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Mobilität Warum Sie Erdgasautos kaufen sollten

Elektroautos kranken an hohen Kosten und technischen Unzulänglichkeiten. Erdgasfahrzeuge sind besser und billiger - aber unpopulär. Warum Autofahrer zugreifen sollten.

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Nun haben auch die Hersteller das Potenzial erkannt: Ob Opel, Fiat, Volkswagen, Suzuki oder Tata: Viele große Hersteller bringen neue Erdgasmodelle auf den Markt. Quelle: dpa

Taxifahrer lieben Dieselautos. Sie sind sparsam, billig im Unterhalt und halten ewig. Auch Dennis Klusmeier schwor auf diese Antriebstechnik. Doch vor sechs Jahren kam die alte Liebe ins Wanken. Denn Klusmeier fing an zu rechnen.

Die Stadtwerke Düsseldorf machten dem Chef der lokalen Taxigenossenschaft ein unwiderstehliches Angebot: 5000 Kilo Erdgas wollte ihm der Energieversorger schenken - was dem Energiegehalt von 6.500 Liter Diesel entspricht -, wenn er einen Teil seiner Flotte auf Gasantrieb umstellt.

Klusmeier, mehr kühler Rechner als heißblütiger Autonarr, kaufte daher als Test einige VW Touran und Opel Zafira mit Erdgasantrieb. Heute fahren 275 der fast 1.200 Autos mit Erdgas. Damit hält die Taxigenossenschaft Düsseldorf eine der größten Erdgasflotten in Deutschland, zudem eine eigene Tankstelle sowie eine Werkstatt für Gasfahrzeuge auf dem Betriebsgelände.

Die neuen Erdgasfahrzeuge
Fiat 500LZwei-Zylinder-Motor mit 80 PS Treibstoffkosten pro 100 Kilometer*: 4,45 Euro Preis: ca 19.000 Euro kommt Ende 2013 *kombinierter Kraftstoffverbrauch, 1,60 Euro pro Liter Superbenzin und 1,08 Euro pro Kilogramm Erdgas Quelle: dpa
VW Scirocco R-CupGegen das Pfennigfuchser-Image: Das Erdgasrennauto leistet mit Zwei-Liter-Turbomotor bis zu 285 PS Quelle: Presse
Skoda Octaviavermutlich 110 PS Treibstoffkosten pro 100 Kilometer*: 3,78 Euro Preis: steht noch nicht fest kommt im Frühjahr 2014 *kombinierter Kraftstoffverbrauch, 1,60 Euro pro Liter Superbenzin und 1,08 Euro pro Kilogramm Erdgas Quelle: Presse
VW eco up!Drei-Zylinder-Motor mit 68 PS Treibstoffkosten pro 100 Kilometer*: 3,13 Euro Preis: ab 12.9900 Euro *kombinierter Kraftstoffverbrauch, 1,60 Euro pro Liter Superbenzin und 1,08 Euro pro Kilogramm Erdgas Quelle: Presse
Mercedes B-Klasse 200 NGD156 PS Treibstoffkosten pro 100 Kilometer*: 4,64 Euro Preis: ab 32.368 Euro kommt Mitte 2013 *kombinierter Kraftstoffverbrauch, 1,60 Euro pro Liter Superbenzin und 1,08 Euro pro Kilogramm Erdgas Quelle: Presse
Audi A3 g-tronErstes Audi-Serienauto mit Erdgasantrieb 110 PS Treibstoffkosten pro 100 Kilometer*: 3,78 Euro Preis: ab 25.900 Euro kommt Ende 2013 *kombinierter Kraftstoffverbrauch, 1,60 Euro pro Liter Superbenzin und 1,08 Euro pro Kilogramm Erdgas Quelle: Presse

Das Wichtigste aber: Die Treibstoffkosten der Düsseldorfer Gasflotte sind um rund ein Drittel niedriger als bei Dieselautos. "Wer rechnen kann, fährt mit Gas", sagt Klusmeier.

Weltweit wächst die Zahl der Fahrzeuge mit Erdgasantrieb: 2000 waren gerade einmal 1,2 Millionen Gasautos auf den Straßen unterwegs. Vergangenes Jahr waren es über 16 Millionen. Und die Zahl steigt laut dem Branchenverband Natural & Bio Gas Vehicle Association jedes Jahr um 25 Prozent. Die stärksten Zuwächse beobachten Experten in Südamerika und Asien.

