Studie des TÜV Rheinland Tacho-Betrug bei Gebrauchtwagen

Eine Studie des TÜV-Rheinland stellt fest: Rund 40 Prozent der Verbraucher halten Tacho-Manipulationen für sehr wahrscheinlich. Das Schlimme: Mit dieser Befürchtung haben sie offenbar Recht. Wie sich Verbraucher schützen.

Tacho mit Kilometerstand. Quelle: dpa

Sind Manipulationen am Kilometerzähler weit verbreitet in Deutschland? Der TÜV Rheinland befragte dazu 900 Käufer und Verkäufer in einer repräsentativen Studie. Das Ergebnis: 40 Prozent der Verbraucher sahen die Wahrscheinlichkeit für einen Tacho-Betrug als groß oder sehr groß an. Die Befragten gingen außerdem davon aus, dass bei etwa einem Drittel der Gebrauchtwagen am Kilometerstand gedreht wurde. "Diese Angaben decken sich im Wesentlichen mit den Berechnungen der Polizei", meinte Professor Jürgen Brauckmann, Bereichsvorstand Mobilität TÜV Rheinland.

Geringes Vertrauen in Händler

Die Verbraucher trauen den Händlern laut TÜV-Studie nicht. Beim Autokauf bei freien Händlern ist das Misstrauen besonders groß: Zwei von drei Befragten misstrauen ihnen, danach folgen private Verkäufer (62 Prozent) und Markenhändler (30 Prozent).

Tachomanipulationen erhöhen den Preis eines Gebrauchtwagens beträchtlich. Der TÜV Rheinland zeigte das anhand einer Beispielrechnung: Drehen Manipulatoren den Tacho bei einer Mercedes-Benz E-Klasse (Baujahr 2011) von 114.000 auf 48.000 Kilometer, steigt der Verkaufspreis um 5.400 Euro. Bei einem VW Polo (Baujahr 2014) erhöht sich der Preis um 1200 Euro, wenn 36.000 Kilometer weniger auf dem Tacho stehen. 

So entdecken Sie Manipulationen am Tacho

Doch nicht nur die kriminellen Geschäfte sind ein Problem bei Tacho-Manipulationen. "Geht ein Käufer von einem erheblich geringeren Kilometerstand des Fahrzeugs aus, fährt er möglicherweise zu spät zur Inspektion. So können Defekte oder Verschleiß etwa an Bremse und Fahrwerkskomponenten unentdeckt bleiben", erklärt Professor Brackmann.

Kritik aus CDU

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Die CDU-Abgeordnete Mechthild Heil kritisierte die Gesetzeslage: "Tachomanipulation ist kein Kavaliersdelikt, daher müssen wir die Strafen im Betrugsfall deutlich erhöhen. Wir wollen Kunden und Verkäufer besser schützen, indem wir die Möglichkeiten schaffen, die gesammelten Kilometerstände bei Hauptuntersuchung, Reifenwechsel oder Panne freiwillig in eine Datenbank einzuspeisen, ähnlich wie es heute schon in Belgien passiert." Tacho-Manipulationen sind seit 2005 gesetzlich verboten und werden mit bis zu einem Jahr Gefängnis bestraft.

Bereits 2013 berichtete die Universität Magdeburg in einer Studie im Auftrag des ADAC, dass Tacho-Betrug einen volkswirtschaftlichen Schaden von sechs Milliarden verursacht - pro Jahr. Die Forscher untersuchten damals die Elektronik eines Audi Q7, einer Mercedes E-Klasse und eines VW Passat. Alle Fahrzeuge besaßen schlecht geschützte Software-Funktionen, mit denen sich Kilometerstände leicht und schnell verändern ließen - und das mit Hilfe von frei zugänglichen Manipulationsgeräten. Im Schnitt bezahlten die Käufer 3000 Euro mehr für einen manipulierten Wagen.

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