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Trabi wiederbelebt Der 3-D-Drucker revolutioniert den Autobau

Der 3-D-Drucker verspricht individuelle Autos in Rekordzeit. Das US-Unternehmen Local Motors will mit Wunschvehikeln die Pkw-Produktion revolutionieren.

Was alles aus dem 3D-Drucker kommt
3D-gedrucktes Kleid
Obst muss nicht zwangsläufig auf Bäumen wachsen: Das britische Unternehmen "Dovetailed" hat nun einen 3-D-Drucker entwickelt, der auch Obst druckt. Das Gerät kombiniert dabei "Tröpfchen mit verschieden Geschmäckern", die dann mit Hilfe von Molekularküche zu einer Frucht geformt werden. Das bedeutet: Dem Fruchtmus wird Natriumalginat beigemischt. Am Wochenende wurde der 3D-Drucker im Rahmen der Tech Food Hack in Cambridge vorgestellt. Quelle: dpa
Hedwig Heinsmann, Architekt aus Amsterdam, will die Baubranche revolutionieren und vor allem umweltfreundlicher machen. Er arbeitet bei Dus Architects, einem Architekturbüro, das das erste Haus aus dem 3D-Drucker zu bauen versucht. Bisher stehen nur einige, 180 Kilogramm schwere Bauteile des Hauses. Innerhalb von drei Jahren soll daraus im Lego-Verfahren ein Haus mit 13 Räumen entstehen. Quelle: obs
In Wales haben Chirurgen ein Gesicht mit Teilen aus dem 3-D-Drucker repariert. Stephen Power hatte sich nach einem Motorradunfall den Oberkiefer, die Nase und die Wangenknochen gebrochen. Um die neue Gesichtsform möglichst realistisch darzustellen, haben die Ärzte einen CT-Scan von Powers Schädel gemacht, um daraus ein Modell zu drucken, auf dessen Grundlage Anleitungen und Platten gedruckt wurden. Durch diese Methode konnten die Knochen im Gesicht wieder an die richtigen Stellen gebracht und durch Platten zusammengesetzt werden. Seit dem Unfall war der 29-jährige so entstellt, dass er nur noch mit Sonnenbrille und Hut das Haus verlassen hat. Die Ergebnisse seien "vollkommen lebensverändernd", sagte Power dem Rundfunksender BBC. "An dem Tag, an dem ich aufwachte, konnte ich den Unterschied sofort sehen." - Die ganze Geschichte auf bbc.com Quelle: Screenshot
Das 3D-Drucker sogar Organe drucken können, ist nicht neu. Doch nun zeigt ein konkreter Fall, wie 3D-Druck leben retten kann. Der 14 Monate alte Roland Lian Bawi litt an einem schweren Herzfehler. Der kleine Junge hatte Löcher in der Herzwand, die sich nicht von alleine schließen wollten. Um die komplizierte Operation üben zu können, erstellte der Arzt Erle Austin ein perfektes Modell des erkrankten Organs. So konnte das Operationsteam vor dem schwierigen Eingriff die Abläufe trainieren. Die Behandlung verlief erfolgreich. Quelle: 3dprint.com Quelle: dpa
Gestatten: Das ist Toothless, der kleine blaue Drache. Sie kann zwar kein Feuer spucken, dafür aber ein kleines Mädchen sehr glücklich machen. Die siebenjährige Sophie hatte von ihrem Vater von all den wundersamen Sachen gehört, die schon mit 3D-Druckern hergestellt werden können, und schickte kurzerhand einen Brief an die Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation (CSIRO) mit der Bitte, einen Drachen für sie zu erschaffen. Die Forscher ließen sich nicht lange bitten und erschufen diesen kleinen blauen Drachen aus Titan für Sophie - sie war völlig aus dem Häuschen und möchte nun Wissenschaftlerin werden, wenn sie groß ist.
Zu Weihnachten wird gebastelt. Der Siemens Forscher Olaf Rehme hat dafür nicht Schere und Papier in die Hand genommen, sondern seinen 3D-Drucker angeworfen. Als private Spielerei druckt er Weihnachtsbäume aus superhartem Spezialstahl. Siemens stellt aus diesem Material Brenner für Gasturbinen her. Das Unternehmen nutzt die Technologie, um sich die komplexe Ersatzteil-Lagerung zu sparen. Außerdem lassen sich Formen drucken, die mit anderen Fertigungsmethoden unmöglich sind. Quelle: PR

Was John Jay Rogers plant, klingt in der von Großkonzernen dominierten Autowelt wie ein Totalschaden mit Ansage. Der 40-jährige Finanzanalyst mit dem markanten Kinn und dem militärisch kurzen Haarschnitt will das Geschäftsmodell der Branche mit seinem Start-up Local Motors kurzerhand auf den Kopf stellen. Statt der üblichen Großserien von Zigtausenden Fahrzeugen will der vor Selbstbewusstsein strotzende Harvard-Absolvent individuelle Autos exakt nach Kundenwunsch in Rekordzeit produzieren. Ganz gleich, wie klein der Kundenkreis ist.