Die Gründe für den Boom sind vielfältig: Die Technik ist ausgereift, die notwendigen Änderungen sind im Vergleich zum Benzinantrieb gering: kaum mehr als Gastank und Steuerungselektronik sind nötig. Die Sicherheit der Druckgasbehälter gilt als genauso groß wie die der Benzintanks und der Aufpreis gegenüber einem konventionell angetriebenen Benziner ist auf etwa 2000 Euro geschrumpft. Zudem verbrennt Erdgas um bis zu 80 Prozent schadstoffärmer als Benzin und Diesel.

Vor allem aber kostet der gasförmige Kraftstoff an der Tankstelle nur etwa halb so viel wie Benzin.

Wie weit kommen die unterschiedlichen Antriebe mit 10 Euro?

Das liegt auch daran, dass der deutsche Fiskus für Erdgas nur 18 Cent Steuer je Kilogramm kassiert - bei Benzin fallen 65,5 Cent je Liter an. Derzeit prüfen Brüssel und Berlin, ob die Steuerbegünstigung, die 2018 endet, bis 2025 verlängert werden soll. Grundsätzlich signalisieren die Bürokraten aber, dass sie Erdgas als umweltfreundlichen Treibstoff für förderungswürdig halten. Eine Entscheidung wird aber wohl erst 2014 fallen.

Der Gasboom hatte nur ein Problem: Es gab zu wenig wirklich attraktive Fahrzeuge.

Doch nun haben die Hersteller das Potenzial erkannt. Ob Opel, Fiat, Volkswagen, Mercedes, Suzuki oder Tata: Viele großen Hersteller bringen neue Erdgasautos auf den Markt. Ende des Jahres wird selbst Audi mit dem A3 g-tron erstmals in seiner Geschichte mit einem für Erdgasbetrieb entwickelten Motor auf den Markt kommen.

Flottenverbrauch senken

Das sind die meistverkauften Erdgas-Modelle
Platz 10: Fiat FiorinoGerade einmal 3200 Erdgasautos wurden in den ersten sieben Monaten in Deutschland verkauft. Zum Vergleich: Im selben Zeitraum verkauften Händler 1,8 Millionen Fahrzeuge. Die Erdgas-Autos machen also gerade einmal 0,2 Prozent aller Neuwagen aus. Fiat bietet die meisten Modelle an, etwa den Fiat Fiorino der zwischen Januar 2011 und Juli diesen Jahres 161 Mal verkauft wurde.* Die Auswahl an Erdgas-Modellen ist bisher gering. Viele Autofahrer wissen aber auch noch zu wenig über die Vorteile von Erdgasfahrzeugen... * Quelle: Car Center of Automotive Research Quelle: Fiat
Platz 9: Fiat DobloAußer Fiat bieten Opel, Mercedes und Volkswagen Erdgasfahrzeuge an - das war es auf dem deutschen Markt aber auch. Zählt man alle Karosserievarianten zusammen gibt es derzeit in Deutschland 400 unterschiedliche Pkw-Modelle zu kaufen - nicht einmal 20 davon haben einen Erdgas-Tank. Der Fiat Doblo ist einer davon und hat 227 Käufer gefunden.* * Im Zeitraum 2011 bis 31. Juli 2012 Quelle: Fiat
Platz 8: Fiat PandaDer kleine Flitzer ist ebenfalls mit Erdgas-Antrieb zu haben. Zwischen 2011 und Juli 2012 verkauften die Italiener 325 Modelle. Die geringen Verkaufszahlen werden den Vorteilen des Erdgas-Autos nicht gerecht, denn die Treibstoffkosten sind um ein Vielfaches niedriger als bei den traditionellen Benzin- und Dieselfahrzeugen. Zum Vergleich: Der Energiegehalt von einem Kilogramm Erdgas entspricht 2 Liter Autogas (LPG), bzw. 1,5 Liter Benzin bzw. 1,3 Liter Diesel. Erdgas ist damit derzeit auch der preisgünstigste Kraftstoff mit etwa 0,60 Cent/Liter. Quelle: Reuters
Platz 7: Fiat PuntoDer Punto hatte in der Erdgas-Variante bisher den größten Erfolg aller Fiat-Fahrzeuge - wenn man bei den geringen Absätzen überhaupt von Erfolg sprechen möchten. 381 Mal fand er zwischen Januar 2011 und Juli 2012 einen Käufer. Wie alle Erdgasfahrzeuge stößt der Punto rund 75 Prozent weniger Kohlenmonoxid und 25 Prozent weniger Kohlendioxid aus - außerdem rund ein Fünftel weniger Kohlenwasserstoff und Stickoxide. Quelle: REUTERS
Platz 6: Mercedes E-KlasseEs ist das einzige Modell des Premium-Autobauers, dass es unter die Top Ten der meistverkauften Erdgasfahrzeuge schafft - mit gerade einmal 637 verkauften Modellen. Da ist die Marke mit dem Stern andere Dimensionen gewohnt. Auf dem Autosalon in Paris stellt Mercedes die neue B-Klasse 200 Natural Gas Drive vor. Im Erdgasbetrieb liegt der Verbrauch des 156 PS-starken Fünfsitzers bei lediglich 4,2 Kilogramm auf 100 Kilometer. Anfang 2013 soll er beim Händler stehen. Quelle: Mercedes
Platz 5: Zafira TourerDas Opel-Modell war 2011 noch nicht auf dem Markt, steigt 2012 mit bisher 224 verkauften Exemplaren vergleichsweise stark in den Markt ein. Zur Rettung des angeschlagenen Autobauers werden die homöopathischen Absätze jedoch kaum beitragen können. Bei der geringen Anzahl an verkauften Fahrzeugen wundert es nicht, dass auch das Tankstellennetz noch schlecht ausgebaut ist. Der ADAC zählt aktuell rund 900 Erdgastankstellen in Deutschland. Quelle: Opel
Platz 4: Opel ZafiraAls erster im Ranking knackt der Zafira die Tausendermarke. Mit 1196 verkauften Modellen liegt er auf Platz vier. Das erste erdgasbetriebene Fahrzeug entwickelte übrigens 1984 der schwedische Autobauer Volvo. Das mag ein Grund dafür sein, dass dieser Antriebstyp in Schweden schon deutlich verbreiteter ist als hierzulande. Auch in Italien und der Schweiz sind Erdgas-Fahrzeuge populärer. Quelle: Opel

