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Tatas Nobelmarke Jaguar XJ: Auf leisen Sohlen

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Um bei Jaguar aufzuräumen, Quelle: AP

Die lange, nach hinten langsam abfallende Dachlinie, die Jaguar-Chefdesigner Ian Callum wegen ihrer Leichtigkeit „flying wing“ nennt, endet in einem Stummelheck. Von „coupehafter Erscheinung“ wird die Marketingabteilung später sprechen. Der Betrachter erwartet, dass die riesige Heckscheibe zusammen mit dem Kofferdeckel öffnet und den Jaguar als Fließhecklimousine à la Porsche Panamera entlarvt. „Nein“, widerspricht Callum, „unser Kunde erwartet im Oberklassesegment eine klassische Dreibox-Limousine.“ Also mit richtigem Kofferraum.

Als die Inder bei Jaguar einsteigen, war das Design des neuen XJ bereits verabschiedet. Tata Motors Chef Ravi Kant, dem Jaguar nun untersteht, konnte während seiner monatlichen Stippvisiten in England keinen Einfluss mehr auf die Formgebung nehmen. Weder auf die gegenüber dem Vorgängermodell um 14 mm längere Karosserie, noch auf das von Riva-Booten inspirierte Interieur. Doch warum sollte er auch? Insbesondere mit der um 125 mm längeren Chauffeursvariante des XJ dürfte Kant zufrieden sein. Denn gerade die neuen Wachstumsmärkte China und Indien fragen danach.

Der Jaguar XJ als Hybrid

Dass die indischen Eltern mit dem britischen Tafelsilber Großes vorhaben, wird auch durch eine Investitionsspritze von 925 Millionen Euro deutlich, mit der Tata die Entwicklung umweltfreundlicher Antriebstechniken bei Jaguar fördert. Ein Teil des Geldes soll in eine Hybridversion des XJ fließen. Andy Dobson, bei Jaguar verantwortlich für die Oberklasse-Limousine XJ, fährt einen Prototypen mit dem umweltfreundlichen, weil verbrauchsgünstigen Antrieb bereits „zu Studienzwecken“.

Angetrieben wird das dank der Verwendung von Kohlefaser-Verbundmaterial nur 1350 Kilo schwere Auto von einem leistungsstarken Elektromotor, der über ein Zweigang-Getriebe mit einem konventionellen, von Lotus entwickelten Dreizylinder-Benziner mit nur einem Liter Hubraum verbunden ist. Mit beiden Motoren kommt der Wagen auf eine Antriebsleistung von 145 Kilowatt oder 197 PS.

Der Verbrennungsmotor dient als „Range Extender“ ausschließlich der Stromerzeugung. Er speist die im Kofferraumboden eingelagerten Lithium-Ionen-Akkus, die eine emissionsfreie Fahrt bis 50 Kilometern sicherstellen. Wer weiter fahren möchte, muss die Akkus entweder an einer Steckdose nachladen (Plug-in) oder den Fahrstrom an Bord mit Hilfe des benzingetriebenen Verbrennungsmotors erzeugen. Unter Mithilfe des „Range Extender“ sind dann bis zu 1.000 Kilometer Reichweite drin, verspricht Dobson. Das entspräche einem Durchschnittsverbrauch von 5,0 l/100 km und einem CO2-Ausstoß von unter 120 g/km.

Noch bestellt Jaguar mit dem XJ-E (E steht für „Elektric“) ein für die 1922 gegründete Automarke völlig neues Feld. Ob dieses jemals Früchte trägt, hängt maßgeblich von der Geduld und der Finanzkraft Tatas ab. Letztere ist als Folge der Weltwirtschaftskrise in den vergangenen Monaten kräftig gesunken: Der Unternehmenswert ist seit der Übernahme von Jaguar und Landrover im Frühjahr 2008 um rund 16 Prozent gesunken. Auch so gesehen steht Jaguar also mächtig unter Strom.

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