Mobilität Wie gut Spritsparhilfen wirklich sind

Der September war der teuerste Tankmonat aller Zeiten. Um Autofahrern beim Sprit sparen zu helfen, gibt es ein neues, funkgestütztes Fahrtraining. Der Name: Harvey. Doch hält die Technik, was der Hersteller verspricht?

Wie Hersteller den Spritverbrauch frisieren
Modell: Audi A4 2.0 TDI Ambition (DPF) Leistung / Hubraum: 100 kw / 1.968 ccm CO2-Ausstoß: 112 Gramm/km Verbrauch im ADAC-Test: 4,9 Liter/100 km (am 28.02.2012) Herstellerangabe: 4,3 Liter/100 km Abweichung: 14 Prozent Quelle: PR
Modell: BMW 328i Luxury Line Automatic Leistung / Hubraum: 180 kw / 1.997 ccm CO2-Ausstoß: 112 Gramm/km Verbrauch im ADAC-Test: 7,1 Liter/100 km (am 28.02.2012) Herstellerangabe: 6,3 Liter/100 km Abweichung: 13 Prozent Quelle: PR
Modell: BMW X1 sDrive20d Efficient Dynamics Edition (DPF) Leistung / Hubraum: 120 kw / 1.995 ccm CO2-Ausstoß: 119 Gramm/km Verbrauch im ADAC-Test: 5,8 Liter/100 km (am 28.02.2012) Herstellerangabe: 4,5 Liter/100 km Abweichung: 29 Prozent Quelle: PR
Die einzige positive Überraschung unter den acht Modellen im ersten neuen EcoTest des ADAC: Ein geringerer Verbrauch als vom Hersteller angegeben! Modell: Mazda 3 1.6 Edition Leistung / Hubraum: 77 kw / 1.598 ccm CO2-Ausstoß: 147 Gramm/km Verbrauch im ADAC-Test: 6,3 Liter/100 km (am 28.02.2012) Herstellerangabe: 6,4 Liter/100 km Abweichung: -2 Prozent Quelle: PR
Modell: Mercedes B 180 CDI BlueEFFICIENCY 7G-DCT (DPF) Leistung / Hubraum: 80 kw / 1.796 ccm CO2-Ausstoß: 115 Gramm/km Verbrauch im ADAC-Test: 4,9 Liter/100 km (am 28.02.2012) Herstellerangabe: 4,4 Liter/100 km Abweichung: 11 Prozent Quelle: PR
Modell: Opel Zafira Tourer 2.0 CDTI ecoFlex Start&Stop Edition (DFP) Leistung / Hubraum: 96 kw / 1.956 ccm CO2-Ausstoß: 119 Gramm/km Verbrauch im ADAC-Test: 5,2 Liter/100 km (am 28.02.2012) Herstellerangabe: 4,5 Liter/100 km Abweichung: 16 Prozent Quelle: PR
Modell: Renault Fluence Z.E Expression Leistung / Hubraum: 70 kw / --- ccm CO2-Ausstoß: 112 Gramm/km Verbrauch im ADAC-Test: 25,7 Liter/100 km (am 28.02.2012) Herstellerangabe: 14 Liter/100 km Abweichung: 84 Prozent Quelle: PR
Modell: Volvo C30 electric Leistung / Hubraum: 82 kw / --- ccm CO2-Ausstoß: 0 Gramm/km Verbrauch im ADAC-Test: 28,3 kWh/100 km (am 28.02.2012) Herstellerangabe: 14,7 kWh/100 km Abweichung: 93 Prozent Quelle: PR

Harvey ist ziemlich schweigsam in letzter Zeit. Seit Tagen hat er sich nicht mehr gerührt. Das ist ein gutes Zeichen. Sonst nämlich nervt der zigarettenschachtelgroße Mikrocomputer unterm Armaturenbrett allzu oft mit penetrantem Piepsen. Denn die Elektronik meldet sich, wenn ich zu viel Sprit verbrauche.

Genau das aber will das IT-Beratungsunternehmen CGI Logica Vielfahrern wie mir mithilfe der kleinen Box neben dem Handschuhfach abgewöhnen. Und weil der kompakte Besserwisser so etwas ist wie mein digitales schlechtes Gewissen, habe ich ihn nach dem Hit der Rodgau Monotones benannt: mein Freund Harvey.

Der elektronische Co-Pilot ist Teil eines Dienstes, mit dem Logica den Verbrauch in Unternehmensfuhrparks senken will. „Im Durchschnitt schaffen wir rund zehn Prozent Reduktion“, sagt Norman Weiß. Er ist der Projektmanager des Spritspardienstes, den Logica unter der Bezeichnung Emission Monitoring (EMO) vermarktet. Je nach Zahl der installierten Systeme zahlen Unternehmen pro Fahrzeug im Monat 12 bis 18 Euro.

