PwC-Studie Auto-Manager sehen E-Mobilität skeptisch

BMW, Daimler und Co. investieren Milliarden in Elektroautos. Doch eine Umfrage zeigt: Viele Auto-Manager sehen nur begrenzte Absatzmöglichkeiten.

Für viele Auto-Manager ist E-Mobilität nur „ein Baustein von vielen“ für die Verkehrswende. Quelle: dpa

DüsseldorfDeutsche Auto-Manager sehen die Elektromobilität noch nicht als Haupttreiber der Verkehrswende. Das geht aus einer nicht-repräsentativen Online-Befragung der Strategieberatung von PwC „Strategy&“ unter 200 Managern in Automobil-Unternehmen hervor. Demnach stimmt mehr als die Hälfte der Befragten der Aussage zu, die Elektromobilität sei nur ein Baustein von vielen für die Mobilität der Zukunft.

Immerhin: Die Zahl der Manager, die in der E-Mobilität den stärksten Absatztreiber sehen, steigt mit Blick auf die Zukunft. Für 2018 sehen nur knapp ein Drittel in der E-Mobilität den größten Absatztreiber. Für den Zeitraum in den nächsten fünf Jahren sind es immerhin 39 Prozent.

Allerdings fragen die Studien-Autoren nicht nach der Einschätzung der Manager zum Diesel- und Benziner-Absatz. Als Antwortmöglichkeiten für die größten Absatztreiber werden stattdessen Technologie-Trends wie autonomes Fahren oder Car Sharing genannt – und unter diesen ist die E-Mobilität der wichtigste.

Dabei ist das Thema aktueller denn je, auch politisch. „Die drohenden Diesel-Fahrverbote in einigen deutschen Städten verdeutlichen die Aktualität einer Verkehrswende“, sagte Felix Kuhnert, Partner und Global Automotive Leader bei PwC. „Soll sie gelingen, so ist die Marktdurchdringung der Elektromobilität sicher ein wichtiger Baustein.“

Der Lobbyverband VDA kommt zu einer ähnlichen Einschätzung: Die Elektromobilität nehme deutlich Fahrt auf, meldete er Mitte 2017. Im Mai sind die Elektro-Pkw-Neuzulassungen in Deutschland laut dem Interessensverband um 178 Prozent auf 3.846 Fahrzeuge gestiegen. VDA-Präsident Matthias Wissmann betonte dazu: „Die hohen Wachstumsraten bei den Elektro-Pkw zeigen, dass die neuen Modelle beim Kunden gut ankommen.“

Die Elektromobilität ist nicht nur in Umweltfragen eine Alternative. Zwei Drittel der von PwC befragten Manager der Autobranche sehen in der E-Mobilität „interessante, neue Geschäftsmodelle“ für ihre Unternehmen.
Wie solche Geschäftsmodelle aussehen könnten, verrät Heiko Weber, Partner und Autoexperte bei PwC Strategy&: „Zukunftsfähige Geschäftsmodelle gehen über das Lösen bestehender Herausforderungen wie Ladeinfrastruktur und schnelleren Ladezeiten hinaus.“

Eine mögliche Anwendung wäre eine Nutzung des Autos als Energiespeicher. Auch Batterieaufladungen für eine Fahrt am nächsten Tag zum günstigsten Zeitpunkt seien denkbar, so Weber.

Auch der ADAC sieht in der E-Mobilität eine Chance – allerdings sollten alle Alternativen in Betracht gezogen werden. „Wir verstehen uns als Plattform für alternative Antriebe, wir vergleichen Vor- und Nachteile“, sagt Christian Buric vom ADAC. „Es gibt keinen Königsweg, man muss auch über Erdgas, Autogas und die Brennstoffzelle nachdenken.“

In Puncto Sicherheit habe ein Elektroauto keine Nachteile. Aber die Reichweite ist bei elektrisch angetriebenen Fahrzeugen sehr viel geringer als bei Benzinern. Das sei ein Problem: „Aber ich denke, vor allem im urbanen Bereich hat das Elektroauto eine Zukunft“, so Buric.

Je präsenter das Thema beim Kunden wird, desto mehr Modelle müssen die Autobauer im Angebot haben. Das zeigt auch die Konkurrenz aus dem Ausland, die bereits viel weiter ist: Tesla aus den USA und BYD und Geely aus China sind Firmennamen, die für E-Autos stehen.

Doch die Konkurrenz durch Tesla und chinesische Autokonzerne ist nicht die einzige Sorge der deutschen Automanager. Drei von fünf Befragten in der PwC-Studie sehen für 2018 große Auswirkungen durch staatliche Regulierungen aufgrund des Klimawandels.

Außerdem stellen Handelsbarrieren wie Strafzölle in den USA die Autobranche vor Probleme – besonders Zulieferer: Für diese Unternehmen sind Handelsrestriktionen die zweitgrößte Herausforderung nach der Dieselkrise. Bei den Herstellern sind Handelshemmnisse auf Platz 3 der größten Schwierigkeiten.

Verdrängen Tech-Start-ups die Platzhirsche?

Start-ups und Tech-Unternehmen sehen die Auto-Manager eher als Kooperationspartner denn als Wettbewerber: Nur neun Prozent der Befragten sehen in ihnen eine akute Bedrohung für ihr Geschäftsmodell. Knapp die Hälfte betrachten Start-ups als willkommene Ergänzung für ihr Unternehmen.

Um im Wettbewerb zu bestehen, müssen Hersteller und Zulieferer in Forschung investieren. Knapp die Hälfte der von PwC befragten Auto-Manager erwartet in diesem Bereich große Veränderungen.

Auch Strategy&-Experte Heiko Weber rät: „Gezielte F&E-Investitionen rund um neue Mobilitätskonzepte und Antriebsformen sind erfolgsentscheidend, damit die deutsche Automobilindustrie den Anschluss an veränderte Kundenerwartungen nicht verliert.“

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