Mobilität 2025 In Megacities entsteht der Verkehr der Zukunft

Autos werden gemietet statt gekauft und sind intelligent vernetzt – im Jahr 2025. Trendforscher Sven Gábor Jánszky erklärt, wie sich die Unternehmen an die Mobilität der Zukunft anpassen müssen.

Mobilität der Zukunft Quelle: Getty Images

WirtschaftsWoche: Viele Megacities wie Tokio, New York oder Rio stehen bereits heute kurz vor dem Verkehrsinfarkt. Wie kommen wir im Jahr 2025 zur Arbeit – immer noch in überfüllten Regionalzügen und den täglichen Staus?
Sven Gábor Jánszky: Fahren wir denn in Zukunft überhaupt noch in diesem Maße zur Arbeit in die Innenstädte? Wir Trendforscher glauben prognostizieren zu können, dass viele Menschen eben nicht mehr in die Innenstädte fahren werden, sondern in den Randgebieten und Speckgürteln bleiben und sich dort stunden- oder tageweise Büros mieten, um dort zu arbeiten. Das entzerrt natürlich den Stadtverkehr enorm.

Bei den Mobilitätssystemen geht der Trend ganz klar in Richtung vernetzter, abgestimmter und gesteuerter Verkehrsströme. Das heißt, dass Menschen sich nach wie vor bewegen und fahren, aber das Lenkrad nicht mehr selbst in der Hand haben. Die Gefährte bewegen sich aufeinander abgestimmt und werden so die Staus im Berufsverkehr vermindern. Die Höchstgeschwindigkeit wird sinken, die Durchschnittsgeschwindigkeit aber steigen – und man kommt so auch in Megacities ganz gut voran.

Zur Person

Das klingt ziemlich optimistisch. Wie sieht es denn im Jahr 2050 aus?
In Megacities wird sich viel ändern. Stellen Sie sich vor, die Googles dieser Welt stellen eine nennenswerte Flotte an ihren selbstfahrenden Kugeln, wie sie bereits heute gezeigt werden, in eine Stadt. Dann können Sie einfach per Handy eines dieser Autos ordern. Es fährt vor, Sie geben per Handy oder Spracherkennung die Adresse ein und los geht’s.

Sven Gábor Jánszky leitet den Thinktank

Also eine Art Carsharing?
Ich glaube, dass Google diese Autos nicht verkaufen will, das ergibt keinen Sinn. Das Angebot hat aber das Potenzial, Taxen, Busse und Bahnen in Megacities zu ersetzen.

Nur in Megacities?
Dort wird es anfangen, weil der Leidensdruck am größten ist. In kleineren Städten – wir reden hier von Berlin und kleiner – wird man zunächst weniger spüren. In den Mega-Metropolen ist es auch möglich, dass zum Beispiel eigene Trassen für E-Bikes errichtet werden – etwa als Brücke über der Straße. Das lohnt sich aber nur im ganz großen Maßstab.

Was sich 2015 ändern wird
MINDESTLOHN: Der allgemeine, flächendeckende Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde greift. Bei einer 40-Stunden-Woche entspricht das 1473 Euro brutto im Monat. Profitieren sollen rund 3,7 Millionen Beschäftigte im Niedriglohnsektor. Um Langzeitarbeitslosen den Job-Einstieg zu erleichtern, kann bei ihnen in den ersten sechs Monaten vom Mindestlohn abgewichen werden. Für Unter-18-Jährige ohne Berufsabschluss, Auszubildende und Menschen mit Pflichtpraktika oder Praktika unter drei Monaten gilt der Mindestlohn nicht. Quelle: dpa
PFLEGEMINDESTLOHN: Er steigt auf 9,40 Euro pro Stunde im Westen und 8,65 Euro im Osten. Bis 2017 soll er weiter wachsen. Quelle: dpa
NUMMERNSCHILDER: Autobesitzer dürfen ihr Kennzeichen bei Umzügen in ganz Deutschland mitnehmen. Die Pflicht zur „Umkennzeichnung“ für den neuen Zulassungsbezirk entfällt. Innerhalb einiger Länder gilt dies heute schon, flächendeckend greift die Regel dann aber erst ab dem 1. Januar. Der Tarif der Kfz-Versicherung richtet sich aber weiterhin nach dem aktuellen Wohnort. Quelle: dpa
RENTE: Der Rentenbeitragssatz sinkt von aktuell 18,9 Prozent auf 18,7 Prozent. Bis 2018 soll er unverändert bleiben. Quelle: dpa
HARTZ IV: Die Regelsätze für Empfänger von Hartz-IV-Leistungen steigen um gut zwei Prozent. Alleinstehende erhalten somit nun einen Betrag von 399 Euro und damit acht Euro mehr als bisher. Quelle: dpa
BERUFSKRANKHEITEN: Als solche werden nun auch Formen des „weißen Hautkrebses“ und andere Krankheiten anerkannt. Betroffene haben Anspruch auf Behandlung aus der gesetzlichen Unfallversicherung. Quelle: dpa
KRANKENKASSEN: Die gesetzlichen Krankenkassen können wieder über einen Teil der Beiträge selbst bestimmen. Dazu wird der bisherige Beitrag um 0,9 Punkte auf 14,6 Prozent gesenkt. Auf diesem Niveau ist es den Kassen möglich, einen Zusatzbeitrag zu erheben. Der dürfte im ersten Jahr im Durchschnitt 0,9 Prozentpunkte betragen, einzelne Kassen dürften aber deutlich darunter liegen. Erwartet wird allerdings, dass der Beitrag in den Folgejahren steigt. Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) verspricht sich mehr Wettbewerb unter den Kassen. Quelle: dpa

