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Studie Wer ein Elektroauto kauft

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Steuererleichterung kein Kaufanreiz fürs E-Auto

In einem Punkt trifft das Vorurteil aber dennoch zu: Die Reduzierung der Umweltbelastung ist neben dem Interesse an der innovativen Fahrzeugtechnologie einer der dominierenden Beweggründe für den Kauf eines Elektroautos, so die Studie.

Aber auch günstigere Energiekosten pro Kilometer und der Fahrspaß am Elektroantrieb bewegten die Nutzer zum Kauf eines Elektro-Autos. Das gaben sowohl private als auch gewerbliche Halter an. Externe Anreize, wie die viel diskutierte Befreiung von der Kfz-Steuer oder kostenloses Parken und Aufladen spielen nur eine untergeordnete Rolle.

Firmen schaffen Elektroautos auch oft aus Imagegründen an. Sie sind mehrheitlich klein, haben weniger als 50 Beschäftigte. Die Annahme, dass große Unternehmen mit großen Fahrzeugflotten zum Treiber der Elektromobilität werden können, haben sich in der DLR-Studie nicht bestätigt.

Elektroauto-Absatz 2014 in Deutschland

Millionen-Ziel in weiter Ferne

Was die Umfrage allerdings zeigt: Die überwiegende Mehrheit der Besitzer von Elektroautos hat die Anschaffung nicht bereut. 84 Prozent der befragten privaten Halter würden den Kauf eines Elektroautos empfehlen. Mehr als 90 Prozent seien mit ihrem Wagen entweder genauso zufrieden wie mit ihrem vorherigen, konventionellen Auto oder sogar zufriedener.

Große Auswirkungen auf die Zulassungszahlen haben die wenigen zufriedenen E-Auto-Fahrer aber kaum. Laut Kraftfahrtbundesamt stagnierte der Anteil alternativer Antriebe am Pkw-Bestand 2014 im Vergleich zum Vorjahr bei 1,6 Prozent. Jedoch stellt darunter Flüssiggas mit knapp 500.000 Wagen nach wie vor den mit Abstand größten Anteil. Auch wenn Hybride mit 107.754 Einheiten im gesamten Bestand und Elektroantriebe mit 18.948 Fahrzeugen zuletzt auf sehr niedrigen Niveau kräftig zulegten bleiben sie weit vom Millionen-Ziel der Politik entfernt. Anfang 2015 betrug ihr Anteil 0,2 Prozent. Laut Vorhaben der Politik müssten es bis 2020 auf heutiger Bestandsbasis aber achtmal so viel werden.

Das politische Ziel für mehr per Steckdose ladbare Elektroautos in Deutschland ist einem Branchenexperten zufolge nur noch Träumerei. „Das Kanzlerwort von einer Million Elektroautos im Jahre 2020 ist definitiv nicht erreichbar. Wenn man es trotzdem behauptet, sagt man bewusst die Unwahrheit“, sagte Ferdinand Dudenhöffer vom CAR-Institut der Universität Duisburg-Essen am Dienstag zu einer bis 2011 zurückreichenden Marktanalyse. Mitte Juni (15./16.) will die Bundesregierung in Berlin ihre jüngsten Erwartungen zu dem Thema präsentieren.

Laut Dudenhöffer schwächelt sowohl der Neuverkauf rein elektrischer Batterie-Fahrzeuge als auch sogenannter Plug-In-Hybride, die normale Verbrenner mit Elektro-Antrieben verbinden, deren Batterien sich per Steckdose aufladen lassen. „Der Markthochlauf der Plug-In-Hybride stockt auf niedrigem Niveau. Es zeichnet sich die gleiche Entwicklung ab wie bei den rein batterie-elektrischen Autos“ sagte Dudenhöffer.

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Doch laut Dudenhöffer verlieren steckdosentaugliche Fahrzeuge zuletzt sogar – obwohl die Angebotspalette hierzulande mit 43 E-Modellen und 72 Hybriden aktuell so groß wie nie sei. Während der Pkw-Gesamtmarkt im April im Vergleich zum Vormonat saisonüblich 10 Prozent verlor, büßten reine E-Autos 23 Prozent ein und Plug-In-Hybride 21 Prozent. Auch der längere Zeitraum Januar bis Ende April zeige das Problem: Nach 0,32 Prozent Anteil an den Pkw-Neuzulassungen im Frühling 2014 kletterte der Anteil diesen Frühling gerade einmal auf 0,59 Prozent, obwohl zusätzliche Modelle, auch von deutschen Autobauern, dazukamen.

Das CAR-Institut ist mit seiner Mahnung nicht alleine. Auch weitere Branchenexperten halten das Millionen-Ziel ohne Kaufsubventionen für unrealistisch. Das Fraunhofer-Institut sieht Markthochlaufszenarien der E-Autos bis 2020 wegen vieler Unsicherheiten eher bei 150.000 bis maximal gut einer Million. Der Chef des Autozulieferers Continental, Elmar Degenhart, hält das Millionenziel für „kaum mehr realistisch“.

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