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Serie Wirtschaftswelten 2025 Freude am Gefahrenwerden

Intelligente Roboter-Autos chauffieren uns schon in wenigen Jahren durch die Städte – und machen dabei auch den eigenen Wagen überflüssig. Was wird aus der stolzen Automobilindustrie?

Roboter am Steuer Quelle: Getty Images

Er rast nicht. Er flucht nicht, wenn ein Radler ihn schneidet. Er sieht gut, obwohl dieser Dezember-Tag verregnet und düster ist. Er gewährt kurz nach dem Start der Testfahrt in Göteborg einem Lastwagen die Vorfahrt, achtet auf Fußgänger und ist auch nach stundenlanger Fahrt putzmunter. Der hellblaue Volvo-Kombi vom Typ V60 bewegt sich höflich und so vorbildlich, wie sich Polizei und Unfallforscher das wünschen. Nur: Kein Mensch fährt so.

Und so ist es auch kein Mensch, der an diesem Tag den Volvo über den Autobahnring um die schwedische Großstadt navigiert, sondern eine Maschine. Volvo-Ingenieur Erik Coelingh hat nach dem Einsteigen einen Knopf gedrückt, das Kommando über das Fahrzeug abgegeben – und bei seinem Beifahrer ob des Übertragens jeglicher Kontrolle auf eine schnöde Maschine Unbehagen ausgelöst.

Dieses Gefühl des Loslassens im Auto-Cockpit entpuppt sich als Moment großer Ungewissheit. Stark der Impuls, sich dagegen zu wehren, jeden Einfluss aufzugeben; nicht kleiner das Unbehagen, wohin die Maschine einen nun wirklich lenkt.

Freude am Gefahrenwerden? Na ja.

Welche Assistenzsysteme es schon gibt und wann Roboter das Steuer komplett übernehmen

Dann aber dreht sich das Lenkrad von allein. Der Volvo beschleunigt und bremst selbsttätig, er scannt seine Umgebung und reagiert so vorausschauend wie kaum ein menschlicher Fahrer. Und langsam wandelt sich die Skepsis des Passagiers in die Faszination darüber, was die Technik kann.

Das ist auch gut so: Denn was Volvo-Ingenieur Coelingh hier am Einzelfall vorführt, soll den Verkehr in Göteborg auf immer verändern. Noch sind es Forschungsautos, aber ab 2017 sollen 100 Kunden für ein Jahr Volvos zuschaltbare Selbstfahrtechnik im Alltag erproben. In einem weiteren Schritt soll diese Technik dann in knuffige Robo-Taxis münden, die in einem neuen Stadtteil am ehemaligen Freihafen die Privatautos ersetzen.

Göteborg ist damit ein Testlabor für die Zukunft des Autos. Fast alle großen Hersteller wie Audi, BMW, Ford, Mercedes oder General Motors arbeiten an ähnlichen Konzepten. Erst vergangene Woche ließ Audi eine selbstfahrende Version seiner Oberklasse-Limousine A7 per Autopilot zur Elektronikmesse CES nach Las Vegas rollen.

Statt wie früher die CEOs von Fernsehherstellern oder Spielkonsolen-Anbietern traten dort Daimler-Chef Dieter Zetsche und Ford-Boss Mark Fields als Innovationsführer auf und berichteten von der neuen Autowelt, in der wenig so sein wird, wie es war. Vor allem, weil die Fahrzeuge immer schlauer werden, die Maschine den Menschen auch am Lenkrad überflügelt. „Es ist keine Frage mehr, ob die Selbstfahrerautos kommen, sondern wann“, sagt Zetsche.

Serie "Wirtschaftswelten 2025"

Zu verlockend sind die Versprechungen:

  • So soll „ab 2020 niemand mehr in einem Volvo bei einem Unfall getötet werden“, verspricht Volvo-Chef Hakan Samuelsson. Das wird aber nur gehen, „wenn Rechner und Sensoren den Menschen ablösen“, stellt sein Forschungschef Peter Mertens klar. Heute sterben weltweit jedes Jahr 1,2 Millionen Menschen im Straßenverkehr.
  • Maschinen-Autos werden drastisch weniger Sprit verbrauchen. Kleine, leichte /Robo-Cars benötigen bei Nutzung aller Potenziale nur ein Zehntel der Energie heutiger Fahrzeuge, erwartet die Rand Corporation, ein US-amerikanischer Thinktank.
  • Staus und Lärm in den Städten werden weniger. Teilten sich gar mehrere Mitfahrer ein Robotertaxi, würden bis zu 90 Prozent der Fahrzeuge in den Metropolen überflüssig, hat die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ausgerechnet. Und die Kommunen können nach und nach ihre teuren Busse, Straßen- und U-Bahnen abschaffen. Wie in Göteborg können die Planer menschen- statt autogerechte Innenstädte entwerfen.
  • Menschen bleiben bis ins hohe Alter mobil – auch wenn die Sehkraft und die Reaktionsgeschwindigkeit nachlässt.

Und nebenbei entsteht ein lukrativer Markt. So rechnet die Unternehmensberatung Roland Berger ab 2025 global mit Umsätzen von stolzen 60 Milliarden US-Dollar allein mit neuer Hard- und Software.

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