Nutzfahrzeuge Hybridantrieb soll Lkw beim Spritsparen helfen

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Aerodynamischer Lkw von MAN Quelle: MAN Nutzfahrzeuge AG

Ebenso wichtig wie die Ökonomie ist für die Lkw-Hersteller derzeit das Thema Verkehrssicherheit. Kein Wunder: Nahezu täglich ist irgendwo in Deutschland eine Autobahn stundenlang gesperrt, weil ein Lastzug in ein Stauende raste oder in einer Kurve umstürzte. Die EU-Kommission hat ausgerechnet, dass der europäischen Volkswirtschaft durch die Unfälle jedes Jahr ein Schaden von rund 370 Millionen Euro entsteht. Zudem kämen 1000 Menschen jährlich weniger im Straßenverkehr um, wenn alle Nutzfahrzeuge mit Abstandsreglern, Spurassistenten und elektronischen Stabilitätsprogrammen (ESP) ausgerüstet wären.

Nach Erkenntnissen der Mercedes-Entwicklungsingenieure sind rund die Hälfte der schweren Lkw-Unfälle bei entsprechender Technik-Ausstattung vermeidbar. Die Stuttgarter berufen sich dabei auf ihre Erfahrungen aus einem Flottenversuch aus dem Jahr 2006. Damals waren 1000 Actros-Sattelzugmaschinen auf die Piste geschickt worden – die Hälfte davon mit einer speziellen Sicherheitsausrüstung an Bord. Das Resultat fiel nach zwölf Monaten Testdauer und rund 106 Millionen Kilometern Fahrstrecke eindeutig aus: Die Zugmaschinen mit Sicherheitstechnik waren nur halb so oft in Unfälle verwickelt. Und wenn es doch einmal krachte, ging es meist relativ glimpflich ab. Die Schadenssumme fiel im Schnitt um 90 Prozent niedriger aus als sonst.

EU-Kommission sieht sich zum Handeln gezwungen

Die EU-Kommission sieht sich angesichts solcher Zahlen zum Handeln gezwungen. Ab 2013 sollen Schleuderschutz, Spurhalte-Technik und Abstandsregelautomaten Pflichtausstattung sein. Druck auf Industrie und Transporteure üben aber schon heute Kunden wie Shell und BP/Aral aus. Nur wer Tanklastwagen mit ESP ausrüstet, erhält noch Aufträge der Mineralölkonzerne. Das erhöhte Sicherheitsbewusstsein der Auftraggeber zeigt Wirkung: Rund die Hälfte der Neufahrzeuge werden bei MAN oder Daimler mittlerweile mit ESP bestellt.

Albrecht Haase, Vertriebsleiter der Gefa-Leasing, bestätigt die steigende Nachfrage nach Lastwagen mit effizienten Motoren und besserer Sicherheitsausstattung. Die Wuppertaler vermieten jedes Jahr rund 10.000 Lkws und 1000 Omnibusse und gehören damit europaweit zu den größten Abnehmern von Nutzfahrzeugen. „Wir registrieren ein wachsendes Kostenbewusstsein, das durch die geplante Mauterhöhung sicher noch verschärft wird“, berichtet Haase. Doch es gibt Grenzen: „Die Mehrkosten für Abstandswarner und Spurhalteassistenten sind vielen Transporteuren zu hoch.“

MAN-Technik-Vorstand Schaller hat noch einen Vorschlag, um den Verbrauch deutlich zu senken und zugleich die Sicherheit auf den Fernstraßen zu erhöhen: Er möchte den Lastwagen ein windschnittiges Design verpassen, das sich an den Formen der Natur orientiert – der Designer Luigi Colani hatte den Prototypen eines solchen Lasters schon 1977 auf der IAA präsentiert. „Die Fahrzeuge“, beklagt Schaller heute, „haben immer noch einen Luftwiderstand wie rollende Ziegelsteine.“ Um die fließenden Formen realisieren zu können, ohne die Nutzlast einzuschränken, müsste der Auflieger allerdings um 1, 5 Meter und das Führerhaus um 70 Zentimeter verlängert werden. Der Luftwiderstands-Beiwert würde durch die neue Formgebung von 0,56 auf 0,3 sinken. Das brächte gleich doppelten Nutzen: Der Spritverbrauch würde sich um ein Viertel reduzieren und das Führerhaus besäße endlich eine Knautschzone, um bei einem Zusammenstoß Lkw-Lenker und Unfallgegner besser zu schützen.

Um die Idee umsetzen zu können, müsste allerdings die Straßenverkehrs-Zulassungsordnung geändert werden: In Deutschland dürfen Sattelzüge derzeit nur maximal 16,50 Meter lang sein.

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