Smartphone im Auto Apple und Google erobern das Autocockpit

Die Liste der Autohersteller, die Apples Autointegration nutzen wollen, wächst stetig. Die Konkurrenz schläft allerdings nicht.

Apple übernimmt das Autocockpit - Google und Microsoft stehen allerdings auch in den Startlöchern Quelle: dpa

Weitere Autohersteller wie Fiat, Chrysler, Jeep, Alfa Romeo, Mazda und Audi wollen nun auch Apples Fahrzeugsystem Carplay integrieren. Damit wird die Liste der teilnehmenden Autobauer noch einmal länger. Das ursprünglich als „iOS in the Car“ vorgestellte Cockpitsystem hatte Apple im vergangenen Jahr demonstriert, beim Genfer Autosalon haben Mercedes, Ferrari und Volvo bereits Fahrzeuge vorgestellt, die Carplay unterstützen.

Das Prinzip von Carplay: Es ermöglicht die Nutzung aller relevanten Smartphone-Funktionen, beispielsweise der Mediensteuerung und der Navigation, direkt auf dem im Auto vorhandenen Display. Apple verwendet für seine Integration Blackberrys QNX Car Platform, die auf HTML5 basiert – und auch von Android und Microsofts Windows 7 benutzt wird. Zahlreiche Autohersteller nutzen QNX bereits  in ihren Infotainment-Systemen, ein Nachrüsten ist ebenfalls möglich.

Die Flexibilität der Blackberry-Plattform bringt für den Autokäufer einen großen Vorteil mit sich: Er muss sich beim Kauf nicht auf ein Wunschsystem festlegen. So bietet Audi beispielsweise sowohl Apples Carplay als auch eine Integration für Android-Geräte an. Gleiches gilt für Fiat, Chrysler und andere Autohersteller. Google hat diese in der sogenannten Open Automotive Alliance unter einen Hut gebracht, insgesamt sind 28 Autobauer involviert - eine strategische Allianz die zum Ziel hat, die sogenannte „Android Auto“-Plattform ins Auto zu bringen. Mit im Boot sind zusätzlich fünfzehn Technologiepartner, darunter Harman, LG, Panasonic und Pioneer.

Mobilitäts-Apps, die wirklich weiterhelfen
Die Flut der angebotenen Smartphone-Apps ist unüberschaubar. Viele der Anwendungen fallen eher in die Kategorie
Mobile Anwendungen sind besonders dann hilfreich, wenn Verkehrsteilnehmer mit ihrem Fahrzeug liegenbleiben. Im Fall einer Panne oder eines Verkehrsunfalls helfen etwa die Kfz Mobil-App des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes und die Notrufortung des Automobilclubs für Deutschland (AvD). Beide Anwendungen sind gratis für Apple iOS und Android verfügbar. Kfz mobil bietet eine ortsabhängige, nach Marken sortierte Suche nach Kfz-Innungsbetrieben und erkennt auf Wunsch den aktuellen Standort des Nutzers. Die Anwendung stellt die Kfz-Werkstätten in der Umgebung auf einer Karte dar, navigiert den Nutzer zur Werkstatt oder stellt eine Telefonverbindung her. Link: http://www.kfzgewerbe.de/autofahrer/suchen-finden/smartphone-app.html Quelle: Screenshot
Die AvD-Notrufortung erkennt den Aufenthaltsort des Nutzers dank GPS metergenau und erleichtert damit Rettungskräften die Suche. Der Nutzer kann in der sogenannten
Auch die kostenlose Anwendung ServiceGate findet von unterwegs die nächste Kfz-Werkstatt, einen Reifenhändler, Autoglaser oder auch Raststätten und Tankstellen. Daneben sind auch auf ihr ein Pannen-Notruf und eine Direktverbindung zu Polizei und Notruf sowie Spiele enthalten. Clever: Integriert ist eine Art
Eine weitere Kategorie nützlicher Helfer bilden die Navigations-Apps und Verkehrsinformationen. Bekanntester Vertreter ist Google Maps. Das Programm bietet eine präzise Routenführung anhand aktueller Karten und darüber hinaus Stauinformationen in Echtzeit. Link: https://itunes.apple.com/de/app/google-maps/id585027354 Quelle: Screenshot
Auf die Anzeige von Unfällen, Behinderungen und Gefahrenstellen spezialisiert ist die Coyote App. Darüber hinaus teilt sie dem Fahrer das aktuelle Tempolimit mit und warnt vor stationären Blitzern. Sowohl Google Maps wie auch Coyote sind für iOS und Android kostenlos und nutzen Daten, die Nutzer der App bereitstellen. Bei Coyote etwa sind dies rund zwei Millionen Personen, die Vorkommnisse auf ihrer Strecke von unterwegs melden und damit an alle anderen Nutzer senden. Link: https://itunes.apple.com/de/app/icoyote-live-verkehrsinfo/id581347352 Quelle: PR
Ein weiterer Spezialist ist die Wohin?-App für iOS. Sie findet eine Vielzahl an Lokalitäten wie etwa den nächsten Bankautomaten, spezielle Geschäfte und Ärzte in der Umgebung oder das nächstgelegene indische Restaurant. Enthalten sind auch Zusatz-Informationen wie Öffnungszeiten. Das gefundene Ziel kann der Nutzer im Anschluss in eine Navi-App wie Google Maps übertragen und ansteuern. Die Wohin?-App kostet einmalig 2,69 Euro, eine Basis-Version gibt es gratis. Link: https://itunes.apple.com/de/app/wohin-where-to-intelligente/id314785156 Quelle: Screenshot

