazität liegt bei 4 Gigabyte. Vorgestellt in Barcelona. Quelle: AP
Samsung Gear 2 und Gear FitEbenfalls neu im Samsung-Sortiment ist die Datenuhr Gear 2 und vor allem das Fitnessarmband Gear Fit. Das Gear Fit verfügt über einen gebogenen Display, so dass sich das Gadget gut an den Arm anschmiegt. Außerdem ist ein Schrittzähler, ein Pulsmesser und die Möglichkeit Musik und Nachrichten abzurufen integriert. Der Gesundheits-Tracker soll sich mit 20 unterschiedlichen Samsung-Smartphones kombinierbar sein. Quelle: AP
Huawei - MediaPad X1Das Gerät hat wie ein kleines Tablet einen Bildschirm mit 7-Zoll-Diagonale, man kann es aber auch wie ein Telefon nutzen. Es ist zugleich deutlich kompakter als andere Tablets mit ähnlicher Bildschirmgröße. Das Display nimmt 80 Prozent der Oberfläche ein, wie Huawei-Manager Richard Yu am Sonntag beim Mobile World Congress in Barcelona betonte - ein gleichzeitig dünnes und leistungsstarkes Gerät. Quelle: REUTERS
Firefox OSMozilla weitet seinen Vorstoß auf den Handymarkt mit dem mobilen Betriebssystem Firefox OS aus. Am Sonntag stellte die Stiftung auf dem Mobile World Congress in Barcelona gemeinsam mit Handyherstellern mehrere neue Geräte mit dem Firefox-Betriebssystem vor. Darunter ist auch zum ersten Mal ein Tablet. Gemeinsam mit der Deutschen Telekom arbeitet Mozilla an neuen Funktionen zum besseren Schutz der Privatsphäre der Handynutzer. Quelle: AP
TalkBand B1 Der chinesische Konzern Huawai stellte eine andere ungewöhnliche Kombination vor: Ein Headset, das sich zu einem Fitness-Armband umfunktionieren lässt. Das „TalkBand“ soll für 99 Euro auf den Markt kommen. Quelle: REUTERS

Der schwedische Automobilhersteller scheint für dieses Problem nun eine technische Lösung gefunden zu haben. Die Vision: Künftig sollen Autobesitzer beim Online-Shopping ihr Fahrzeug als Zustellort für die Bestellungen nutzen können. Dazu wird ein sogenannter digitaler Autoschlüssel erstellt. Wenn der Lieferdienst die Waren zustellt oder Rücksendungen abholen möchte, wird der Nutzer per Smartphone oder Tablet benachrichtigt. Dann kann er den Schlüssel per Klick für den Boten freigeben und das Auto öffnen und anschließend wieder schließen. Sobald der Bote seinen Dienst getan hat, wird der Schlüssel gelöscht.

Das neue System will Volvo auf dem Mobile World Congress erstmalig offiziell vorstellen. Es basiert auf der Telematik-App "Volvo On Call". Zu deren Funktionen gehört beispielsweise auch das Vorheizen oder Kühlen des Fahrzeugs per Smartphone-Steuerung. Auch den Tankfüllstand oder den Standort des geparkten Autos können sich Nutzer so schon länger anzeigen lassen. Die neue Zustelltechnik wurde bereits in einem Pilotprojekt mit hundert Teilnehmern getestet. 86 Prozent der Teilnehmer bestätigten, dass sie durch den flexiblen Service Zeit gespart hätten.

Die aktuellen Trends auf dem Mobile World Congress

Das ausgefallene Konzept ist nur eine von vielen Möglichkeiten, das mobile Internet auch im Auto verstärkt zu nutzen. Integrierte Navigations- und Infotainment-Systeme, die ständig online sind, sind inzwischen bei allen großen Automobilherstellern die Regel. Die Branchen wachsen zusammen. Die Marktforschungsfirma Gartner schätzt, dass zum Jahr 2020 mehr als 80 Prozent alle Neufahrzeuge in den etablierten Märkten vernetzte Geräte sein werden. Und bereits 2017 könnte jeder vierte Autobauer Geld mit im Fahrzeug abgeschlossenen E-Commerce-Geschäften machen.

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