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Mobilität So fährt das fahrerlose Auto

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Überholen in Baustellen

Überholen in Baustellen zum Beispiel. Apropos: Kann mein Roboterwagen auch Baustelle? Das sind überall auf der Welt die unfallträchtigsten Straßenabschnitte: eine Fülle von Verkehrszeichen, Autos, die ihre Geschwindigkeit abrupt verringern und Fahrbahnen, die sich auf zwei Meter schmale Engstellen verringern. Er kann es. Der Leaf navigiert mich sicher durch.

Langsam gewinne ich Vertrauen in die Technik. Ich ertappe mich dabei, wie ich anfange zu träumen. Jeden Abend fahre ich von Düsseldorf nach Bonn. Das ist eigentlich kein Vergnügen. Denn dazwischen liegt Köln. Und dort ist immer Stau – unglücklich gepaart mit unzähligen Dauerbaustellen. Selbst hauptamtliche Protagonisten der Freude am Fahren wie der BMW-Entwicklungsvorstand Herbert Diess räumen ein, dass es Fahrsituationen gibt, die keinen Spaß machen. Deshalb entwickeln Hersteller wie BMW, Mercedes und Bosch dafür Lösungen:

  • Zusammen mit Continental arbeiten die Bayern an einem Staupiloten.
  • Die neue Mercedes S-Klasse, die mit einem Staupiloten ausgestattet ist, darf aus rechtlichen Gründen nur bis zu einer Geschwindigkeit von zehn Kilometern pro Stunde die komplette Herrschaft über das Auto übernehmen. Bei höherem Tempo überwachen Sensoren die Umgebung und warnen den Fahrer, wenn er die Hände zu lange vom Lenkrad nimmt.
  • Der Autozulieferer Bosch bringt schon im nächsten Jahr einen Baustellenassistenten auf den Markt, der die gefährliche Fahrt durch enge Baustellen entschärfen soll.

Spannend finde ich eine Innovation, die Mercedes auf der IAA zeigen will: Die Stuttgarter demonstrieren mit einer S-Klasse, was technisch heute schon machbar ist. Gerüchten zufolge war die selbstfahrende Luxuslimousine bereits zu ausgiebigen Testfahrten auf baden-württembergischen Straßen unterwegs.

Immer mehr Technik für autonomes Fahren drängt in die neuesten Top-Modelle, und es ist nur eine Frage der Zeit, bis das Thema ein Massenphänomen wird.

Statt mich über Staus aufzuregen, könnte ich künftig lesen, Mails checken oder dösen – und dann zu Hause völlig entspannt mit meinem Sohn aufs Trampolin steigen. Oder ich könnte mich im selbstfahrenden Auto ins Theater fahren lassen und direkt vor dem Eingang aussteigen. Anschließend drücke ich den „Automatisch-Parken-Knopf“ auf meinem Smartphone – schon sucht sich das Gefährt ganz allein einen Parkplatz. Großartig.

Neben mehr Sicherheit und Komfort gibt es aber noch ein weiteres Ziel. Es geht darum, die individuelle Mobilität selbst zu retten: „Wir könnten die Kapazität der Straßen verdoppeln oder gar verdreifachen, wenn der Mensch nicht fährt“, sagt Sebastian Thrun, der für Google ein selbstfahrendes Auto entwickelt. Denn autonome Fahrzeuge könnten dichter auffahren, nachts besser sehen, schneller reagieren, effektiver bremsen und sich gegenseitig vor Unfällen, Glatteis und Regen warnen.

Aber zurück zum kalifornischen Militärgelände. Kreuzungen in Städten sind für selbstfahrende Autos immer noch große Herausforderungen: Parkende und fahrende Autos, Fußgänger, Radfahrer, Hindernisse – es ist das große Gewusel. Wir fahren darauf zu. Da könnte der Leaf scheitern, ist meine stille Hoffnung. Auf dem linken großen Bildschirm tauchen in schneller Folge blaue, rote, grüne Punkte und Rechtecke auf. Der Laser scannt die Umgebung und ordnet die Objekte, die er sieht. Der Leaf reduziert die Geschwindigkeit. Ich fürchte, er hat alles im Griff.

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