Mythos Autobahn
„Straße der Zukunft“: Nicht Adolf Hitler, sondern Konrad Adenauer war es, der vor genau 80 Jahren, am 6. August 1932, als Kölner Oberbürgermeister die erste „echte“ Autobahn Deutschlands in Betrieb nahm – die heutige A555. Keine Fußgänger, Radler oder Viehtransporter sollten auf den rund 25 Kilometern „Nur-Autostraße“ zwischen Köln und Bonn verkehren. Die Nationalsozialisten stuften die Strecke später zur „Landstraße“ herab – und machten sich so die Idee der Autobahn zu Eigen. Das Bild zeigt die erste Autobahnanschlussstelle Europas in Wesseling vor der Eröffnung (Archivfoto von 1932). Quelle: dpa
Historiker haben belegt, dass generell am Autobahnmythos der Nationalsozialisten („Straßen des Führers“) kaum etwas dran ist. Zwar wurden zwischen 1933 und 1942 rund 3860 Kilometer Autobahnen medienwirksam eröffnet. Die Planungen stammten aber bereits aus den 1920er Jahren. Die Nazis hätten es auch nicht geschafft, die versprochenen 600.000 Arbeitsplätze im Autobahnbau zu schaffen, schreiben Forscher. Mehr als 250.000 Menschen seien zu keinem Zeitpunkt beschäftigt gewesen. Das Archivbild des Landschaftsverbandes Rheinland zeigt die Feier zur Eröffnung von Europas erster Autobahn in Köln im August 1932. Quelle: dpa
Die älteste deutsche Autobahnmaut: Die Berliner Avus (Automobil-Verkehrs- und Übungs-Straße) gilt vielen als erste Autobahn, war mit ihren nur 10 Kilometern aber eher ein Autobahn-Prototyp und wurde als Rennstrecke genutzt. Erbaut wurde sie zwischen 1913 und 1921. Sie war aber die erste deutsche Maut-Autobahn: 10 Mark musste berappen, wer 1921 die holprige Strecke zurücklegen wollte. Eigentlich sollte die AVUS das Aushängeschild der deutschen Automobilindustrie werden. Doch kamen 1926 beim Großen Preis von Deutschland vier Rennfahrer ums Leben. Das Archivbild zeigt den Start der Formel-III-Fahrzeuge am 01.07.1951 - zum ersten Mal nach 13 Jahren fand wieder ein Rennen auf der Berliner Avus statt. Quelle: dpa
Bella Italia: Auch die Italiener wollten früh vorne mitfahren. Höchstpersönlich durchtrennte König Viktor Emanuel II. am 21. September 1921 das Band, das die einspurige Strecke zwischen Mailand und Varese für die wenigen Vehikel freigab. Eine Mautstelle nach heutigem Vorbild gab es noch nicht – die Gebühr wurde an einer Raststation am Straßenrand erhoben. Quelle: dpa
Spanier fahren länger: Das längste Autobahnnetz Europas hat im Jahr 2012 nicht etwa Deutschland. Mit 14.262 im Vergleich zu 12.819 Kilometern hängen die Spanier die Deutschen deutlich ab. Und das, obwohl Spaniens erste autopista, die auf rund 32 Kilometern an der katalonischen Küste von Barcelona nach Mataró führt, erst 1969 gebaut wurde. International hält Australien den Weltrekord. Rund 14.500 Kilometer misst der „National Highway“, der den gesamten Kontinent umrundet. Quelle: dpa
Schneller geht’s immer: Für viele Autofans in ganz Europa ist Deutschland das Paradies des schnellen Fahrens – auf Autobahnen gilt oft nur Richtgeschwindigkeit, kein offizielles Tempolimit. Doch sind die Deutschen nicht allein: Auch in Afghanistan, Bhutan, Burundi, Haiti, Libanon, Mauretanien, Myanmar, Nepal, Nordkorea, Somalia, dem indischen Bundesstaat Uttar Pradesh und auf der Südseeinsel Vanuatu darf gerast werden. Quelle: dpa
Kulturgut Autobahn: Ein heiteres Denkmal setzte die Düsseldorfer Elektronik-Band „Kraftwerk“ den Autobahnen 1974. Auf dem Album „Autobahn“ machte der Titelsong Furore - gekürzt sogar bis in die US-Hitparade. Der Refrain „Wir fahr'n fahr'n fahr'n auf der Autobahn“ hatte nicht nur Blödel-Potenzial. Er drückte auch das aus, was sich bei langen Autobahnfahrten einstellen kann: Langeweile und Monotonie.
Um das enorme Straßennetz der Bundesrepublik intakt zu halten, sind Baustellen ein notwendiges Übel. Ärgerlich aber, wenn die Autobahn komplett gesperrt ist: Derzeit zählt die Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung 112 Vollsperrungen. Quelle: dpa
Autodeutschland in Zahlen: Die Abwrackprämie zeigte Wirkung. Im Jahr 2009 haben die Deutschen fast drei Millionen PKW neu zugelassen – etwa 800.000 mehr als Franzosen oder Italiener. Fast jeder zweite Deutsche hat statistisch gerechnet ein Auto: Im Jahr 2011 waren 41.951.043 Fahrzeuge registriert. Quelle: dpa

Ob sich das rechnet und die Technik hält, was Weiß verspricht, will ich ausprobieren. Schließlich lockt die Spritdiät in Zeiten, in denen der Preis für Supertreibstoff schmerzhaft an der 1,70-Euro-Marke kratzt, nicht nur Manager von Firmenfuhrparks. Angesichts der gut 40 Kilometer zwischen Wohn- und Arbeitsort hofft auch ein Berufspendler wie ich auf die Wirkung der elektronischen Verkehrserziehung.

Zunächst aber merke ich nichts, nachdem EMO-Manager Weiß im Februar das Analysemodul im Fußraum meines Renault montiert hat. Über den genormten On-Board-Diagnose-Stecker moderner Autos mit der Motorsteuerung verbunden, protokolliert das Logica-Modul mein Fahrverhalten. Der Mobilfunkchip in der Box überträgt Verbrauch, Beschleunigungs- und Bremsverhalten sowie Leerlaufzeiten des Motors ins Logica-Rechenzentrum.

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