Wird sich der demografische Wandel in unserem Mobilitätsverhalten niederschlagen? Steigen ältere Menschen irgendwann in die öffentlichen Verkehrsmittel um oder bleiben sie dank selbstfahrender Autos mobil?
Es gibt in diesem Fall kein Schwarz und Weiß, aber ich halte das selbstfahrende Auto für den stärkeren Trend – auch wegen der Demografie. Ein selbstfahrendes Auto kann auch Menschen, die wegen ihres Alters kein Lenkrad mehr in die Hand nehmen sollten, sicher ans Ziel bringen. Ähnliches gilt in der demografischen Frage auch für das gerade genannte E-Bike: Menschen, die aufgrund ihrer körperlichen Konstitution kaum noch Fahrrad fahren können, fliegen plötzlich die Berge hoch. Das sind starke Treiber für die Vernetzung und die Elektromobilisierung.

In Ihrem Buch „2025 – So arbeiten wir in der Zukunft“ haben Sie sich mit dem Arbeitsmarkt auseinandergesetzt. Können Sie das Szenario kurz umreißen?
Im deutschsprachigen Raum führt die demografische Entwicklung in eine Situation, in der wir in den kommenden zehn Jahren rund 6,5 Millionen Menschen weniger im Arbeitsmarkt haben werden als heute. Der Grund ist einfach: Die Babyboomer gehen in Rente, die geburtenschwachen Jahrgänge kommen von unten nach. Das ist reine Statistik, dazu braucht man keinen Trendforscher.

Was bringt das Wirtschaftsjahr 2015?
MindestlohnVom 1. Januar an gilt in Deutschland ein allgemeiner, flächendeckender Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde, mit einer Übergangszeit bis 2017. Fest steht: manches wird teurer - Taxifahren zum Beispiel, oder der Gang zum Friseur. Quelle: dpa
TarifrundenWieviel Geld viele Arbeitnehmer im Portemonnaie haben, werden auch die Tarifverhandlungen 2015 zeigen. Allen voran für die rund 3,7 Millionen Beschäftigten der deutschen Metall- und Elektroindustrie. Die Gewerkschaft IG Metall fordert 5,5 Prozent mehr Geld, die Verhandlungen beginnen Mitte Januar. Bereits 2014 hatte es für Beschäftigte in vielen Branchen ein Plus auf dem Gehaltszettel gegeben. Quelle: dpa
EuroraumAm 1.1.2015 bekommt die Euro-Familie Nachwuchs: Litauen führt die Gemeinschaftswährung ein - der baltische Staat wird damit das 19. Euro-Mitgliedsland. In der Euro-Schuldenkrise hat es zuletzt wieder mehr Sorgen über Griechenland gegeben. Quelle: dpa
KonjunkturDie Risiken für die Wirtschaftsentwicklung bleiben bestehen. Vor allem der Konflikt mit Russland hänge wie ein „Damoklesschwert“ über der europäischen Wirtschaft, sagt EY-Experte Thomas Harms. DIW-Chef Marcel Fratzscher sieht sogar „enorme Risiken“ für die Konjunktur. Hauptgrund: die Euro-Schuldenkrise. Nachdem Wirtschaftsexperten ihre Wachstumsprognosen eingedampft hatten, verbreiteten sie zuletzt aber wieder mehr Optimismus. Das hängt vor allem mit dem fallenden Ölpreis zusammen. Das entlastet private Haushalte und kurbelt den Konsum an. Quelle: dpa
TTIPEs könnte ein Kürzel des Jahres werden: „TTIP“. Mit dem geplanten Handelsabkommen zwischen Europa und den USA sollen durch gemeinsame Standards und den Wegfall von Zöllen viele neue Jobs entstehen - so die Befürworter. Kritiker dagegen befürchten, europäische Standards könnten fallen und etwa Hormonfleisch nach Europa gelangen. Heftig umstritten ist auch der Investorenschutz: Schiedsgerichte, vor denen Konzerne Schadenersatz von Staaten einklagen könnten. Die Verhandlungen sollen bis Ende 2015 abgeschlossen werden. Quelle: dpa
EnergiepreiseEine gute Nachricht bekamen Millionen Kunden schon vor Weihnachten: nach Jahren steigender Stromrechnungen senken viele deutsche Stromversorger Anfang 2015 erstmals wieder die Preise. Vor dem Beginn der Heizperiode konnten sich die Verbraucher außerdem über stabile oder sinkende Preise für Gas und Heizöl freuen. Und das voraussichtlich weiterhin billige Öl freut die Verbraucher: Tanken und Heizen werden wohl auf absehbare Zeit günstig bleiben. Quelle: dpa
Schriftzug CarSharing Quelle: dpa

Wozu führt das?
40 Prozent aller Berufstätigen werden sogenannte Projektarbeiter sein. Sie sind keine Freiberufler, sondern fest bei Unternehmen angestellt – allerdings nicht auf Lebenszeit, sondern für die Dauer eines Projekts. Das können ein, zwei aber auch drei Jahre sein. Danach wechseln Sie zum nächsten Projekt – wahrscheinlich zu einem anderen Arbeitgeber.

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