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Roboterautos Das Ende von Linienbus und Straßenbahn

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Spontane Routen für maximal 12 Passagiere

Denn herkömmliche Buslinien werden demnach komplett überflüssig. Auch Straßenbahnen stehen zur Disposition. Stattdessen werden, so glauben die Experten, kleine Busse für etwa zwölf Passagiere eingesetzt. Und die werden ihre Routen durch die Stadt spontan anhand der Fahrtziele berechnen.

Züge werden 40 Prozent ihrer Fahrgäste verlieren, prophezeien die BCG-Berater. Denn Robotershuttles sind schneller und außerhalb von Stoßzeiten sogar preiswerter.

Auch private Autos, Motorräder und herkömmliche Taxis verschwinden in den Berechnungen größtenteils. In der Simulation des Weltverkehrsforums werden sie sogar weitgehend von geteilten Robotershuttles ersetzt, die Nutzer per Handy bestellen. BCG rechnet etwas konservativer mit 57 Prozent weniger Privatautos in der Stadt.

Fernbusse werden verschwinden

Bleiben noch große Fernbusse mit 50 und mehr Sitzen: Die werden ganz verschwinden, glaubt Michael Schramek, Vorstandsvorsitzender des Netzwerks für intelligente Mobilität (Nimo), eines Vereins, der sich für neue Verkehrskonzepte einsetzt. An ihre Stelle treten dann ebenfalls autonome Kleinbusse, die nicht mehr den zentralen Busbahnhof ansteuern, sondern ihre Fahrgäste direkt an ihrem Zielort absetzen.

Der künftige Star in der Stadt könnte somit ein Verkehrsmittel werden, mit dem bisher kaum jemand gerechnet hatte: „Der autonome Minibus“, sagt Nikolaus Lang, Senior Partner und Verkehrsexperte bei BCG, „wird einen großen Teil des öffentlichen Nahverkehrs übernehmen.“ Davon sind auch Wagniskapitalgeber überzeugt: Das französische Bus-Start-up Navya hat gerade 34 Millionen Euro eingesammelt.

Pilotversuche erfolgreich

Wie die Zukunft aussehen könnte, lässt sich schon heute in Finnland bei einem der weltweit ersten Pilotversuche erleben: Im Hafenviertel Hernesaari von Helsinki, auf einer Straße zwischen Industriehallen und schicken Restaurants mit Meerblick, pendelt alle paar Minuten zwischen zwei Haltestellen ein Fahrzeug, das wie direkt aus der Zukunft herangerollt scheint. Wie eine Seilbahngondel auf Rädern, ganz ohne Fahrer, stoppt der Bus präzise an einer gelben Markierung auf dem Asphalt. Dann öffnet sich die Schiebetür.



An der Haltestelle neben der öffentlichen Sauna stehen die Menschen Schlange für eine Fahrt im Roboterbus. Bis zu zwölf Fahrgäste haben Platz an Bord, darunter der Rentner Harry v. Haartman, der mit seiner Frau zufällig vorbeispaziert ist. „Wir sind müde“, scherzt er, „wir können eine Taxifahrt gebrauchen.“ Und steigt, auf seinen Gehstock gestützt, in den Bus ein.

Verkehrsregeln problemlos gemeistert

Dort drückt ein Mitarbeiter auf einen roten Knopf. Und los geht die Testfahrt: Der Bus nimmt den Kreisverkehr, biegt auf die Uferstraße ein und beschleunigt. Mit gemächlichen elf Kilometern pro Stunde geht es voran. Nach ein paar Hundert Metern die erste Hürde: Ein Passant tritt auf den Zebrastreifen, um die Straße zu überqueren. Die Passagiere recken neugierig die Köpfe. Alles geht gut, zwei Meter vor dem Mann stoppt der Bus. Weiter geht es, bis zur nächsten Kreuzung. Hier hat der Bus Vorfahrt und rollt langsam geradeaus weiter.

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