Erdgas ist für viele Ingenieure die ideale Brückentechnik ins Zeitalter der Elektromobilität. Denn bis die Stromer alltagstauglich und für jedermann erschwinglich sind, bis Ladestationen an allen Tankstellen stehen und bis regenerativ erzeugter Strom in ausreichenden Mengen verfügbar ist, werden noch Jahre vergehen.

"Wir müssen das Thema Erdgas viel intensiver angehen", fordert deshalb der Chef des Volkswagen-Konzerns, Martin Winterkorn. Denn mit kaum einer anderen Antriebstechnik ließen sich die Flottenverbräuche mit so geringem technischem Aufwand senken.

Es ist ein Geschäft mit Zukunft. Zumindest für einige Jahrzehnte. Denn der Gaspreis koppelt sich vom steigenden Erdölpreis ab, weil die Fördermengen in vielen Ländern größer sind als angenommen. Ursache dafür sind neue Methoden der Gasförderung. Beim sogenannten Fracking pumpen Maschinen Wasser und Chemikalien unter Druck ins Gestein, um das dort eingeschlossene Erdgas freizubekommen. Die Folge des wachsenden Gasangebots: In den USA ist der Rohstoff mehr als ein Drittel billiger als in Europa.

Präsident Barack Obama hat das Ziel gesetzt, die Vereinigten Staaten zum größten Energieproduzenten der Welt und zum Nettoexporteur von Gas zu machen. Im Mai hat er deshalb die Genehmigung erteilt, im Bundesstaat Texas ein Terminal für Erdgas so umzurüsten, dass es ab 2017 keine Annahmestelle für Gaslieferungen aus dem Ausland mehr ist, sondern ein Export-Ventil für das in den USA produzierte Gas.

Wachsendes Angebot

Die Förderunternehmen könnten dann einen Teil des Energieschatzes auf minus 163 Grad Celsius herunterkühlen und als sogenanntes Liquified Natural Gas (LNG) per Schiff in alle Welt verkaufen.

