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Technik Neues Klimaanlagen-Kältemittel lässt Autos lodern

Alles hätte so schön sein können. Das neue Kältemittel für Autoklimaanlagen namens R1234yf glich einem Wundermittel: Es ist nicht nur rund 99 Prozent klimafreundlicher. Die Autohersteller können damit auch ihre bisher verwendeten Klimaanlagen ohne teure Änderungen weiterbauen.

Flammen aus dem Motorraum - Das klimafreundliche Kältemittel R1234yf gefährdet die Sicherheit der Insassen und Unfallhelfer. Quelle: GNU

Groß waren die Hoffnungen der Kältemittelhersteller: Die US-Chemieunternehmen Honeywell und Dupont haben erst im Oktober eine Produktionsanlage in der chinesischen Stadt Changshu in Betrieb genommen. Gute Geschäfte lockten, denn seit Anfang des Jahres müssen in Europa alle neuen Autos mit dem neuen Kältemittel ausgerüstet sein.

Eigentlich. Doch plötzlich gehen Autos bei Crashtests in Flammen auf, und hochgiftige Flusssäure tritt aus. Schuld ist das neue Wundermittel. Nun ist die ganze Branche alarmiert. Denn 10 000 Fahrzeuge sind mit der neuen Chemikalie bereits ausgestattet, die das Fachblatt "Autobild" als "Killer-Kältemittel" brandmarkte.

Die größten Rückrufaktionen
Oktober 2003: Wegen eines Motordefekts ordert der japanische Autobauer Nissan weltweit 2,56 Millionen Fahrzeuge zurück. Betroffen sind 25 Modellreihen, die zwischen April 1998 bis September 2003 hergestellt wurden. In Deutschland und Europa sind die Modelle Almera, Almera Tino, Primera und der Geländewagen X-Trail betroffen. In den USA werden etwa 700.000 Fahrzeuge und in Japan 1,02 Millionen Wagen zurückgerufen. Quelle: dpa
Januar 2004: Chrysler ruft 2,7 Millionen Autos der Modelljahre 1993 bis 1999 wegen möglicher Probleme mit dem Automatikgetriebe zurück. Quelle: ap
November 2004: In Nordamerika sollen fast 1,5 Millionen von General Motors gebaute Fahrzeuge überprüft werden. Rund 947.000 Geländewagen müssen wegen einer schadhaften Heckleuchte repariert werden. Bei anderen Autos gibt es Probleme mit dem Gaspedal. Quelle: dpa
März 2005: Daimler-Chrysler ruft weltweit 1,3 Millionen Mercedes-Personenwagen zur Überprüfung von Elektronik und Bremsen in die Werkstätten zurück. Bei bestimmten Modellen vom Baujahr 2001 an werden Spannungsregler der Lichtmaschine, die Software der Stromversorgung sowie Bremsanlagen geprüft. Quelle: ap
April 2005: Wegen möglicher Sicherheitsmängel sollen mehr als zwei Millionen Fahrzeuge des US-Autobauers General Motors in die Werkstatt. Darunter sind 1,5 Millionen Kleinlaster und Geländewagen, bei denen es Problemen bei den Sitzgurten gibt. Von dem Rückruf sind hauptsächlich Fahrzeuge in den USA betroffen, darunter der Cadillac Escalade, der Yukon und der Hummer H2. Foto: AP Quelle: ap
Dezember 2007: Ford ordert 1,17 Millionen Fahrzeuge wegen eines defekten Motorsensors zurück. Es handelt sich um Lastwagen, Geländewagen und Vans der Baujahre 1997 bis 2003. Quelle: Reuters
Oktober 2009: Ein kleiner Schalter beschert dem US-Autobauer Ford die größte Rückrufaktion seiner Geschichte. Weil ein defekter Geschwindigkeitsregler Feuer auslösen kann, muss der Hersteller in den USA 4,5 Millionen in die Werkstätten rufen. Von dem seit langem bekannten Defekt des Tempomat-Schalters sind damit seit 1999 insgesamt rund 16 Millionen Fahrzeuge betroffen. Die Modelle stammen aus den Jahren 1992 bis 2003. Quelle: Reuters

Daimler stellte die Gefahr in einem Test als Erster fest und zog die Notbremse: Bei Unfällen könne R1234yf zu einem enormen Risiko für Insassen werden, teilte das Unternehmen mit. Auch Ersthelfer wären in Gefahr. Daimler rief prompt 705 Mercedes-SL-Sportwagen zurück, die als erste Serienautos mit dem neuen Kältemittel auf dem Markt waren. Zurück in der Werkstatt, füllten die Mechaniker wieder die alte, nicht brennbare Chemikalie ein.

Das ist gegen das Gesetz. Denn seit dem 1. Januar machen sich Autohersteller mit jedem neu zugelassenen Fahrzeug strafbar, das mit dem alten Kühlmittel fährt.

Behörden prüfen

Daher hat Daimler bei der zuständigen EU-Kommission ein halbes Jahr Aufschub erbeten, um nach ungefährlicheren Alternativen zu suchen. Doch bisher schweigt Brüssel. Alle prüfen den ungeheuerlichen Verdacht. Auch die Lobbyisten vom Verband der Automobilindustrie sind an der Sache dran. Nur sagen wolle man noch nichts. Auch das Kraftfahrtbundesamt in Flensburg, das einzig den Rückruf anweisen kann, prüft, ob das Kühlmittel einen gefährlichen Mangel darstellt. Wann Ergebnisse vorliegen, wollte aber auch in der Flensburger Behörde niemand sagen.

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