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Neue Anbieter auf dem Markt Wer vom Carsharing-Boom profitieren will

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Junge Leute im Kaufstreik

Ein vergleichbares Carsharing-Konzept unter dem Namen „Audi unite“ bietet der Autohersteller aus Ingolstadt an, allerdings vorerst nur in Schweden. Bis zu fünf Personen können sich für ein oder zwei Jahre ein Auto teilen – vom kleinen A1 bis zum Supersportwagen R8.

Die Nutzer organisieren sich über das Smartphone. Per App kann jeder das Fahrzeug reservieren und feststellen, wo das Auto steht – und wie viel Benzin noch im Tank ist. Die Audi-Art des Teilens kostet monatlich pro Person je nach Modell zwischen 160 und 970 Euro.

Der Betrag schließt Steuern, Versicherung, Service, monatliche Reinigung und Reifenwechsel ein. Audi-Chef Rupert Stadler hofft: „So generieren wir komplett neue Zielgruppen für bestimmte Produktgattungen.“ Ähnliches plant auch Opel für die eigene Kundschaft.

Angesichts der vielen neuen Angebote reagieren nun auch die etablierten Firmen. Daimlers Car2Go und DriveNow von BMW erlauben ab sofort, mit den Autos aus der Flotte von Köln ins etwa 40 Kilometer entfernte Düsseldorf zu fahren.

Interessant ist das vor allem für Pendler im Rheinland, die das Gefährt dann in der Nachbarstadt stehen lassen können. Bislang war der Fuhrpark von Car2Go mit den zweisitzigen Smarts – auch elektrischen – auf Stadtfahrten ausgerichtet. In Berlin und Hamburg wird Car2Go nun auch größere B-Klasse-Modelle von Mercedes anbieten, um langstreckentauglich zu werden.

Junge Großstädter verlieren die Lust am eigenen Auto

Daimler und die Deutsche Bahn wollen zudem ihre Dienste spätestens Anfang 2015 verknüpfen – sobald bei beiden Anbietern die Miete und das Öffnen der Autos per Smartphone funktioniert. Egal, ob Flinkster oder Car2Go, die eigenen Kunden können dann auch beim Kooperationspartner ins Auto steigen.

Die beiden Firmen sind dann mit mehr als 6600 Fahrzeugen in fast allen größeren deutschen Städten vertreten. Von einer solchen Flotte können andere nur träumen. Denn neben den großen tummeln sich viele kleine Anbieter auf dem Markt, etwa Töchter von Stadtwerken wie flow>k, dem neuen Carsharing-Angebot für Osnabrück, das Car2Go zum Verwechseln ähnelt.

Die Gründe, warum das Carsharing-Angebot so stark wächst, sind vielfältig: Vor allem in Großstädten verlieren junge Menschen offenbar die Lust am Auto. Das Kraftfahrtbundesamt registriert beispielsweise immer weniger Neuwagenkäufer im Alter von 18 bis 29 Jahren.

1999 leisteten sich noch mehr als 14 Prozent dieser Bevölkerungsgruppe ein neues Fahrzeug, 2009 waren es nur noch sieben Prozent, im Jahr 2013 stagniert die Zahl bei 6,6 Prozent. Die Vertreter des IT-Branchenverbands Bitkom glauben, dass die Altersgruppe sich ein Leben ohne Internet und Handy nicht mehr vorstellen kann – eines ohne Auto sehr wohl.

Schließlich steht ein Pkw im Schnitt pro Tag mehr als 23 Stunden am Straßenrand herum, er muss in die Werkstatt, kostet Versicherung und braucht neue Reifen. Das schicke Smartphone aber ist immer zum Angeben mit dabei.

Die erfolgreichsten Städte im Carsharing

Einen weiteren Trend sieht Andreas Huber, Geschäftsführer der deutschen Abteilung des Club of Rome: „Unsere Statussymbole wandeln sich: weg vom Besitzen hin zur Freiheit des Benutzens.“ Er hofft daher, dass „wir ganz einfach weniger konsumieren“, weil es nicht mehr wichtig sei, etwas wie ein Auto zu besitzen, solange wir Zugriff auf ein Fahrzeug haben.

Aus dieser Haltung ist die Carsharing-Idee ursprünglich entstanden. Sie nahm in den Achtzigerjahren in Deutschland richtig Fahrt auf. Ein geteiltes Auto ersetzt, so hat der Bundesverband Carsharing ermittelt, immerhin bis zu zehn Autos. Doch es ist das Verdienst von Car2Go, dem Pionier des flexiblen Autoteilens, das Carsharing aus der Ökoecke, der Nische für Weltverbesserer, herausgeholt und für ein breiteres Publikum attraktiv gemacht zu haben.

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