Podcast High Voltage Solarauto-Hersteller Sono Motors: Jetzt einsteigen zum Schnäppchenpreis?

Quelle: PR

Sono Motors stand mehrmals fast vor dem Aus. Im November schaffte es das Start-up an die Börse, seitdem sinkt der Aktienkurs. Ist jetzt der Zeitpunkt zum Einstieg? Oder wird das Solarauto zum Flop?

  • Teilen per:
  • Teilen per:


Am Nachmittag des 17. Novembers steigt im Münchner Hauptquartier von Sono Motors die Spannung. Wenn in New York der Handelstag beginnt, steht für das Start-up die Nagelprobe an: Der junge E-Auto-Bauer wird zum ersten Mal an der Technologiebörse Nasdaq gelistet sein. Nach der „Bell Ringing Ceremony“ wird sich zeigen, was der Markt von den grünen Visionen der Gründer Laurin Hahn, Navina Pernsteiner und Jona Christians hält.

Niemand von Sono Motors ist an diesem wichtigen Tag in New York. Die Führungskräfte und einige Mitarbeiter aus dem Team verfolgen den Handelsstart – ganz Corona-, Kosten- und Klima-konform – per Video-Schaltung im Showroom der Firma von München aus. Was sie auf dem großen Monitor sehen, hätten sie wohl nicht zu träumen gewagt: Die für 15 Dollar platzierte Aktie klettert schnell über 25 Dollar und steht am Ende des ersten Handelstags bei 38 Dollar.

Und heute? Die Aktie ist noch rund sechs Dollar wert (Stand: 24. Januar). Seit dem Börsenstart geht es mit dem Papier stetig bergab. Was ist mit der Aktie los? Verlieren die Anleger nach dem makellosen Start schon wieder das Vertrauen in das Unternehmen?

Es sei aktuell „ein schwieriges Marktumfeld“ für ein Unternehmen wie Sono Motors, sagt Torsten Kiedel, Finanzvorstand des Unternehmens, im WirtschaftsWoche-Podcast High Voltage. Die Corona-Pandemie und steigende Zinsen setzten derzeit auch anderen Autofirmen und E-Auto-Start-ups an der Börse zu, so Kiedel.

Das Marktumfeld mag einen Teil der Verluste erklären – aber sicherlich nicht den Absturz von 38 auf 6 Dollar. Sicherlich sind die Anleger in den vergangenen Wochen nervöser geworden, was einen Börsenneuling überproportional treffen kann. Außerdem setzt sich an den Börsen zunehmend die Erkenntnis durch, dass es neue E-Auto-Start-ups ungleich schwerer haben werden als Tesla. Der E-Auto-Pionier konnte so durchstarten, eben weil er ein Pionier war. Seit es weltweit Dutzende vielversprechende E-Auto-Start-ups gibt und auch die etablierten Hersteller mit großen Schritten bei Elektroautos aufholen, ist es für Neulinge ungleich schwerer geworden, technisch und wirtschaftlich mitzuhalten.

Aber es dürfte auch ganz spezielle Vorbehalte gegenüber Sono Motors geben. Dass die Münchner trotz Börsengang, der ihnen 135 Millionen Dollar in die Kassen spülte, einen weiteren Kapitalbedarf von 200 Millionen Euro ankündigten, wirkte sicherlich nicht vertrauensbildend. Sono-Mitgründer Jona Christians begründet das im Podcast High Voltage so: Zum Ende des ersten Halbjahres werde Sono Motors eine neue „Generation von Test- und Validierungsfahrzeugen“ öffentlich vorstellen. Diese Autos seien sehr nah am Serienmodell, enthielten größtenteils Serienkomponenten und würden auch für Crashtests verwendet. „Das beim Börsengang erwirtschaftete Kapital dient der Fertigstellung dieser Testwagenflotte vor dem Start der Serienproduktion“, sagt Christians. Die zusätzlichen 200 Millionen Euro würden für den Aufbau der Serienproduktion verwendet, sagt der Vorstandschef – und verspricht: „Die Serienproduktion beginnt nach heutiger Planung im ersten Halbjahr 2023.“

Die Serienproduktion soll in einer früheren Saab-Fabrik stattfinden. Da sie zur Auto-Sparte des schwer angeschlagenen, chinesischen Immobilienkonzerns Evergrande gehört, tun sich weitere Fragen auf: Was, wenn Evergrande Pleite geht und sich die Produktionspläne in Schweden zerschlagen? Sicherlich könnte Sono Motors auch eine andere Produktionsstätte finden, wahrscheinlich aber mit zusätzlichen Verzögerungen und Kosten.