Ein erster spektakulärer Schritt ist dem Mann, den US-Medien bereits als Henry Ford des 21. Jahrhunderts feiern, gerade geglückt. Der Strati, ein fahrfähiges E-Mobil entstand in nur fünf Tagen – auf einem 3-D-Drucker. Während Monteure sonst Wagen aus rund 10.000 Einzelteilen zusammensetzen, besteht der Buggy-artige Renner, Ende September in Chicago vorgestellt, aus nur 50 Komponenten.

In 44 Stunden schmolz ein 3-D-Drucker in der Größe eines Schiffscontainers 227 Lagen des schlagfesten Kunststoffs Acrylnitril-Butadien-Styrol (ABS) übereinander. 15 Stunden dauerte es dann, die Grate per CNC-Fräsen zu entfernen. Noch zwei Tage später – nach dem Einbau von Batterie, Elektronik und 45-Kilowatt-Elektromotor aus dem Renault Twizy – war der Wagen fertig.

Die Hauptsache: Der Wagen fährt

So flott ging das noch nie. Und zwar nicht nur verglichen mit dem traditionellem Autobau – bei dem zwischen den ersten Entwürfen und fertigen Fahrzeugen schon mal vier Jahre Entwicklung liegen. Selbst beim Urbee 2, einem der ersten mit 3-D-Druckverfahren produzierten Pkw-Prototypen, brauchten die Maschinen vor zwei Jahren noch rund 2500 Stunden, bis die Karosse fertig war. Grund für diese drastisch beschleunigte Produktion ist der enorme Leistungssprung der 3-D-Drucker.

Auch wenn der Strati an eine Kreuzung aus Strandbuggy, VW Käfer und Smart Roadster erinnert und Kritiker die teils noch welligen Oberflächen bespötteln – der Wagen fährt. Der US-Journalist Lance Ulanoff lenkte ihn durch New York und befand, „das Plastik-Chassis fühlt sich extrem stabil an“. Gründer Rogers strotzt denn auch vor Zuversicht: „Tesla hat den Elektroantrieb weltberühmt gemacht – wir werden das ganze Auto verändern.“