Bald sollen zwei weitere Gasterminals genehmigt werden. Eines in Richmond im Bundesstaat Virginia, ein anderes im kalifornischen San Diego. Dann startet die große US-Erdgas-Exportoffensive. "Das ist ein großer Schritt hin zu einem Weltmarkt für Erdgas", sagt Heiko Kaiser, Produktmanager Erdgas beim Autozulieferer Bosch, der seit gut zehn Jahren auf Erdgas als Antrieb setzt. Die Folge des steigenden Angebots werden mittelfristig sinkende Preise sein.

Doch sinkende Preise allein reichen nicht, um das Gaszeitalter in der Automobilbranche beginnen zu lassen. Erst die wesentlich verbesserte Technik macht dieses neue Mobilitätszeitalter möglich.

Als Dieselmotoren Anfang der Neunzigerjahre serienmäßig mit Turbos aufgeladen wurden, war das ihr Durchbruch, weil sie schneller und sparsamer wurden.

Ähnliches geschieht nun bei Gasfahrzeugen. Ausgestattet mit doppelten Turboladern und komfortablerer Technik, werden sie zu Alternativen für jedermann, selbst für Autofahrer, die gern etwas sportlicher unterwegs sind.

Bessere Motoren

Die neuen Alternativen zum Diesel
Audi A3 Quelle: obs
Ford B-Max-Ecoboost Quelle: PR
BMW 3 Hybrid Quelle: PR
Kia Optima Hybrid Quelle: PR
Toyota Yaris Hybrid Quelle: PR
Mercedes B-Klasse 180 NGT Quelle: PR

Das Problem vieler Gasfahrzeuge war: Sie kamen an der Ampel nicht vom Fleck.

Das löst Volkswagen nun mit dem neuen VW Passat 1.4 TSI. Der Konzern hat dafür einen Abgasturbolader mit einem Kompressor kombiniert. Der Kompressor verdichtet beim Anfahren die Luft, um das Gasgemisch im Zylinder besser verbrennen zu können. Das ermöglicht eine bessere Beschleunigung beim Anfahren.

Der Abgasturbolader verrichtet einen ähnlichen Job - allerdings bei höheren Drehzahlen, was den Fahrzeugen mehr Dynamik bei höheren Geschwindigkeiten verleiht. Für die Verwendung von Erdgas ist das ideal, denn dadurch kann der Motor sowohl bei hoher wie niedriger Drehzahl mit guter Füllung und hoher Verdichtung und damit sparsam arbeiten.

Die weiterentwickelte Technik hat auch die Reichweiten der Fahrzeuge verbessert. Damit die Fahrer nicht liegen bleiben, wenn das Gas ausgeht, haben praktisch alle Fahrzeuge einen zusätzlichen Benzintank an Bord, auf den etwa der VW Passat oder die B-Klasse von Mercedes automatisch umschaltet. Mit einem solchen bivalenten Antrieb kommen Fahrzeuge dann locker auf Reichweiten um die 1000 Kilometer.

Damit Erdgasfahrzeuge ihr Image vom braven Wagen für Pfennigfuchser loswerden, hat sich VW eine ganz besondere Marketingmaßnahme einfallen lassen: Im Scirocco R-Cup, einer Rennserie, die der Konzern zusammen mit Gazprom als Sponsor im Programm der Deutschen Tourenwagen Meisterschaft austrägt, kommt ein neuer Zwei-Liter-Turbomotor zum Einsatz, der 285 PS leistet.

Rennfahrer wie der ehemalige Formel-1-Weltmeister Damon Hill sollen zeigen, dass Erdgasautos richtig schnell unterwegs sein können. Mit Turbo-Nachdruck soll der Gasantrieb das Image der schwerfälligen Spaßbremse abstreifen.

"Es ist schwer, zu verstehen, warum Erdgas auf wenig Akzeptanz stößt. Die Ursache liegt wahrscheinlich in der mangelnden Emotionalität", vermutete BMW-Entwicklungsvorstand Herbert Diess jüngst auf dem 34. Internationalen Wiener Motorensymposium.

Lediglich knapp 100.000 Erdgasfahrzeuge sind auf deutschen Straßen unterwegs - allerdings wurden im ersten Halbjahr 2013 mit 4.300 so viele zugelassen wie noch nie.

Die Alternative

Das zeigt, wie sehr Erdgasautos als Baustein der Mobilität von morgen unterschätzt wurden. In der öffentlichen Debatte spielen sie bis heute keine wirkliche Rolle. Dabei sind sie - im Gegensatz zu Elektroautos - schon jetzt verfügbar, technisch ausgereift und alltagstauglich, zudem: einigermaßen preiswert und auch für längere Strecken geeignet.

