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Roboterautos Das Ende von Linienbus und Straßenbahn

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Testfahrer im Glück

„Das macht Spaß“, sagt Haartman, „aber dass es auch mitten in der Innenstadt funktioniert, glaube ich nicht.“

Er hat recht: Der Bus kann noch nicht mit anderen Fahrzeugen etwa die Vorfahrt aushandeln oder einen Bogen um Falschparker schlagen. Deshalb kommt Harri Santamala oft vorbei, um sich anzuschauen, wie gut der Roboterbus die Fahrt schon meistert. Der Forscher von der Metropolia University of Applied Sciences leitet die autonome Buslinie. „Wir wollen herausfinden, wie andere Verkehrsteilnehmer reagieren“, sagt er.

Mit welchen Hindernissen Elektroautos kämpfen

Noch ist der Bus auf einer fixen Route unterwegs: Die Forscher haben dem Fahrzeug vom französischen Hersteller Easymile die einige Hundert Meter lange Strecke einprogrammiert. In den Stoßstangen und auch dem Dach sind Laser eingebaut, die die Umgebung scannen und Objekte erkennen. „Der Bus hält von selbst die Spur“, sagt Santamala, „er erkennt Hindernisse und stoppt an Zebrastreifen.“ Der Projektleiter gibt sich zuversichtlich, dass autonome Minibusse ihre technologischen Handicaps bald überwinden und schon bald im regulären Betrieb unterwegs sein werden. Etwa in Außenbezirken, wo sie Bewohner zur nächsten Metrostation bringen. Oder in Fußgängerzonen, wo es keinen öffentlichen Nahverkehr gibt. Auch BCG-Experte Lang ist optimistisch: „In den nächsten fünf Jahren werden sich alle großen Städte mit dem autonomen Fahren auseinandersetzen müssen.“

Selbstfahrende Taxibusse machen der Bahn Konkurrenz (Zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken.)

Das ultimative Ziel ist der Roboterbus, der überall in der Stadt unterwegs ist. Der Bushaltestellen und feste Buslinien ersetzt und stattdessen seine Route selbst berechnet, anhand der Standorte und Ziele seiner Passagiere. Und nach allem, was Autohersteller wie Volvo, Ford oder BMW verlauten lassen, könnten 2021 die ersten Gefährte verkauft werden, die dazu in der Lage wären. Schon ein paar Jahre später könnten dann ganze selbstfahrende Flotten auf den Straßen unterwegs sein.

Keine Pilotversuche für Deutschland

Bis zur Zeitenwende bleibt also nicht mehr viel Zeit. Und die Verkehrsbetriebe? Keiner in Deutschland hat bisher einen Pilotversuch mit autonomen Bussen angekündigt. Im Gegenteil: München investiert gerade elf Millionen Euro in herkömmliche Busse. Duisburg schafft für 134 Millionen Euro neue Straßenbahnen an. Und in Berlin schlagen Verkehrsexperten den Bau von 100 Kilometern neuer Straßenbahnstrecken vor, für zwei Milliarden Euro und bis zum Jahr 2050. Die deutschen Städte investieren heute für die nächsten Jahrzehnte – in Technologien der Vergangenheit.

Für Angreifer wie den Lyft-Chef sind sie damit ganz leichte Beute.

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