Und dann wäre da noch das Produkt selbst, der Sion. Wie viel Sinn ergeben Solarzellen auf Autos wirklich? Das fragen sich nicht nur viele Autofahrer. Auch mancher Entwickler in der Autoindustrie ist skeptisch. Teure Zellen für ein paar Kilometer zusätzliche elektrische Reichweite – das Sono-Motors-Konzept sei ein Irrweg, heißt es nicht selten bei etablierten Autoherstellern.

Sono Motors-Gründer Christians und Finanzvorstand halten im High Voltage-Interview kräftig dagegen: Pro Jahr könnten Sion-Besitzer bei deutschen Wetterverhältnissen über 5000 Kilometer weit mit dem vom Sion produzierten Solarstrom fahren, also weit über 100 Kilometer pro Woche. In Ländern mit mehr Sonnenschein sei es teilweise ein Vielfaches. Wer nur wenig fahre, der müsse auch in Deutschland nur höchst selten an die Ladesäule. Und teuer sei der Sion mit 28500 Euro (E-Auto-Prämie nicht eingerechnet) sicherlich nicht.

Sollte der Sion mit seiner patentierten Solartechnik tatsächlich diesen Stromertrag schaffen, sich in Kundenhand bewähren und sollte es Sono Motors auch noch gelingen, bei dem niedrigen Verkaufspreis einen Gewinn zu erwirtschaften, dann könnte aus dem Start-up tatsächlich noch etwas ganz Großes werden. Denn das Gesamtkonzept, das das Start-up zusammen mit seiner großen Fangemeinde (über 16.000 Bestellungen mit jeweils 3000 Euro Anzahlung) entwickelt hat, ist schlüssig.

Die Produktion ist dank eingesparter Blechkarosserie simpel, möglichst viele Teile sind günstige Standardkomponenten namhafter Zulieferer, die Batteriezellen sind extrem langlebig sowie Nickel-, Mangan- und Kobalt-frei. Die versprochene Reichweite ist mit 300 Kilometern ausreichend, das Platzangebot im Auto gut. Und sollte der Sion als Solar-E-Auto funktionieren, dann könnten etablierte Auto- und Lkw-Hersteller auf die Idee kommen, die Technik in ihre Fahrzeuge zu integrieren. Sono Motors könnte so zu einem wichtigen Lieferanten von Solartechnik-Komponenten werden.

Das interessiert WiWo-Leser heute besonders

Geldanlage Das Russland-Risiko: Diese deutschen Aktien leiden besonders unter dem Ukraine-Krieg

Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine belastet die Börsen. Welche deutschen Aktien besonders betroffen sind, zeigt unsere Analyse.

Krisenversicherung Warum Anleger spätestens jetzt Gold kaufen sollten

Der Krieg in der Ukraine und die Abkopplung Russlands von der Weltwirtschaft sind extreme Inflationsbeschleuniger. Mit Gold wollen Anleger sich davor schützen – und einer neuerlichen Euro-Krise entgehen.

Flüssigerdgas Diese LNG-Aktien bieten die besten Rendite-Chancen

Mit verflüssigtem Erdgas aus den USA und Katar will die Bundesregierung die Abhängigkeit von Gaslieferungen aus Russland mindern. Über Nacht wird das nicht klappen. Doch LNG-Aktien bieten nun gute Chancen.

 Was heute noch wichtig ist, lesen Sie hier

Reparatur und Service sollen beim Sion günstig sein, weil sie jede Werkstatt durchführen kann. Nutzer können das Auto per App nicht nur mit Freunden und Nachbarn teilen, sondern es auch als Riesen-Akku fürs Haus nutzen. So kann das Auto mit dem eigenen Solarstrom betankt werden und kann den Strom bei Bedarf, also etwa abends, wieder ins Haus einspeisen. Auf solche Funktionen müssen die Kunden bei den meisten anderen Autoherstellern wohl noch lange warten.

Die Sono-Motors-Idee ist bestechend. Der Beweis, dass sie auch umsetzbar ist, steht allerdings noch aus. Schon im Sommer könnte es mehr Klarheit geben: Wenn Sono Motors, wie versprochen, seinen seriennahen Prototypen vorstellt. Bis dahin bleibt die Aktie eine charmante, aber relativ riskante Anlage – trotz des Preissturzes.

Mehr zum Thema: Sono-Motors-Mitgründer Jona Christians und Finanzvorstand Torsten Kiedel erklären den hohen Kapitalbedarf des Start-ups, den Weg zur Serienproduktion und warum sie daran glauben, dass auf jedes Auto Solarzellen gehören.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%