Die Stromer haben bei allen technischen Fortschritten noch immer große Schwächen: Ihre Reichweite ist mit maximal 200 Kilometern stark eingeschränkt, ihre Verfügbarkeit begrenzt - und ihr Preis macht sie zu Luxusartikeln: Der viersitzige E-Kompaktwagen Nissan Leaf etwa kostet rund 30.000 Euro. Und der neue BMW i3, der Ende des Jahres zu einem Basispreis von 35.000 Euro auf den Markt kommt, ist auch nicht gerade ein Schnäppchen.

Die ökonomisch bessere Wahl

Wie viel Sprit Ihr Auto wirklich schluckt
Erschütterndes TestergebnisVon den 91 geprüften Fahrzeugen lag der im Unterschied zu den Herstellerangaben festgestellte Mehrverbrauch bei 55 Wagen teils deutlich über der Marke von zehn Prozent. Diese Grenze muss laut herrschender Rechtsprechung überschritten werden, wenn der Autokaufvertrag erfolgreich angefochten werden soll. Voraussetzung dafür ist in aller Regel auch das Gutachten eines anerkannten Sachverständigen, der die besagte Verbrauchsdifferenz bestätigen muss. Die Bildergalerie zeigt die Testergebnisse ausgewählter Fahrzeuge: Die erste Ziffer gibt immer den Spritverbrauch laut Hersteller an. Die zweite den tatsächlichen Verbrauch im Rahmen des ACE-Tests. Quelle: dapd
Ford FocusFocus 1.6 Ti-VCT: Werksangabe: 6,6 Liter Super - ACE-Test: 7,9 Liter Focus 1.6 TDCi TREND: Werksangabe: 5,1 Liter Diesel - ACE-Test: 5,2 Liter Focus 2.0 TDCi: Werksangabe 4,9 Liter Diesel - ACE-Test 5,1 Liter Quelle: obs
Opel CorsaCorsa 1.7 CDTI Cosmo: Werksangabe: 4,8 Liter Diesel - ACE-Test: 5 Liter Quelle: obs
Audi Q3Q3 2.0 TDI Quattro S tronic: Werksverbrauch: 5,9 Liter Diesel - ACE-Test: 7,9 Liter Quelle: obs
Audi A4 A4 1.8 TFSI: Werksangabe: 7,1 Liter Super - ACE-Test: 8,1 Liter A4 2.7 TDI Avant Multitronic: 6,4 Liter Diesel - ACE-Test; 6,5 Liter Quelle: obs
Audi A6 AvantA6 Avant 2.0 TDI: Werksangabe: 5,8 Liter Diesel - ACE-Test: 6,7 Liter A6 Avant 3.0 TDI quattro: Werksangabe: 5,8 Liter Diesel - ACE-Test: 6,9 Liter Quelle: obs
Škoda RapidRapid 1.9 TDI: Werksangabe: 4,4 Liter Diesel - ACE-Test: 4,6 Liter Quelle: dpa

Für den gleichen Preis gibt es einen alltagstauglichen BMW der Dreier-Baureihe als Benziner mit 184 PS und einer Reichweite von über 600 Kilometern oder einen Erdgas-Passat von VW mit einer Reichweite von fast 1000 Kilometern.

Ein Erdgasauto ist also eigentlich die ökonomisch bessere Wahl. Aber: "Erdgas hat nicht den gleichen Neuigkeitswert wie die Elektromobilität", sagt Stephan Kohler, Chef der Deutschen Energie-Agentur (Dena). "Dabei ist es ein alltagstauglicher Energieträger."

Relativ leicht könnten die Autohersteller damit ihre Flottenverbräuche und den CO2-Ausstoß senken. Im Jahr 2012 lag der durchschnittliche Ausstoß aller deutschen Neuwagen noch bei 141,8 Gramm CO2 pro Kilometer. Bis 2020 möchte die EU-Kommission die CO2-Emissionen aller Autos auf durchschnittlich 95 Gramm senken.

Verborgener Schatz

VW-Chef Martin Winterkorn weiß, warum Erdgas dafür der "ideale Treibstoff" ist: Der Hauptbestandteil, das geruchlose brennbare Gas Methan, verbrennt in den Zylindern der Motoren nicht nur sauberer, sondern im Gegensatz zu Diesel auch praktisch ohne gesundheitsgefährliche Rußteilchen und Stickoxide.