Wie üblich liegt der Fokus bei Android auf der Offenheit des Systems: Entwickler sind ausdrücklich dazu aufgerufen, für das System zu entwickeln und ihre eigenen Ideen zu verwirklichen. Zahlreiche Geräte sollen künftig unterstützt werden.

Bei Apple sieht die Lage etwas anders aus: Die nötigen Programmierschnittstellen werden derzeit nur für ausgewählte Partner freigegeben und bisher ist noch unklar, wann andere Dritthersteller Zugang zur Carplay-Entwicklung bekommen. Zudem ist die Anzahl aktuell kompatibler Geräte überschaubar: Für Carplay kommen nur iPhones und iPods mit Lightning-Anschluss in Frage, iPads sollen vorerst gar nicht unterstützt werden. Eventuell können die Zusammenarbeiten mit Audioexperten da eine Lücke schließen: Alpine und Pioneer werden Carplay bald unterstützen und könnten mit zusätzlichem Zubehör den Anschluss älterer Geräte mit iOS 8 ermöglichen – sofern Apple mitspielt.

Seit April mischt auch Microsoft wieder verstärkt im Bereich der Autointegration mit. Seit Jahren ist das Betriebssystem Windows Teil verschiedener Entertainmentsysteme, Ford, BMW, Kia, Nissan und Fiat haben darauf zurückgegriffen. In Zukunft soll in Autos die Metro-Oberfläche zum Einsatz kommen, die der Nutzer bereits von Windows 8 kennt. Microsoft verknüpft das jeweilige Gerät mittels des Verbindungsstandards Mirrorlink, der derzeit von Nokias Symbian-Handys sowie Sonys Xperia Z-Smartphones benutzt wird. Volkswagen, Honda, Toyota und Citroën arbeiten bereits an der Mirrorlink-Unterstützung, Alpine und Pioneer werden hier ebenfalls mit von der Partie sein. Wann Windows im Auto marktreif ist, steht aktuell noch in den Sternen.

In Arbeit
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Ein Autobauer, der bisher nur spärlich Informationen zur Nutzung von Smartphones im Auto preisgibt, ist VW. Sie sind Teil der Open Automotive Alliance, könnten also in Zukunft Interesse an Android-Systemen haben. Seit gestern steht allerdings noch eine weitere Option im Raum: VW hat das ehemalige Blackberry-Entwicklungszentrum in Bochum übernommen, inklusive der rund 200 verbliebenen Mitarbeiter. Laut Hans-Jakob Neußer aus dem VW-Markenvorstand für Entwicklung, werde die Vernetzung das Auto der Zukunft entscheidend prägen. Die frisch gegründete Volkswagen Infotainment GmbH soll hier tätig werden, die Entwicklung soll sich allerdings nicht auf smarte Geräte beschränken.

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