3D-Drucker für den Hausgebrauch
Ein 3D-Drucker für 220 Euro: Der Micro 3D Printer wurde bereits im Februar 2014 vorgestellt, nun bietet das US-Unternehmen den M3D auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter an. Das Finanzierungsziel des kleinen, würfelförmigen 3D-Druckers lag bei 50.000 US-Dollar - es wurde innerhalb von elf Minuten erreicht. Mittlerweile wurden über 840.000 US-Dollar zugesagt. Die Finanzierungskampagne läuft noch bis zum 7. Mai 2014. Der 3D-Drucker wiegt rund 1 Kilogramm und kann per USB mit dem Computer verbunden werden. Er verarbeitet ABS, Nylon und PLA. Im Schmelzschichtungsverfahren und bei einem Bauraum von 11 x 11 x 12 cm wird nur der Druck von sehr kleinen Gegenständen ermöglicht. M3D will dabei unterschiedliche Kunststofffarben anbieten. Der Kunststoffdraht hat einen Durchmesser von 1,75 mm und wird von einer kleinen Spindel abgerollt, die sich im Gerät befindet. Eine Rolle mit 225 Gramm Druckmaterial soll etwa 12 US-Dollar kosten. Voraussichtlich wird der erste Druckerwürfel im November 2014 ausgeliefert. Quelle: Golem Quelle: Screenshot
140 Euro soll dieser winzige Freihand-3-D-Drucker in der Form eines Stiftes kosten. Damit können besonders feine Strukturen aus erhitztem Kunststoffdraht gemalt werden, dessen Ausgabe-Geschwindigkeit über zwei Tasten gesteuert werden kann. Die Herausforderung für die Entwicklung: Der Lix Pen soll über Kickstarter finanziert werden. Der Stift ist 16,4 Zentimeter lang und hat einen Durchmesser von 1,4 Zentimeter - er wiegt 35 Gramm. Gefüllt wird der Stift mit einem Filament, also Fasern, die rund zehn Zentimeter lang ist und für zwei Minuten zeichnen ausreichen. Die Stromversorgung läuft über USB. Quelle: Golem.de Quelle: PR
Fertig montiert und flott einsatzbereit ist das Modell FreeSculpt von Pearl. Der Drucker kostet 800 Euro. Kompakte Formen lassen sich mit dem Gerät gut erstellen, bei feineren Gegenständen franst das Ergebnis häufig aus. Außerdem sind die einzelnen Schichten deutlich zu erkennen. Für den Preis verdient der Drucker trotzdem das Prädikat CHIP-Preistipp. Quelle: Presse
Ab 1000 Euro ist der iRapid zu haben. Das Modell produziert sämtliche Druckaufträge bis zu einem Volumen von 25 Zentimeter Breite, 15 Zentimeter Tiefe und 12 Zentimeter Höhe. Laut Hersteller ist das Gerät nahezu pannen- und wartungsfrei und hat ein nettes Extra eingebaut: Beim Drucken ist das Innenleben des Geräts beleuchtet, so dass man den Vorgang gut beobachten kann. Quelle: Presse
Für den Fabbster der Firma Sintermask blättern Käufer rund 1500 Euro hin. Dafür können Kunden das Gerät leicht in Betrieb nehmen. Die Grundfläche, auf der das Objekt entsteht, lässt sich leicht justieren. Allerdings ist das Druckmaterial komplizierter einzulegen als bei den Konkurrenzmodellen. Quelle: Presse
Der Ultimaker kostet etwas mehr als 2000 Euro und wirkt mit seiner Holzoptik rustikal. Wer Spaß daran hat, kann sich seinen Drucker selbst zusammenbauen. Ein CHIP-Redakteur braucht dafür etwa 16 Stunden. Für andere Bausätze braucht man schon mal 24 Stunden. Wer darauf keine Lust hat, kann sich seinen Drucker auch vormontiert bestellen. Im Test zeigten sich zwei Nachteile des Ultimaker: Zum Einen muss die Grundfläche häufig justiert werden. Zum anderen sind die Führungsstangen ein wenig zu lang. Foto: Mirko Tobias Schaefer/ Flickr Quelle: Presse
Testsieger ist der Replicator 2 der Firma Makerbot. Er kostet zwar 2350 Euro. Laut CHIP lohnt sich das Geld allerdings. Zwar wackelt die Kontrolleinheit, das Druckergebnis leidet aber nicht darunter. Besonders praktisch: Die Kalibrierung fällt leicht, weil das Gerät nicht mehr als die drei nötigen Einstellschrauben hat. Außerdem fährt der Druckkopf automatisch in die richtige Position. Ein Display zeigt an, welcher Schritt als nächstes folgt. Quelle: Presse

Tatsächlich stecken in seinem Geschäftsmodell weitere Innovationen. Local Motors mit Sitz in Arizona und Massachusetts hat nur rund 100 Mitarbeiter, nutzt aber die Ideen einer Online-Community von mehr als 45.000 Entwicklern aus 130 Ländern. Darunter sind Ingenieure und Techniker ebenso wie Amateure, die auf alle Baupläne zugreifen und sie weiterentwickeln können. Schreibt ein Kunde auf der Plattform von Local Motors sein Wunschfahrzeug aus, werden sie aktiv: Wer liefert das beste virtuelle Concept Car? Für die überzeugendsten Lösungen gibt es jeweils ein paar Tausend Dollar aus dem Projektbudget.

Expansion nach Europa

Die Fahrzeuge will Rogers nicht in großen Werken bauen wie etablierte Autohersteller, sondern in Kleinfabriken voller 3-D-Drucker. Die ersten stehen in Phoenix und in Las Vegas. Weitere, auch in Deutschland, sollen folgen. „In zehn Jahren wollen wir mehr als 100 Standorte haben“, sagt Damien Declercq, der gerade in Berlin die Europa-Dependance von Local Motors aufbaut. Ob Pizzawagen, Strandbuggy oder Oldtimer wie der Trabi – alles ließe sich so schnell dezentral produzieren.

Das US-Militär interessiert sich bereits für die schnelle Entwicklung von Sonderfahrzeugen, Autohersteller beäugen die Idee dagegen noch skeptisch. Allein BMW nutzte die Plattform von Local Motors vor zwei Jahren, um Ideen für künftige Fahrzeugmodelle zu sammeln. Mehr als 400 innovative Konzepte kamen so zusammen.

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Rogers dagegen will den Strati schon kommendes Jahr im Handel haben – zu Preisen von rund 18.000 Euro. Dafür allerdings braucht er nicht nur gefälligere Oberflächen. Viel wichtiger ist, dass die gedruckten Autos bei einem Unfall nicht wie Papier in sich zusammenfallen. Mit den Tests will Rogers jetzt beginnen.

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