Wie ernst Winterkorn den alternativen Antrieb nimmt, wird immer klarer. Nach und nach erobern Erdgasautos sämtliche Modellkategorien seines Konzerns: Der VW up mischt die Kleinwagenklasse mit 68 PS auf, der Audi g-tron mit seinen 110 PS die Mittelklasse, ebenso sein technikgleicher Bruder VW Golf und der Seat Leon.

Audi geht noch einen Schritt weiter und zeigt damit das Potenzial von Erdgas als umweltfreundlicher Energieträger: Im niedersächsischen Werlte betreibt Audi seit Neuestem eine Gasproduktion. In der Anlage wird aus Windkraft synthetisches Methan, sogenanntes E-Gas, hergestellt.

Zwar reichen die 1000 Tonnen Methan, die Audi pro Jahr in der Anlage produziert, nur für rund 1500 Fahrzeuge. Doch im Volkswagen-Konzern ist man von Erdgas und dem synthetisch erzeugten E-Gas überzeugt. Denn es ließe sich ebenso gut in das deutsche Gasnetz einspeisen und wäre damit flächendeckend verfügbar.

Zudem könne das Erdgasnetz große Mengen an Energie aufnehmen und wäre damit der ideale Zwischenspeicher für die Energiewende.

Leisere Lastwagen

Die Autobauer mit den innovativsten Antriebstechnologien
A Lexus hybrid engine Quelle: dpa
A model's leg hangs out of a Fiat Oubo at the Paris Motor Show Quelle: dpa
People visit the Renault showcase on media day at the Paris Mondial de l'Automobile Quelle: REUTERS
Minister for Industrial Recovery Arnaud Montebourg (C) and Chief Executive of French carmaker PSA Peugeot Citroen Philippe Varin (R), visit "La Francaise de Mecanique" Quelle: REUTERS
A worker cleans a Toyota Yaris car at the Wuhan Motor Show, Hubei province, Quelle: REUTERS
A Hyundai logo is seen on a Hyundai BlueOn electric car Quelle: REUTERS
The 2012 Ford Escape Quelle: dapd

Eine Energiewende könnte auch bei den Lastwagen anstehen. Bisher galt: Nichts geht über Diesel. Doch das scheint sich zu ändern. Verflüssigtes Erdgas ist in China und den USA bereits in Lkws im Einsatz. Die brauchen das gekühlte Erdgas, das weniger Raum einnimmt als herkömmliches Erdgas, um auf Reichweiten von 1000 Kilometern zu kommen.

Jetzt setzt auch Europa auf den Treibstoff. Die EU stellt im Rahmen des Förderprojekts "LNG Blue Corridors" acht Millionen Euro für den Bau von LNG-Tankstellen und Lkws mit Flüssigerdgastanks bereit.

Mit dabei sind die Lastwagenhersteller Iveco, Renault Trucks und Volvo Trucks.

Die Vorteile sind groß: Die Motoren sind kaum halb so laut. Zudem schaffen die LNG-Motoren ohne technische Änderung die strenge Euro-6-Abgasnorm, die ab 2014 gilt.

Abgasnormen und Verbrauch hat auch Daniel Akerson, Chef des amerikanischen Autoherstellers General Motors, bei seinen Modellen im Visier: zum Beispiel bei seinem Sportwagen Chevrolet Camaro mit mehr als sechs Liter Hubraum und 580 PS.

Akerson zählt wie viele Autofahrer zu den Liebhabern der dicken Brummer mit ihren großvolumigen Verbrennungsmotoren, schätzt deren Sound, Durchzug und seidenweichen Lauf.

Mobilität



Aber bei einem Verbrauch von mehr als 20 Liter Treibstoff pro 100 Kilometer kriegen auch Fans heftige Kopfschmerzen. Deshalb kursierten bereits überall Nachrichten vom Tod der dicken V8-Motoren. Aber das sei, beruhigt Akerson, "hochgradig übertrieben".

Seine Lösung: Erdgasantrieb in Verbindung mit Turboladern, Direkteinspritzung und Zylinder-Abschaltung. Das, verspricht Akerson, kann die Dinosaurier vor dem Aussterben retten.

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