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Smart Parking Wie Apps und Sensoren bei der Parkplatzsuche helfen

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Warum Kopfsteinpflaster ein Problem ist

Auch Siemens nutzt die Cloud, um die Daten zu freien Parkplätzen für Autofahrer zugänglich zu machen. Allerdings soll nicht die Community in vorbeifahrenden Autos nach freien Parkflächen suchen, sondern ein Radar. Das kann in bereits vorhandene Straßenlaternen verbaut werden und überwacht die Parksituation am Seitenstreifen von oben. Mit einem Algorithmus errechnet das Radar somit, wo ein Auto steht und wo noch ein freier Parkplatz sein muss.

Dieses Konzept hat Tim Franke für Siemens in Berlin getestet. Der Versuch hat dem Geschäftsentwicklungsmanager für innovative Mobilitätslösungen gezeigt, dass Radartechnik ebenso wie andere Technologien zur Erkennung von freien Parkflächen Vor- und Nachteile besitzt: „Auf unvorhergesehene Hindernisse auf den Parkflächen oder Baustellen zu reagieren, ist eine große Herausforderung für die verschiedensten Technologien, die beim Smart Parking zum Einsatz kommen.“ So wurde ein Parkplatz während des Testbetriebs in Berlin von dem Radar als belegt erkannt, weil ein Laubhaufen auf dem Parkplatz zusammengefegt wurde. In weiteren Tests zur Alltagstauglichkeit wolle man nun herausfinden, wie man das künftig verhindern kann.

Bodensensoren, die durch den Druck eines Autos erkennen können, ob gerade ein Fahrzeug auf einem Parkplatz parkt, können nicht immer ohne weiteres im Asphalt verlegt werden: „Bei den Bodensensoren kann denkmalgeschütztes Kopfsteinpflaster zum Problem werden“, sagt Franke. Das Kopfsteinpflaster könne nicht kurzerhand durch modernste Sensortechnik ersetzt werden. Noch problematischer wird es, wenn Kameras zur Überwachung von Parkflächen genutzt werden, denn das sei datenschutzrechtlich bedenklich: „Bei einer dauerhaften Parkraumüberwachung wird auch automatisch öffentlicher Grund überwacht. Dadurch wird der gute Wille, die Parksuche effizienter zu machen, zu einem hochpolitischen Thema.“

Ein Start-up gegen die großen Industrieunternehmen

Die großen deutschen Automobilhersteller sehen in intelligenten Parklösungen ebenfalls Potential: Audi arbeitet seit 2015 im Rahmen der „Urban-Solutions“-Initiative des Unternehmens mit Somerville, einer Stadt an der Ostküste der Vereinigten Staaten, zusammen. In Somerville sollen demnächst Fahrzeuge autonom in Parkhäusern einparken und mit den vernetzten Ampeln der Stadt kommunizieren, damit diese immer entsprechend der Verkehrslage geschaltet werden können, um so Stau zu vermeiden. Auch BMW mischt beim Smart-Parking mit: Ausgewählte BMW-Modelle zeigen den Autofahrern freie Parkflächen im Navigationssystem an. Bei der Umsetzung arbeitet der Automobilhersteller mit Inrix zusammen.

Ein deutsches Start-up misst sich mit Unternehmen wie Bosch, Siemens oder Audi und sticht dabei mit dem eigenen Produkt sogar hervor. Zumindest sagt das Geschäftsführer Felix Harteneck. Er hat 2015 das Start-up ParkHere mitgegründet. ParkHere ist eine Ausgründung der TU München und entwickelt Sensoren, die in die Straße eingelassen werden und erkennen sollen, ob gerade ein Auto auf ihnen parkt oder ob der Parkplatz frei ist. Diese Information wird per Funk an eine in der Nähe befindliche Basisstation gesendet. Von dort aus werden die Daten dann ähnlich wie bei Bosch oder Siemens in die Cloud gesendet. Der Autofahrer kann dann über eine App auf die Echtzeit-Daten zugreifen und sich freie Parkplätze anzeigen lassen. 

Bislang stand ParkHere noch nicht vor dem von Siemens-Manager Franke beschriebenen Problem, die Sensoren in denkmalgeschütztes Kopfsteinpflaster einlassen zu müssen. Falls es soweit sein sollte, könne man das aber durch aufklebbare Sensoren umgehen. Diese nutzen dieselbe Technik wie die herkömmlichen Sensoren, die in den Asphalt eingelassen werden.

Der Sensor des Münchener Unternehmens sei laut Harteneck in Europa einzigartig. Denn er löse ein Problem, das bei vielen anderen Sensoren vorkommt: Sie müssen geladen und gewartet werden. Das kostet Geld und produziert Abfall. Anders bei ParkHere, denn der Sensor ist energieautark – er versorgt sich also selbst mit Energie. Wenn ein Auto über den Sensor fährt, erzeugen Kristalle in den Sensoren durch den Druck und die Vibration der Autos Energie – das ist der sogenannte Piezoeffekt.

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