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New York Autoshow Schaulaufen der Premium-Marken

Besucherrekorde, viele neue Modelle, selbst Warren Buffett kommt: Die New York Autoshow mausert sich zu einer wichtigen Automesse vor allem für Premiumhersteller. Ab Freitag ist die Messe für Besucher geöffnet.

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Porsche präsentiert in New York den neuen Boxster Spyder. Quelle: Reuters

New York Es gibt vieles, was einem an der New Yorker Automesse stört. Das Jacobs Javits Konferenzzentrum ist nicht nur alt und hässlich, es liegt auch weit entfernt von jeder U-Bahnstation. Der Zeitpunkt ist eine Qual, anders als andere Ausstellungen eröffnet sie nie zum gleichen Termin, sondern schwankt mit Ostern: Immer am Karfreitag oder „Good Friday“ geht die „New York International Auto Show“ los.

Das ist für Hersteller manchmal nicht einfach zu planen, beispielsweise liegt sie dieses Jahr kurz nach der Hauptversammlung von Daimler. Aber bei allen Nachteilen: Die Messe wird mit den boomenden US-Automarkt immer wichtiger.

New York zieht mit einer Million Besuchern deutlich mehr an als beispielsweise zum Jahresanfang die Messe in Detroit, die nur auf etwas mehr als 800.000 kommt. Auch ist die Region für Premiumhersteller von großer Bedeutung. In der Region wohnen zahlungskräftige Kunden, die an Wall Street oder in der Werbebranche arbeiten. Ein Grund, warum die Edelmarke Cadillac im Sommer ihren Sitz in die Stadt verlegt. „New York ist der größte Luxusmarkt in den USA“, sagt Stephanie Brinley, Analystin von IHS Automotive.

Einer der berühmtesten Besucher in diesem Jahr ist Warren Buffett. Der Milliardär investierte im großen Stil in der Branche, besitzt rund drei Prozent an General Motors und kaufte vor kurzem 78 Autohändler von verschiedenen Marken. „Das ist ein gutes und profitables Geschäft“, sagte Buffett auf einer Fachkonferenz am Rande der Autoshow. „Ich will in den nächsten Jahren noch mehr kaufen“.

Dieses Jahr zeigen die Hersteller deutlich mehr neue Modelle als sonst. Porsche präsentiert den neuen Boxer Spyder, Mercedes den neuen Geländewagen GLE, Cadillac die neue Luxuslimousine CT6, Chevrolet die Mittelklasse-Limousine Malibu. „Normalerweise werden nur einen Handvoll weltweit neuer Modelle gezeigt“, sagt Akshay Anand, Analyst von Branchendienst Kelley Blue Book. „Doch diesmal sind es 10 bis 15“.

Der Grund für die Aufwertung New Yorks liegt nicht zuletzt im boomenden US-Automarkt. Nach Prognose der US-Autohändlervereinigung Nada kaufen Amerikaner in diesem Jahr 16,9 Millionen Fahrzeuge, so viele wie seit einem Jahrzehnt nicht mehr. Der Nachholbedarf ist groß, das Durchschnittsalter der US-Autos liegt bei zehn Jahren.

Auch wächst die Wirtschaft, die Arbeitslosigkeit sinkt, die Menschen haben wieder Geld auf dem Konto. Seit Monaten fallen die Benzinpreise, was Geländewagen und Pickups attraktiver macht. Die Benzinschlucker werden laut Nada in diesem Jahr 56 Prozent aller verkauften Fahrzeuge in den USA ausmachen, ein paar Prozentpunkte mehr als noch im Vorjahr.


Mercedes auf der Erfolgswelle

New York ist im Gegensatz zu Detroit mehr eine Konsumentenmesse: Es werden nicht nur neue Modelle und Technik gezeigt, sondern auch tatsächlich verkauft. Auch ist die Messe die letzte Chance für Hersteller, Fahrzeuge in den USA zu präsentieren, die noch in diesem Jahr auf den Markt kommen. Der nächste Termin wäre erst wieder im November zur Automesse in Los Angeles.

Der neue Boxster Spyder von Porsche kommt im August auf den Markt. Die VW-Edelmarke präsentierte den neuen 375 PS starken Flitzer in der Nähe des Trendviertels Meat Packing Districts. Die Marke mietete eigens die Industria Superstudios, wo sonst Modeschauen abgehalten oder Girl-Star Lena Dunham für das den Titel des New York Times Magazins fotografiert wurde.

„New York pulsiert, Meatpacking District ist der hottest place of town “, sagt Bernhard Maier, Vertriebsvorstand von Porsche. „Wir präsentieren immer mehr Weltpremieren in den USA, unseren größten Absatzmarkt“.

Porsche investiert in Amerika. Für zwei „Drive-Experience-Center“ in Atlanta – wo auch ein neuer US-Hauptsitz entsteht – und Los Angeles gaben die Stuttgarter 140 Millionen Dollar aus – die größte Investition von Porsche außerhalb Deutschlands. Kunden können dort ihre Autos abholen und sie auf verschiedenen Teststrecken fahren.

Im vergangenen Jahr verkaufte Porsche in den USA 47.500 Fahrzeuge, rund elf Prozent mehr als im Vorjahr. So soll es laut Maier weitergehen: „In den USA erwarten wir 2015 wieder einen deutlichen Zuwachs“, die 50.000er-Marke soll geknackt werden.

Neonleuchten, Zementboden, Ziegelsteinwände: Auch Mercedes suchte nur ein paar Blocks weiter die Coolness und Industriecharme in den Highlines Stages, einem denkmalgeschützten Fabrikhaus auf der 15th Straße. Der auf dem ML basierende neue Geländewagen GLE ist ein wichtiges Fahrzeug für die Stuttgarter. Seit einiger Zeit weiten sie mit großem Erfolg ihr Portfolio im gehobenen SUV-Segment aus.

„Der GLE wird in den USA gebaut, am meisten verkauft und daher macht es Sinn, ihn auch hier als neues Modell zu präsentieren “, sagt Natanael Sijanta, bei Daimler Direktor für Markenkommunikation.

Mercedes reitet eine Erfolgswelle in Amerika, nicht zuletzt aufgrund ihrer zahlreichen Geländewagen. Die sogenannten „Luxus-SUV“ werden bei Amerikanern immer beliebter. Sie kamen 2002 insgesamt laut Branchendienst Edmunds.com auf einen Marktanteil von 2,2 Prozent, der 2014 bei fünf Prozent liegt und in diesem Jahr auf 5,3 Prozent anwächst. Den Boom nutzte Mercedes und weitete seinen Marktanteil 2004 von 12,3 auf derzeit knapp 36 Prozent aus.

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