Preise an den Tankstellen Die sinkenden Spritpreise sind eine trügerische Hoffnung

Wer angesichts dieser Preiskapriolen hofft, dass zumindest der von der Bundesregierung am 24. März im Zuge des jüngsten Energiekosten-Entlastungspakets angekündigte Tankrabatt kurzfristig deutlich sinkende Preise bringt, muss sich gedulden. Quelle: dpa

Seit den extremen Höchstständen im März gibt es Super und Diesel zwar wieder deutlich günstiger. Doch erst einmal scheint der Preissturz gestoppt. Und was der Tankrabatt wirklich bringt, bleibt vorerst unklar.

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Das Auf und Ab der Preise an den Tankstellen erinnert in diesen Tagen an eine Achterbahnfahrt; und manchem wird dabei schwindelig bis schlecht. Umso mehr, als das Statistische Bundesamt gerade erst für die Monate Februar und März Allzeit-Höchststände der Treibstoffpreise festgestellt hat. Immerhin: Im Laufe des Aprils ist das Tanken laut Erhebungen des Preisportals clever-tanken.de wieder merklich billiger geworden.

Kostete etwa der Liter Diesel in Deutschlands teuerster Großstadt, in München, im März durchschnittlich 2,166 Euro, so gab es den Liter dort am Mittwochmittag immerhin rund 16 Cent günstiger (siehe Grafik unten). Der Liter Super E10, der im vergangenen Monat mit 2,084 Euro ebenfalls in München so teuer war wie in keiner anderen der 20 größten deutschen Städte, war dort am Mittwochmittag für 1,978 Euro zu haben; ein Minus von immer noch gut 10 Cent.

Im Bundesdurchschnitt lagen die Preise am Mittwochmittag bei beiden Treibstoffarten jeweils um rund 10 Cent unter dem Monatsmittel vom März. Sowohl für Diesel als auch für E10 sind das allerdings aktuell nur Momentaufnahmen, da die Spritpreise im Tagesverlauf stark schwanken. Sie sind morgens vielfach fünf bis zehn Cent teurer als abends und pendeln um die Mittagszeit zwischen den Extremwerten.

Doch so relativ betrachtet günstiger es sich auch inzwischen wieder tanken mag, von einem Preisniveau, wie es deutschlandweit noch im Januar und Februar üblich war, sind Autofahrer trotz der jüngsten zweistelligen Rückgänge noch immer weit entfernt. Im Januar gab es den Liter Diesel laut clever-tanken.de im Mittel der 20 größten Städte für gut 1,60 Euro und im Februar für knapp 1,67 Euro. Super E10 kostete 1,67 beziehungsweise 1,75 Euro pro Liter. Das war rund 15 bis 25 Prozent billiger als heute.

Und nicht bloß das. Nach Erhebungen des ADAC haben die Ölkonzerne die Spritpreise – wie üblich während der Ferienzeiten – auch pünktlich zu Ostern wieder angezogen. Im Wochenvergleich kostet der Liter E10 3,1 Cent mehr als in der Vorwoche, Diesel ist mit plus 6 Cent sogar noch stärker im Preis gestiegen.

Wer angesichts dieser Preiskapriolen hofft, dass zumindest der von der Bundesregierung am 24. März im Zuge des jüngsten Energiekosten-Entlastungspakets angekündigte Tankrabatt kurzfristig deutlich sinkende Preise bringt, muss sich gedulden. Die Spritpreisbremse, die Benzin und Diesel durch eine zeitweilige Senkung der Treibstoffsteuern verbilligen soll, kommt frühestens Anfang Juni, wie nach Ostern bekannt wurde.

Und sogar wie stark der Nachlass am Ende tatsächlich ausfällt, scheint derzeit noch offen. Vorgesehen ist zwar eine dreimonatige Kürzung der Steuer auf Benzin um „bis zu 30 Cent“, bei Diesel um „bis zu 14 Cent“ mit dem Ziel, die Preise auf „deutlich unter 2 Euro“ zu drücken. Aber es ist gut möglich, dass der Extrarabatt insgesamt weniger üppig ausfällt als ursprünglich angekündigt, sollte das Preisniveau – wie es sich derzeit abzeichnet – auch ohne staatliche Stützung dauerhaft unter die 2-Euro-Schwelle sinken.

Die emotionale Achterbahnfahrt beim Tanken, sie dürfte also weitergehen.

Mehr zum Thema: Eine exklusive Auswertung der jüngsten Preissprünge zeigt, wo Super E10 und Diesel besonders teuer sind und wo sich Autos vergleichsweise günstig betanken lassen.

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